Umstrittene Genussmittel Tabakkonzerne fordern Zulassung von Nikotinbeuteln

Die Tabakindustrie will nikotinhaltige Zellulosebeutel in Deutschland legalisieren lassen. Diese Produkte sind in vielen EU-Ländern bereits zugelassen, in Deutschland aber verboten. Gesundheitsexperten warnen vor Abhängigkeit besonders bei jungen Menschen.

Freitag, 21. Februar 2025, 08:56 Uhr
Theresa Kalmer (mit dpa)
Sie sind klein, aus Zellulose und sie schmecken nach Minze, Beeren oder Cocktails. Die Rede ist von Nikotinbeuteln, die immer häufiger konsumiert werden in Deutschland. Trotz Verkaufsverbots in Läden. Bildquelle: Bundesverband der Tabakwirtschaft und neuartiger Erzeugnisse (BVTE)

Die Tabakbranche drängt auf die Legalisierung von Nikotinbeuteln in Deutschland. Die kleinen Beutel aus Zellulose, die unter die Oberlippe geschoben werden und Nikotin ohne Tabak enthalten, dürfen bislang in deutschen Geschäften nicht verkauft werden, so Philip Morris. Die Beutel enthalten statt Tabak verschiedene Aromen wie Menthol, Zimt oder Früchte.

Pouches gelten in Deutschland als Lebensmittel

„In vielen anderen EU-Staaten sind sie legal zu kaufen, aber Deutschland lässt das nicht zu – damit verzichtet der Bund auf Steuereinnahmen und auf die Kontrolle der Produkte“, sagte der Geschäftsführer External Affairs von Philip Morris Deutschland, Torsten Albig, der Presseagentur dpa in Berlin.

Die Situation in Deutschland ist ungewöhnlich: Die Pouches gelten als Lebensmittel und dürfen deshalb wegen ihres Nikotingehalts nicht in Geschäften verkauft werden. Bestellen können Verbraucher die Produkte aber aus anderen EU-Ländern wie Schweden. Zudem bieten viele Kioske die Produkte laut Philip Morris über den Schwarzmarkt an.

Große Tabakkonzerne verdienen viel mit den Beuteln

Die großen Tabakkonzerne setzen verstärkt auf die nikotinhaltigen Beutel. Philip Morris verkaufte 2024 unter der Marke Zyn 644 Millionen Dosen, 53 Prozent mehr als im Vorjahr. Auch British American Tobacco und Japan Tobacco International berichten von starkem Wachstum bei ihren Nikotinbeutel-Marken in Ländern wie Großbritannien, Schweden und der Schweiz.

Die Tabakkonzerne investierten Milliarden in rauchfreie Produkte wie E-Zigaretten, Tabakerhitzer und Nikotinbeutel, um ihr Geschäftsmodell für die Zukunft umzubauen.

Krebsforschungszentrum warnt vor Gesundheitsrisiken

Gesundheitsexperten warnen vor den Gefahren der Produkte. „Nikotinbeutel sind keine zugelassenen Entwöhnungsprodukte wie Nikotin-Kaugummis oder Nikotin-Pflaster, die ein medizinisches Verfahren durchlaufen und ihre Wirksamkeit nachgewiesen haben“, sagt Katrin Schaller vom Deutschen Krebsforschungszentrum. Die Biologin bezeichnet die Produkte als „durchdesignte Lifestyle-Produkte, die vor allem junge Leute ansprechen und ihre Konsumenten in die Abhängigkeit bringen.“ Über die genaue Schädlichkeit der Pouches gebe es noch keine Langzeitstudien. Nikotin könne zu Übelkeit, Erbrechen und in höherer Dosis zu Krämpfen und Atemnot führen.

Bundessuchtbeauftragte gegen Legalisierung

Der Bundessuchtbeauftragte Burkhard Blienert lehnt eine Legalisierung ab. „Ich sehe die große Gefahr, dass diese Produkte innerhalb kürzester Zeit Tausende von Jugendlichen nikotinabhängig machen würden“, warnt der SPD-Politiker.

Auch der CDU-Bundestagsabgeordnete Tino Sorge schließt sich an: Die aufgenommenen Nikotinmengen könnten sogar höher sein als bei Zigaretten. Das Bundesernährungsministerium verweist auf die Notwendigkeit einer EU-einheitlichen Regelung. Die Verbraucherschutzminister der Bundesländer hatten sich bereits 2021 für eine nationale Regelung im Tabakrecht ausgesprochen, die bisher nicht umgesetzt wurde.

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