Sie trägt ihre Krone mit Stolz – die Ananas, Königin der Tropenfrüchte. Sie ist ein Hingucker im Regal, fruchtig-süß im Geschmack und reich an Vitaminen – logisch, dass sie ein Muss in der Obst- und Gemüseabteilung ist. Doch in diesem Jahr kam selbst die „Königin“ ins Schwitzen: Händler berichten von Lieferengpässen. Was steckt hinter den Turbulenzen am Ananasmarkt? „Aufgrund schwacher Ananasernten, insbesondere in Costa Rica, Thailand und auf den Philippinen, war der Markt im ersten Halbjahr 2025 durch Lieferengpässe geprägt“, erklärt Armin Rehberg, CEO von San Lucar. Costa Rica ist der weltweit größte Exporteur und deckt mehr als 75 Prozent der Nachfrage in Europa.
Michaela Schneider, Leiterin Nachhaltigkeit und Handelsmanagement bei Fyffes, konkretisiert: „In der Region Costa Ricas, in der unsere Farm Anexco einen Großteil der Ananas für Europa produziert, schmälerten starke Regenfälle, gesättigte Böden mit Sauerstoffmangel, bewölkte Tage ohne ausreichende Sonneneinstrahlung und höhere Temperaturen als in den Vorjahren die Erntemengen.“ Gleichzeitig führte die hohe Produktionsmenge der vorherigen Saison zu einem erwarteten Rückgang zwischen August und Oktober 2025. Inzwischen stabilisiere sich die Verfügbarkeit sämtlicher Fruchtgrößen sowohl bei der Ananas mit Krone – High Color – als auch ohne Krone – Crownless. Für das vierte Quartal 2025 erwartet Fyffes eine solide Versorgungslage.
Es gibt noch weitere Einflussfaktoren auf den Ananas-Markt: Die Saftindustrie verschärft den Wettbewerb um Rohware. Michaela Schneider: „Nach der schlechten Orangenernte 2024 und der rückläufigen Orangensaftproduktion wechselten viele Saftproduzenten zur Ananas und boten den Erzeugern attraktive Preise. Zahlreiche Produzenten entschieden sich daher, ihre Ware an die Saftindustrie statt an den Frischmarkt zu verkaufen.“ Und Fresh Del Monte fügt hinzu, dass die schnell wachsende Nachfrage der Märkte sowie die derzeitigen Kapazitäten zusätzlich die gesamte Logistikkette an ihre Grenzen bringen würden. Der Grund seien erhebliche Störungen im Seefrachtverkehr zu den wichtigsten europäischen Häfen.
Geringere Mengen, höhere Preise
All diese Ereignisse wirkten sich auf den gesamten Ananas-Markt aus. Laut Marktforschungsdaten von Yougov sank die Verkaufsmenge von Januar bis Juli 2025 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um fast 13 Prozent, die Preise zogen um 8,6 Prozent an (siehe Grafik rechts). Manche Händler wie Thomas Kunkel, Geschäftsführer von Rewe Kunkel, gaben den gestiegenen Einkaufspreis jedoch nicht an die Verbraucher weiter.
Trotz der Herausforderungen sind Importeure und Vermarkter wie San Lucar, Fyffes und Del Monte offensichtlich zufrieden – zumindest sagen sie es so. Bei Fyffes sorgten eine enge Zusammenarbeit mit den Anbauern, präzise Ernteplanung und „das Engagement der Qualitätsteams an den europäischen Eingangshäfen“ dafür, dass Fyffes lieferfähig blieb. Und Armin Rehberg von San Lucar berichtet: „Dank unserer starken Präsenz in Costa Rica und eines verlässlichen Netzwerks lieferten wir kontinuierlich und steigerten unseren Umsatz um mehr als 10 Prozent.“ Zudem wachse die Nachfrage nach Ananas aus Costa Rica jährlich, die Anbauflächen blieben jedoch maximal konstant. Das begrenze langfristig die Verfügbarkeit und treibe die Preise. San Lucar reagiere darauf, indem das Unternehmen in den Ausbau neuer Ursprungsregionen investiert und zusätzliche Premium-Produktionen in Costa Rica sichert.
Ananas mit und ohne Krone
Wie bei vielen Produkten setzen Händler auch bei Ananas auf Vielfalt und Mehrwert. Viele Kaufleute bieten zusätzlich verzehrfertige Fresh-Cut-Stücke oder den Service einer Schneidemaschine. Für Gesprächsstoff sorgte Penny, als der Discounter im September sein Angebot komplett auf Ananas ohne Krone umstellte – obwohl die Idee nicht neu ist. Es handele sich wie vor der Umstellung durchweg um die Qualitäten „Extra-Sweet“ oder „Gold“. Die Krone, die etwa 25 Prozent des Fruchtvolumens ausmacht, wird laut Penny bei der Ernte abgeschnitten. Die Erzeuger nutzen 80 Prozent der Kronen als Dünger, etwa 20 Prozent verwenden sie zum Anbau neuer Ananas. So will Penny Transport- und Verpackungseffizienz steigern und den CO₂-Fußabdruck verringern.
Negative Entwicklungen oder kritische Stimmen der Konsumenten gab es laut eines Penny-Sprechers nicht. Ob Konzernmutter Rewe nachzieht, bleibt offen: „Wir tauschen unsere Erkenntnisse regelmäßig mit den Kollegen bei Rewe aus.“
Lidl testet kronenlose Ananas in Teilen Süd- und Ostdeutschlands. Globus bietet in allen Markthallen die Globus Gold Ananas mit Krone (6er-Kaliber), Ananas mit Krone (6er-Kaliber) sowie Ananas ohne Krone (9er-Kaliber) an. Fernando Frijio, Bereichsleitung Food, Globus Markthalle Koblenz-Bubenheim, berichtet: „Bei uns macht die kronenlose Ananas 80 Prozent des Absatzes aus, da wir für unsere Ananas-Schneidemaschine nur diese Variante verwenden. Für große Aufbauten würden wir aus optischen Gründen aber immer die Ananas mit Krone präsentieren.“

Geteilte Meinung zum Potenzial
Welches Potenzial sehen die Importeure und Erzeuger? Fyffes bietet Crownless-Ananas bereits erfolgreich an – sowohl im Fresh-Cut-Bereich als auch zunehmend im Lebensmitteleinzelhandel. „Das Konzept trifft den Zeitgeist einer bewussten, bequemen und nachhaltigen Ernährung und hat daher das Potenzial, sich langfristig als attraktives Produktsegment im Ananasmarkt zu etablieren“, ist Michaela Schneider überzeugt.
San-Lucar-Chef Armin Rehberg steht dem Potenzial dieser Variante im Lebensmittelhandel zurückhaltend gegenüber: „Wir führen diese Variante nur in sehr geringem Umfang im Sortiment – aktuell macht sie rund 2 Prozent unseres Ana-nasvolumens aus.“ Potenzial sieht er vor allem im Hotel-, Restaurant- und Catering-Bereich, wo es auf eine einfache Weiterverarbeitung ankommt. Im klassischen Lebensmitteleinzelhandel erwartet er keine breite Nachfrage.
Befragte Kaufleute sehen es wie Rehberg: Rewe Kunkel in Memmingen bietet beide Varianten an. Im freien Verkauf bevorzugen die Kunden weiterhin Früchte mit Krone. Für die Verarbeitung – etwa für die Ananas-Schneidemaschine – setzt Geschäftsführer Thomas Kunkel auf die kronenlose Variante Ananas Gold von einem regionalen Partnerbetrieb: „Mit dieser Variante sparen wir Entsorgungskosten und arbeiten effizienter.“
Pascal Gerdes, Inhaber Edeka Gerdes, hat den Verkauf der Ananas ohne Krone im freien Verkauf getestet. „Da greift kein Kunde zu“, stellte er fest und sieht nun davon ab. Der Grund: Viele Kunden zupfen für den Frischtest an den Blättern, um zu prüfen, ob sich diese leicht lösen lassen. Fehlt die Krone, fehlt auch das Vertrauen in die Qualität. Dagegen haben kronenlose Super-Sweet-Ananas in seiner Schnippelküche ihren festen Platz. Auch die Investition in eine Schneidemaschine hat sich für Pascal Gerdes gelohnt. „Im Monat verkaufen wir durchschnittlich 1.733 geschälte und 381 ungeschälte Ananas. Das zeigt, dass sich Frische, Convenience und clevere Verarbeitung bestens ergänzen“, so der Edekaner.
Handel ist gefragt
Die Beispiele verdeutlichen, wie stark Verbraucherakzeptanz, Convenience und Präsentation zusammenspielen. Um das Potenzial der Kategorie Ananas voll auszuschöpfen, appelliert Michaela Schneider an den Handel: „Angesichts der anspruchsvollen klimatischen Bedingungen sind Flexibilität und eine enge Zusammenarbeit zwischen Lebensmitteleinzelhandel und Lieferanten wichtiger denn je. Nur so lässt sich sicherstellen, dass Ananas genau dann beworben und präsentiert wird, wenn die Ware in optimaler Qualität und ausreichender Menge verfügbar ist.“
Anders als die Vollsortimenter verkauft Lidl in allen Filialen Ananas seit August dauerhaft nach Kilopreis. „Der Kiloverkauf der Ananas-Sorte MD2 ‚Super-Sweet‛ ist für Kunden besonders transparent: Unabhängig vom Gewicht der Frucht zahlen sie immer den gleichen Preis pro Kilogramm, egal welche Ananas-Größe sie präferieren“, erklärt ein Lidl-Sprecher. Schließlich handele es sich bei Ananas um ein Naturprodukt, das in unterschiedlichen Größen wächst und geerntet wird.
Lidl möchte zwar möglichst große Früchte anbieten, nimmt den Produzenten aber grundsätzlich alle Größen ab. „Somit stellen wir für die Landwirte sicher, dass alle Produkte vermarktet werden können“, teilt der Discounter mit. Zum Kundenverhalten wollte sich Lidl nicht äußern.
Aldi handhabt es unterschiedlich: Während auch Aldi Süd Ananas als Kiloware anbietet, verkauft Aldi Nord diese Früchte weiter je Stück. Weiter hat sich Aldi nicht dazu geäußert.
Fragt sich, wie der Kilopreis bei den Kunden ankommt. Ein Branchenkenner teilt der Lebensmittel Praxis mit: „Für die Kunden ist der Stückpreis für Ananas ,gelernt‘. So kommt es an SB-Kassen vor, dass manche Kunden die Frucht doch nicht kaufen und einfach an der Kasse liegen lassen, wenn der tatsächliche Preis der Frucht angezeigt wird.“
