Vegane Produkte Veganz geht trotz Verlusten an die Börse

Die Veganz Group AG plant in den nächsten Monaten erstmalig Aktien in den freien Handel zu geben. Damit soll Geld für eine neue Produktionsstätte eingesammelt werden. Aber es geht nicht nur um eine Kapitalerhöhung ­– einige Aktionäre trennen sich von Anteilen.

Mittwoch, 13. Oktober 2021 - Hersteller
Lebensmittel Praxis
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Bildquelle: Veganz Group

Das Gesamtvolumen des Börsengangs wird sich voraussichtlich auf bis zu 50 Millionen Euro belaufen, wobei aus dem Verkauf der neuen Aktien circa 35 Millionen Euro erzielt werden sollen. Diese Summe soll zum größten Teil für den Aufbau der neuen Produktionsstätte in der Nähe von Berlin sowie für Investitionen in das weitere organische und anorganische Wachstum von Veganz, z.B. für Forschung und Entwicklung, den Ausbau des Außendienstes, Marketing und die weitere Expansion in ausgewählten europäischen Ländern, verwendet werden. Welche Anteilseigner ihre Aktien ganz oder teilweise anbieten werden, war trotz Nachfrage vom Unternehmen nicht zu erfahren. Neben Firmengründer Jan Bredack sind die Vegan Angels GmbH (14,1 %), die Paladin Asset Management Investmentaktiengesellschaft mit Teilgesellschaftsvermögen (12,5 %), Katjesgreenfood GmbH (7,8 %), Develey Holding GmbH & Co. Beteiligungs KG (3,5 %) und Brandenburg Kapital GmbH (100%-ige Tochtergesellschaft der Investitionsbank des Landes Brandenburg) (3,5 %) beteiligt.

Im Geschäftsjahr 2020 stiegen zwar die unkonsolidierten Umsatzerlöse von Veganz um 12,7 Prozent auf 30,2 Millionen Euro (davon 3,5 Millionen Euro aus den „Veganz“-Stores). Und auch die Umsatzerlöse im Sechsmonatszeitraum zum 30. Juni 2021 betrugen 17,2 Millionen Euro (davon EUR 1,7 Millionen Euro aus den „Veganz“-Stores) und lagen damit 16,2 Prozent über dem Sechsmonatszeitraum zum 30. Juni 2020. Dennoch wies das bereinigte EBITDA der Gesellschaft im Geschäftsjahr 2020 ein Ergebnis von -2,1 Millionen Euro aus. Und auch im ersten Halbjahr 2021 wurde ein Verlust von ebenfalls -2,1 Millionen Euro eingefahren.

Während die Produktion heute immer noch größtenteils an Dritthersteller ausgelagert ist, hat Veganz im Jahr 2020 in Berlin die erste eigene kleine Produktionsstätte für Weichkäsealternativen errichtet. Alexandra Vázquez Bea, Chief Financial Officer (CFO) von Veganz: „Mit der vertikalen Integration durch den Ausbau der eigenen Produktion könnte sich ein wesentlicher Faktor für Margensteigerungen ergeben. Der Aufbau eigener Produktionskapazitäten mit Fokussierung auf die drei Kategorien ‚Käsealternativen‘, ‚Fischalternativen‘ sowie ‚texturierte pflanzliche Proteine‘ sollten es uns ermöglichen, Technologien und Lieferantenbeziehungen noch effektiver zu nutzen, Kosten durch Verbesserungen in der Lieferkette zu senken und darüber hinaus die Rohstoffpreise durch mögliches Indoor-Farming zu optimieren. Aufgrund all dieser Faktoren könnten Produkte aus unserer eigenen Produktion potenziell eine fast doppelt so hohe Bruttomarge erzielen wie Produkte, deren Produktion wir ausgelagert haben.“

Vor diesem Hintergrund beabsichtigt Veganz, eine weitere größere Produktionsstätte auf rund 10.000 Quadratmetern im Bundesland Brandenburg, nahe Berlin, zu errichten. Veganz rechnet damit, mittelfristig den Anteil der Umsatzerlöse aus der Eigenproduktion von 0,3 Prozent zum 30. September 2021 auf 30 Prozent zu erhöhen. In der neuen Produktionsstätte sollen rein pflanzlicher Fisch (Räucherlachs, Garnelen, Thunfisch) und texturiertes Protein zur Herstellung von ungekühlten Fleischersatzprodukten sowie Käsealternativen produziert werden. Potenzieller Bestandteil der zukünftigen eigenen Produktion könnte auch das ganzjährige sogenannte „Vertical Farming“ von Gemüse, Obst, Speisepilzen und Meeresalgen sein.

Veganz wurde 2011 gegründet und deckt heute 17 Kategorien mit 101 Produkten ab, darunter Frühstückszutaten, Alternativen für Käse, Fleisch, Fisch und Aufschnitt, Proteinprodukte, Fertiggerichte, Süßigkeiten und Snacks. Veganz will in Zukunft vermehrt auf Produktinnovationen setzten, die „auf vergleichsweise komplexen Herstellungsverfahren und nicht nur auf Rezepturen beruhen“. Im Gegensatz zu Rezepturen könnten diese Herstellungsverfahren auch als geistiges Eigentum geschützt werden. Dadurch sei Veganz zunehmend in der Lage, ein Produktportfolio anzubieten, das von Wettbewerbern nicht ohne Weiteres nachgeahmt werden kann, heißt es vom Unternehmen. Solche Produktinnovationen beziehen sich jedoch nicht nur auf die Lebensmittel, sondern auch auf deren Verpackung. Veganz setze dabei auf nachhaltige und nachwachsende Rohstoffe. So hat Veganz nach eigener Erkenntnis die erste kompostierbare Verpackung für Kühlprodukte auf den Markt gebracht. Im Jahr 2020 waren 84,4 Prozent der Veganz-Verpackungen recycelbar, wiederverwendbar und/oder kompostierbar.

Zum 30. Juni 2021 war Veganz mit dem Produktportfolio an 22.627 Verkaufspunkten weltweit vertreten, darunter auch die drei eigenen Stores in Berlin. Um Verbraucher online zu erreichen, werden die Produkte von Veganz über Online-Verkaufsplattformen wie amazon.com, rohlik.cz, snacky.ch und vekoop.de sowie über Quick-Commerce-Anbieter wie Gorillas, flink, Foodpanda und weezy angeboten. Zudem bietet Veganz seine Produkte auch über den neuen Vertriebskanal „Food Service“ in Kooperation mit seinen Partnern an, beispielsweise dem Backwarenunternehmen Bakerman und dem deutschen Fußballverein RB Leipzig. Für das weitere Wachstum stehe man zudem in engen Verhandlungen mit Aramark, einem der größten Caterer in Deutschland, heißt es vom Unternehmen.

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