Nahrungsergänzungsmittel Proteinpulver wird in Deutschland bis zu 60 Prozent teurer

Die Preise für Proteinpulver sind seit Jahresbeginn massiv gestiegen. Grund ist eine weltweit knappe Versorgung mit Molke – dem wichtigsten Rohstoff. Branchenvertreter rechnen nicht damit, dass die Preise wieder sinken.

Freitag, 12. Juni 2026, 10:07 Uhr
Theresa Kalmer (mit dpa)
4,6 Millionen Haushalte in Deutschland kauften zuletzt Proteinpulver – 66 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Bildquelle: Getty Images

Proteinpulver hat sich in Deutschland massiv verteuert. Seit Januar seien die Preise um 40 bis 60 Prozent gestiegen, teilte die Agrarmarkt Informations-Gesellschaft mit. Gleichzeitig melden Händler wie Rewe und dm vereinzelte Lieferengpässe bei besonders gefragten Marken.

Abnehmspritzen heizen Nachfrage an

Die Ursachen liegen laut Branchenvertretern vor allem in einer weltweit knappen Versorgungslage. „Die Molkenpulverpreise sind seit Mitte 2023 kontinuierlich gestiegen“, sagte Alexander Anton, Generalsekretär des Europäischen Milchindustrieverbands. Der Trend habe seit Anfang 2026 deutlich an Fahrt gewonnen. Zwar sei der deutsche Markt ausreichend versorgt. Dennoch rechnet Anton nicht damit, dass die Preise wieder sinken.

Die Nachfrage nach Proteinpulver wächst rasant. Nach Angaben des Marktforschers Yougov kauften zuletzt 4,6 Millionen Haushalte in Deutschland mindestens einmal Proteinpulver – ein Anstieg um 66 Prozent innerhalb eines Jahres. Vor allem Verbraucher der Jahrgänge 1982 bis 2011 treiben den Trend.

Kerstin Keunecke, Bereichsleiterin Milchwirtschaft der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft, nannte als Gründe veränderte Ernährungsgewohnheiten und eine steigende Nachfrage sowohl bei Sportlern als auch bei Menschen, die sich eiweißreich und diätetisch ernähren wollen. Insbesondere in den USA habe auch die Verbreitung von Abnehmspritzen die Nachfrage angeheizt: Patienten werde eine proteinreiche Ernährung empfohlen, um einem Muskelabbau bei Gewichtsverlust entgegenzuwirken.

DMK investiert 26 Millionen Euro in neue Molkenprotein-Anlage

Molke, der wichtigste Rohstoff für Proteinpulver, fällt als Nebenprodukt der Käseherstellung an und lässt sich daher nicht beliebig vermehren. The Quality Group, das Unternehmen hinter den Marken More Nutrition und ESN, sieht nach eigenen Angaben „aktuell keine reine kurzfristige Preisspitze, sondern eine Marktkorrektur in einem strukturell enger gewordenen Molkenproteinmarkt“. Besonders knapp seien höherwertige Proteinkonzentrate.

Der Molkereikonzern DMK reagiert auf die Lage und investiert den Angaben zufolge rund 26 Millionen Euro in eine neue Anlage für Molkenprotein im niedersächsischen Edewecht. Auf sinkende Preise stellte das Unternehmen die Verbraucher allerdings nicht ein: Steigende Kosten in vielen Bereichen und notwendige Investitionen in Technologie belasteten Unternehmen und Landwirte gleichermaßen. Auch bei anderen proteinreichen Lebensmitteln wie Skyr und Tofu kam es in den vergangenen Monaten vielfach zu Engpässen im Handel.

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