Gewalt in Nahost Sorge vor höheren Lebensmittelpreisen durch Iran-Krieg

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Der Krieg gegen den Iran könnte nach Einschätzung von Experten die Preise für Verbraucher in Deutschland nicht nur an der Zapfsäule steigen lassen. Experten halten auch bei Lebensmitteln Kostensteigerungen für möglich. Auch erhebliche Auswirkungen auf die Produktion werden erwartet.

Mittwoch, 04. März 2026, 13:22 Uhr
Thomas Klaus (mit dpa)
Erhebliche Folgen befürchtet: Auch die Lebensmittelwirtschaft wird voraussichtlich stark belastet werden. Bildquelle: Getty Images

Experten rechnen im Zusammenhang mit dem Krieg gegen den Iran mit Preiserhöhungen bei Lebensmitteln und erheblichen Auswirkungen auf die Lebensmittelproduktion. „Natürlich könnte der Krieg Kosteneffekte bei Lebensmitteln nach sich ziehen. Die Beschaffungswege sind kosten- und energieintensiv.“ Das sagte Boris Hedde, Geschäftsführer des Handelsforschungsinstituts IFH Köln. Schon nach Beginn des Kriegs in der Ukraine seien die gestiegenen Aufwendungen für Lieferung, Logistik und Energie bei den Verbrauchern angekommen, so Hedde. Viele Lebensmittel wurden damals deutlich teurer. 

Grömling: Folgen gegenwärtig schwer abschätzbar

Auch Michael Grömling, Forscher am Institut der deutschen Wirtschaft (IW), hält solche Folgen wieder für möglich: „Die aktuelle Nahostkrise dürfte die gesamte Rohstoffproblematik und damit die inländischen Produktionskosten weiter beeinträchtigen. Wann und wie stark dies auf die Lebensmittelpreise für Endverbraucher durchschlägt, ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt schwer abzuschätzen.“ Das hänge von der Dauer der Krise und den vielfältigen Störungen im internationalen Austausch ab.

Minhoff warnt vor Kosten-Tsunami

Die Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE) erwartet durch die Kostensteigerungen bei Gas und Öl Auswirkungen auf die Produktion von Lebensmitteln und Getränken. Viele Produktionsprozesse wie Trocknen oder Backen seien auf Erdgas angewiesen. Steigende Ölpreise verteuern laut Verband Diesel- und Kraftstoffe und so insbesondere die Logistik. Gesperrte Transportwege, längere Routen und geringere Containerkapazitäten führten zu höheren Fracht- und Logistikkosten.

BVE-Hauptgeschäftsführer Christoph Minhoff forderte die Bundesregierung dazu auf, die Branche zu entlasten:  „Wer den drohenden Kosten-Tsunami für die Lebensmittelbranche stoppen will, um den Verbraucher nicht zusätzlich zu belasten, muss jetzt konsequent handeln.“ Der BVE verlangt von der Politik unter anderem eine Reaktivierung der Gaspreisbremse von 2023 und das Aussetzen der Lkw-Maut für Lebensmitteltransporte. Minhoff sagte: „Weg mit Maut und Netzentgelten für die Lebensmittelbranche, keine weiteren Belastungen durch Steuern, Abgaben und bürokratische Dokumentationspflichten. Die Zeit des Abwartens und Bedenkens muss vorbei sein!“

VCI: Krieg verschärft deutsche Wettbewerbsnachteile

Sollte der Konflikt länger anhalten, sei zu befürchten, dass es in einem erheblichen Umfang zur Drosselung der Produktion oder sogar zur Aufgabe ganzer Geschäftszweige komme. Das habe sich auch 2022 beim Beginn des russischen Krieges gegen die Ukraine gezeigt, so Minhoff.

Der Chemieverband VCI wies darauf hin, dass durch die Sperrung der Straße von Hormus mehr als 20 Prozent der globalen Öl- und Flüssiggasmengen wegfielen. Das verschärfe Deutschlands Wettbewerbsnachteile gegenüber Standorten mit strukturell günstigeren Energiepreisen, etwa den USA, und belaste die Unternehmen der Chemiebranche und darüber hinaus.

Die Wirtschaftsvereinigung Stahl unterstrich ebenfalls, wie sehr die Stahlindustrie angesichts der zunehmenden Elektrifizierung der Produktionsprozesse auf wettbewerbsfähige Energiepreise angewiesen sei. Industriepolitische Maßnahmen sollten nun die Gas- und Strompreise stabilisieren. Ziel müsse ein verlässlicher Strompreis für die Industrie von 50 Euro je Kilowattstunde sein, inklusive aller Entgelte, Abgaben und Steuern. 

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