Umfrage Esskultur im Wandel verbindet Generationen

Die aktuelle Esskultur bewegt sich zwischen Tradition und neuen Verhaltensweisen. Eine repräsentative Appinio-Umfrage im Auftrag der Essensretterplattform Too Good To Go über drei Generationen zeigt unter anderem: Frisch kochen bleibt weit verbreitet.

Mittwoch, 04. März 2026, 11:03 Uhr
Thomas Klaus
Sparsamkeit trifft Nachhaltigkeit: Eine neue Studie zeigt, wie sich Esskultur wandelt und Generationen verbinden kann. Bildquelle: Too Good To Go

Frisch kochen bleibt weit verbreitet. Zugleich unterscheiden sich die Generationen in ihrer Neugier, in ihrem Umgang mit Mindesthaltbarkeitsdaten und in der Nutzung digitaler Angebote. Das sind Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage von Appinio im Auftrag der Essensretterplattform Too Good To Go. Im Februar wurden 1.000 Verbraucher interviewt.

Junge Generation nutzt Warenanebot spielerischer

Die jüngste Befragung zeigt nach Angaben von Too Good To Go auch, dass die Aspekte Sparen und die Suche nach einem wertschätzenden Umgang mit Lebensmitteln alle Altersgruppen verbindet. Das biete damit großes gemeinsames Lernpotenzial, wobei die 30- bis 41-Jährigen hier eine wichtige Brückenfunktion einnähmen.

Sehr deutlich wird in der Umfrage, dass die verschiedenen Generationen ganz unterschiedliche Prioritäten und Wissensstände haben, aus denen sich sehr viel Potenzial für gegenseitiges Lernen ergeben könnte. 

Die junge Generation zeigt sich kreativer und offener hinsichtlich verschiedener Lebensstile und Ernährungsweisen. Außerdem nutzt sie das reiche Warenangebot wie auch die vielfältigen Inspirationsquellen spielerischer: 57 Prozent der 18- bis 29-Jährigen geben an, häufig bis sehr häufig neue Rezepte und Ernährungstrends auszuprobieren. Auch in der Nutzung von Online- und alternativen Angeboten - sowohl beim Einkauf als auch beim Weitergeben von Lebensmitteln – ist die jüngere Generation der Älteren einen Schritt voraus. Denn die Nutzung von Online- und Alternativangeboten nimmt mit höherem Alter immer mehr ab.

Achtsamkeit und Selfcare spiegeln sich im Einkaufsverhalten wider

Die Älteren zwischen 54 und 65 Jahren tendieren eher zu Routinen und bewahren Bewährtes: Neues wird von 8 Prozent nie und nur von 56 Prozent gelegentlich probiert, nahezu alle, sprich 93 Prozent, kaufen hauptsächlich im Supermarkt. Die Älteren seien erfahrene Esser, die sich eher traditionell ernährten und weniger dazu neigten, Neues auszuprobieren.

Das bestätigt auch Hanni Rützler, eine der führenden Foodtrend-Forscherinnen; sie begleitete die Umfrage. Die Jüngeren hätten Großteils gar nicht mehr traditionell kochen gelernt, wie die Generationen vor ihnen, so Rützler weiter. Wirtschaftliche Krisen, aber auch die Corona Pandemie hätten einen großen Einfluss auf ihr Koch- und Einkaufsverhalten genommen und vor allen bei der jüngsten Generation das Ess- und Kochverhalten verändert, weil sie nicht so viel auswärts essen gehen konnte. Ferner setzt sich die Gen Z nach den Beobachtungen der Wissenschaftlerin sehr bewusst mit sich selbst und den verschiedenen Lebenswelten auseinander. Stichpunkte wie Achtsamkeit und Selfcare seien hier Aspekte, die sich auch im Einkaufsverhalten, der Ess- und Kochkultur widerspiegeln würden.

Ältere Konsumenten gehen richtiger mit MHD um

Beim Umgang mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) können jüngere Menschen aber noch viel von älteren Mitmenschen lernen. Denn die Altersgruppe der 18-29-Jährigen tendiert dazu, Lebensmittel grundsätzlich zu entsorgen, sobald das MHD überschritten ist, wohingegen 54-65-Jährige Lebensmittel eher seltener wegwerfen und mehr auf ihre eigenen Sinne achten. Das ist eine Tatsache auf die Too Good To Go im Rahmen seiner Oft-länger-gut-Initiative immer wieder aufmerksam macht: Das MHD zeigt lediglich den Zeitpunkt, bis zu dem der Hersteller die beste Qualität garantieren kann. Viele Produkte sind oft noch Wochen oder Monate darüber hinaus genießbar. Verbraucher sollten vor allem ihre eigenen Sinne nutzen: Schauen, Riechen und Probieren, bevor ein Lebensmittel entsorgt wird.

54- bis 65-Jährige wünschen Austausch der Generationen

Besonders die befragte Gruppe der 54-65-Jährigen steht einem Austausch der Generationen offen gegenüber. Die 30- bis 41-Jährigen und 42- bis 53-Jährigen zeigen sich in diesem Bereich neutral, während die jüngere Generation (18- bis 29-Jährige) der Auffassung ist, dass der Austausch mit älteren Menschen für sie keinen großen Mehrwert bringt. Differenzierter betrachtet, bieten die Unterschiede im Konsum-, Ess- und Kochverhalten jedoch großes Potenzial für gegenseitiges Verständnis und Möglichkeiten voneinander zu lernen.

„Besonders spannend finde ich, dass sich die Gruppe der 30- bis 41-Jährigen in dieser Umfrage als eine Art Brückenbauer offenbart“, kommentiert Hanni Rützler, die Umfrageergebnisse. Diese Altersgruppe ist spannend: sie hat noch von der älteren Generation gelernt, ist aber deutlich aufgeschlossener und neugieriger. Konsumenten dieser Altersgruppe kaufen kritischer und nutzen bewusst vielfältigere Einkaufsquellen“, so Rützler.

Umfrage bestätigt Preisbewusstsein der Verbraucher

Die Umfrage zeigt zudem, dass Verbraucher in Deutschland stark preisbewusst sind. Mehr als 70 Prozent der Befragten achten eher oder stark auf den Preis beim Einkaufen. Abgelaufene Lebensmittel werden meist visuell überprüft und überschüssige Lebensmittel vor allem im Freundes- und Familienkreis weitergegeben. 

Hanni Rützler ergänzt: „Ich denke es ist wichtig, festzuhalten, dass es hier nicht um gutes oder schlechtes Koch- und Essverhalten geht. Vieles ist im Wandel, passt sich neuen Lebensverhältnissen an. Es geht darum, diesen Wandel wahrzunehmen, ihn besser zu verstehen, um Zukunft gemeinsam und in gegenseitigem Austausch bewusst nachhaltiger zu gestalten.“

Neue Produkte

Regional-Star 2025 - Die Nominierten