Öffnungszeiten Langsame Politik bedroht Smartstore-Konzepte

In Deutschland gibt es rund 700 Smartstores. In den meisten Bundesländern existiert aber bis heute keine klare Regelung darüber, ob diese automatisierten Shops ohne Mitarbeiter Sonntags geöffnet sein dürfen. Dass es so nicht weiter gehen kann, war Konsens unter den Diskutanten beim Branchenevent Supermarkt des Jahres in Essen.

Freitag, 23. Mai 2025, 10:35 Uhr
Tobias Dünnebacke
Smartstores wie Teo von Tegut können eine wichtige Rolle bei der Versorgung zu Randzeiten und im ländlichen Raum spielen – wenn die rechtlichen Rahmenbedingungen es zulassen. Bildquelle: Tegut

„Gas geben“ – das ist die konkrete Forderung von Professor Stephan Rüschen an die Politik zu den noch immer nicht einheitlich geregelten Öffnungszeiten von Smartstores. Thomas Stäb, Geschäftsleiter beim Händler Tegut, pflichtete dem während einer Diskussionsrunde beim Supermarkt des Jahres bei: „Wer Nahversorgung im ländlichen Raum will, muss die Sonntagsöffnung für Smartstores erlauben.“

Professor Rüschen von der Dualen Hochschule Baden-Württemberg sagte auf einer Podiumsdiskussion beim Branchenkongress Supermarkt des Jahres der Lebensmittel Praxis: „Unsere Umfragen haben gezeigt, dass es 85 Prozent der Kunden wichtig beziehungsweise sehr wichrtig ist, dass Smartstores auch Sonntags geöffnet sind.“

„Ohne Sonntagsöffnung mehr als 30 Prozent Umsatzverlust“

Thomas Stäb, Geschäftsleiter beim Händler Tegut, der mit der Marke Teo ein eigenes Smartstore-Konzept betreibt, glaubt, dass sogar die Zukunft dieser Verstriebsschiene von der Frage zur Sonntagsöffnung abhängt: „Wir haben in Zeiten ohne Sonntagsöffnung in den Theo-Märkten 30 Prozent an Umsatz verloren.“ Die mangelnde Rechtssicherheit bedrohe dieses Geschäftsmodell vieler Händler. Neben der Sonntagsöffnung hält Professor Rüschen auch eine Ausweitung der Regelung für größere Flächen für sinnvoll. „Kleine Läden sind mit ihrem Sortiment sehr beschränkt. Echte Nahversorgung kann man auf einer Fläche von 400 Quadratmetern bieten.“

Bei der Debatte wurde auch die Auswirkung des Fachkräftemangels im Handel auf die Öffnungszeiten in Supermärkten diskutiert. Jens Krieger, Geschäftsleitung Vertrieb Rewe Dortmund: „Selbst in Nordrhein-Westfalen, dem bevölkerungsreichsten Bundesland, ist es teilweise schwierig, Mitarbeiter zu finden. Noch beeinflusst das unsere Öffnungszeiten nicht.“

Personalnotstand an den Bedientheken

Sorge bereite ihm der Personalnotstand an den Bedientheken. In den kommenden zehn bis 15 Jahren gingen rund 40 Prozent der Mitarbeiter in diesem Bereich in den Ruhestand. „Es wird eng, vor allem in der Zukunft“, so Krieger. Thomas Stäb von Tegur sagt, ihm „blute das Herz“, wenn die Frischetheken teilweise früher geschlossen seien als der Markt, aber so sei heute die Realität vielerorts.

Ernst Läuger, Vizepräsident vom HDE, berichtet zum Thema Fachkräftemangel aus Bayern: „Im Einzelhandel sind derzeit 31.000 offene Stzellen bei 14.000 Bewerbungen. Das Problem kommt also auf uns auch zu.“ Läuger, der auch an der Spitze des bayerischen Handelsverbandes steht, vertritt ein Bundesland, dass mit einem Ladenschluss um 20 Uhr die restriktivste Regelung vertritt. Er wünscht sich eine bundesweit einheitliche Regelung, wenn nötig als eine gemeinsame Entscheidung der Lebensmitteleinzehändler. „Wenn alle sich in der Kernzeit die gleiche Anzahl an Kunden teilen, gibt es auch keine Wettbewerbsverzerrung mehr“, so Läuger.

Jens Krieger von Rewe Dortmund hält diese Option jedoch für nicht realistisch. „Jetzt wo wir schon die flexible Regelung in den Ländern haben, wäre das schwierig zurückzudrehen. Wir haben bei Rewe Dortmund beispielsweise einige Märkte, die nach 21 Uhr noch ein gutes Geschäft machen. Die würden kaum darauf verzichten wollen.“

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