Nach schweren Hygiene-Vorwürfen Kaufland schließt zwei Filialen vorübergehend

Nach Berichten über angebliche massive Unregelmäßigkeiten bei der Hygiene hat die Handelskette Kaufland erste Konsequenzen gezogen: Führungspersonal in zwei Märkten wurde ausgetauscht, die beiden Standorte vorübergehend geschlossen. Reporter des Magazins „Stern“ und der RTL-Sendung „Team Wallraff“  hatten nach längeren Recherchen über massive Mängel berichtet.

Freitag, 04. April 2025, 13:58 Uhr
Thomas Klaus (mit dpa) und Theresa Kalmer
Versprechen von Qualität und Frische: Das Unternehmen Kaufland sieht sich aber zurzeit schweren Vorwürfen ausgesetzt. Bildquelle: Kaufland

Reporter des Magazins „Stern“ und der RTL-Sendung „Team Wallraff“  werfen der Handelskette Kaufland massive Verstöße gegen Hygiene und Lebensmittelsicherheit vor. Sie hatten nach eigenen Angaben seit Juli 2024 in 50 Filialen in 12 Bundesländern Untersuchungen vorgenommen. Bei 48 der 50 geprüften Märkte seien teils gravierende und gesundheitsgefährdende Hygienemängel herausgefunden worden.

Angeblich zum Teil bedenkliche Lebensmittelproben

Unter anderem arbeiteten zwei Reporterinnen verdeckt in zwei Märkten. In Bad Tölz sollen Beschäftigte an der Frischetheke mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum von Waren getrickst haben. Außerdem seien zum Beispiel defekte Kühltruhen und Schimmel dokumentiert worden. Und in Homburg soll es den Recherchen zufolge Probleme mit Mäusen gegeben haben. Informanten schickten angeblich Fotos von einer toten Maus auf einer Toastbrotverpackung.

Darüber hinaus haben die Journalisten nach eigener Darstellung in 80 Prozent der Fälle mit Schimmel befallene Kühltruhen vorgefunden. 30 gezogene Lebensmittelproben aus 10 Filialen waren zum Teil bedenklich, heißt es. So wurden laut der beteiligten Journalisten in 15 Proben Campylobacter nachgewiesen, sprich Fäkalkeime auf Hähnchenfleisch. Und 11 Proben enthielten antibiotikaresistente Erreger. Ferner behaupteten die Reporter ein Klima der Angst und des Drucks auf die Mitarbeiter, das bei Kaufland herrsche. 

Kaufland spricht von umfassender Aufarbeitung

Kaufland reagiere nun mit einem 5-Punkte-Plan auf die Vorwürfe, wie das Unternehmen auf Anfrage der Lebensmittel Praxis mitteilte. So will der Lebensmittelhändler jährlich eine halbe Milliarde Euro in neue Kühlmöbel investieren, um die Frische und Qualität der Produkte zu sichern. Außerdem sollen in den kommenden Wochen alle Filialen in Deutschland einer gründlichen Reinigung unterzogen werden. Um die Hygienestandards weiter zu verbessern, will Kaufland künftig verstärkt auf die Expertise unabhängiger externer Institute zur Qualitätssicherung setzen. In Homburg soll die geplante Sanierung beschleunigt werden, und die Filiale werde für eine sechsmonatige umfassende Modernisierung geschlossen. Kaufland will einen zweistelligen Millionenbetrag investieren, um den Kunden bis Ende des Jahres eine moderne Kaufland-Filiale zu bieten. In Bad Tölz ist ein neues Führungsteam eingesetzt worden, das mit seinem Team intensive Schulungen im Bereich Hygiene und Lebensmittelsicherheit durchlaufen soll.

„Die jüngsten Bilder aus unseren Filialen tun uns weh und machen uns betroffen. Die gezeigten Bilder entsprechen in keiner Weise unseren Standards im Umgang mit Lebensmitteln und Sauberkeit. Das ist nicht die Kaufland-Welt, die 90.000 Mitarbeiter und Millionen Kunden kennen", sagt Jochen Kratz, Vorstand Deutschland bei Kaufland, der LP.

Gegenüber der Deutschen Presseagentur teilte Kaufland mit: „Bereits vor der Berichterstattung haben wir die Vorfälle umfassend überprüft und Maßnahmen zur Behebung der Mängel eingeleitet.“ Ein Großteil sei mittlerweile behoben. Außerdem laufe aktuell eine umfassende und detaillierte Aufarbeitung, wie es zu diesen Vorfällen habe kommen können.

Kaufland hat seinen Hauptsitz in Neckarsulm im Norden Baden-Württembergs. Die Supermarktkette hat nach eigenen Angaben mehr als 770 Filialen und über 90.000 Beschäftigte in Deutschland. Kaufland ist wie der Discounter Lidl ein Tochterunternehmen der Schwarz-Gruppe.

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