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Handelspraktiken Brüssel will mehr Preistransparenz

Lebensmittel Praxis | 23. Mai 2019
Handelspraktiken:  Brüssel will mehr Preistransparenz

Bildquelle: LP Archiv

Die EU-Kommission will künftig EU-weit Einkaufspreise von Fleisch, Molkereiprodukten und Zucker wöchentlich veröffentlichen. Nach dem Verbot unlauterer Handelspraktiken und der Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen den Erzeugern legte die Kommission am Mittwoch in Brüssel ihr drittes Element zur Verbesserung der Fairness in der Lebensmittelversorgungskette vor.

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Mehr Transparenz solle zu besseren Geschäftsentscheidungen führen und das Vertrauen in einen gerechten Handel zwischen den einzelnen Akteuren der Lebensmittelversorgungskette stärken, argumentiert die Brüsseler Behörde. Der Zugang zu zeitnahen und leicht zugänglichen Informationen über Marktentwicklungen stelle auch ein wesentliches Element für einen wirksamen Wettbewerb dar.

„Diese neuen Vorschriften werden die kürzlich verabschiedete Richtlinie gegen unlautere Handelspraktiken ergänzen. Damit sollen schwächere und kleinere Akteure in der Lebensmittelversorgungskette gestärkt werden“, erläuterte EU-Agrarkommissar Phil Hogan das Vorhaben. Die Einführung von mehr Preistransparenz spiegele die sehr wichtige öffentliche Unterstützung für eine stärkere Rolle der Landwirte in der Lebensmittelversorgungskette wider, so Hogan.

Die EU-Kommission wolle damit den verbreiteten Vorwurf Rechnung tragen, dass Gewinnspannen im Lebensmittelhandel auf Kosten der Landwirte als Rohstofflieferanten in der Regel zu hoch seien, heißt es in Brüssel. Es gebe zwar zahlreiche Informationen über die Agrarmärkte, aber fast keine Daten über die Märkte zwischen den Landwirten und Verbrauchern in der Lebensmittelverarbeitung und im Lebensmitteleinzelhandel, teilte die EU-Kommission mit.

Die Informationsasymmetrie zwischen Landwirten und anderen Akteuren in der Lebensmittelversorgungskette benachteilige die Landwirte in hohem Maße und untergrabe das Vertrauen in einen fairen Handel, so die EU-Kommission.

„Diesen Mangel an Informationen über Marktentwicklungen seitens der Verarbeiter und Einzelhändler stellt sich als eine Art `Black Box` der Lebensmittelkette dar, die wir beleuchten wollen“, argumentierte Hogan.

Jeder Mitgliedstaat soll für die Erhebung von Preis- und Marktdaten zuständig sein. Die EU-Kommission empfiehlt den Mitgliedstaaten, den kosteneffizientesten Ansatz zu wählen und sich nicht auf kleine und mittlere Unternehmen zu konzentrieren, um den Verwaltungsaufwand möglichst gering zu halten.

Die EU-Mitgliedstaaten werden angehalten, die Daten der EU-Kommission zu übermitteln. Die Brüsseler Behörde will dann auf ihrem Agrar- und Lebensmitteldatenportal und in den EU-Marktbeobachtungsstellen die Daten öffentlich zugänglich machen. Nach Verkündung der Gesetzesinitiative kann die Verordnung innerhalb von sechs Monaten in Kraft treten.

Von EU-Korrespondent Thomas A. Friedrich