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Rewe Karaaslan Mediterrane Offensive

Sonja Plachetta | 09. April 2019

Rewe-Händler Sahin Karaaslan will mit einer eigenen Feinkostmarke einen aktuellen Ernährungstrend bedienen und den deutschen Handel erobern.

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Wer durch den Markt von Sahin Karaaslan im Heidelberger Mathematikon geht, könnte leicht den Eindruck gewinnen, dass der Rewe- Händler von bestimmten Artikeln zu viel bestellt hat. Die Produkte der Marke Delikatessa sind auf der gesamten Fläche unübersehbar. Dosen, Beutel und Gläser stehen außer im extra gelabelten Feinkostregal auch in speziellen Displays bei Obst und Gemüse, an Gondelköpfen, auf Paletten vor den Bedienungstheken, als Verbundplatzierung in der Weinabteilung sowie im Hauptkundenlauf vor den Kassen. Allein die Oliven – insgesamt gibt es 15 Sorten aus Spanien, Italien und Griechenland – sind an sechs verschiedenen Stellen platziert und ziehen Blicke auf sich. .
Die geballte Präsenz der Ware fällt auch deshalb auf, weil sich darunter Produkte befinden, die in Deutschland üblicherweise nicht so breit platziert werden, zum Beispiel weiße Bohnen, Sonnenblumenkerne oder gefüllte Weinblätter. „Wir wollen mit Delikatessa unsere Kompetenz im mediterranen Sortiment zeigen, da darf man nicht nur die Schnelldreher anbieten“, sagt Karaaslan. Dass er die Ware so prominent präsentiert, ist Absicht. „Wenn man zu wenig platziert, geht die Marke unter, und es gibt keinen Wiedererkennungswert“, erklärt der Kaufmann. Er wolle erreichen, dass sich Delikatessa ins Langzeitgedächtnis der Kunden einpräge. Ein weiterer Grund: „Masse verkauft Masse.“ Die Umschlagshäufigkeit sei bei Mehrfachplatzierungen einfach höher.

Dass sich Karaaslan so für die mediterranen Spezialitäten ins Zeug legt, liegt daran, dass er die Marke selbst aufgebaut hat. „Delikatessa ist mein Lebenswerk“, sagt er. Seine Karriere im Lebensmittelhandel begann 2003, als er mit 24 Jahren die Lebensmittelabteilung im Heidelberger Kaufhof übernahm. Ihr Name: „Delikatessa“. Fünf Jahre später ließ er sich den Namen patentieren. Schon damals war sein Traum, eine Marke für den Handel zu entwickeln.

Schließlich begann Karaaslan, der derzeit drei Rewe-Märkte in Heidelberg führt, 2017 mit der konkreten Planung. Er entschied sich, mit Hülsenfrüchten anzufangen, „weil sie in der mediterranen Küche entscheidend sind“, wie er sagt. Mit Hilfe der Industrie- und Handelskammer sowie der Auslandskammer fand der Händler geeignete Lieferanten, die seinen Angaben nach alle IFS-, BRC- und ISO-zertifiziert sind, hohe soziale Standards erfüllen und über ausreichende Lieferkapazitäten verfügen. „Diese Produzenten beliefern in Deutschland ausschließlich uns“, betont Karaaslan. Jeden einzelnen besuche er vorab selbst. Die Qualität der Ware werde anschließend in Deutschland im Labor geprüft.


Im Moment gibt es 49 Delikatessa-Produkte, einige davon in Bio-Qualität. Am besten laufen die gekochten Kichererbsen in der 400-Gramm-Dose für 99 Cent. „Davon verkaufen wir 300 Stück pro Woche“, sagt Karaaslan. Auch rote Kidney- und weiße Bohnen sowie rote Linsen liefen sehr stark. Zwar war der Umsatz mit Hülsenfrüchten in Deutschland in Lebensmittelhandel und Drogeriemärkten mit 53,2 Millionen Euro 2018 laut Nielsen-Zahlen leicht rückläufig, einzelne Produktgruppen legten aber zu, zum Beispiel Linsen um gut eine Million Euro auf 31,3 Millionen Euro. Weitaus besser schnitten Oliven ab. Sie machten einen gewaltigen Sprung um 12,7 Millionen Euro auf 174,5 Millionen Euro.

Karaaslan lässt sich von schwankenden Zahlen nicht verunsichern. „Die mediterrane Küche ist gesund und wird in Deutschland immer beliebter“, davon ist er überzeugt. Zumindest den ersten Teil der Aussage untermauert der Wissenschaftsjournalist Bas Kast in seinem Bestseller „Der Ernährungskompass“ (siehe Kasten unten). Einer Studie zufolge, die Kast zitiert, gehe eine mediterrane Kost zum Beispiel mit einem messbar geringeren Gehirnabbau im Alter einher. Eine andere Untersuchung habe ergeben, dass „Hülsenfrüchte sogar der kulinarische ,Überlebensfaktor‘ im Alter schlechthin“ seien, schreibt der Autor. Die pflanzlichen Proteinträger seien eine gesunde Alternative zu tierischem Eiweiß.

Karaaslan legt den Begriff von mediterranen Spezialitäten weit aus. Laut Homepage stammen sie „aus aller Welt“. Tatsächlich zählen zum Delikatessa-Sortiment auch Jalapeños, Goji-Beeren oder Hanfsamen. In Kürze kommen drei Olivenöle in unterschiedlichen Qualitäts- und Preisstufen, Antipasti-Variationen aus Italien, Aufstriche aus Spanien und Hummus-Produkte dazu.

Diverse Knabbereien sollen ebenfalls dazu beitragen, dass der Rewe-Kaufmann sein Ziel von mindestens 100 Delikatessa-Artikeln erreicht. Neu sind vier Sorten Sonnenblumenkerne mit Salz oder Gewürzen. Der Händler hat als Zielgruppe dafür nicht nur die deutschen Kunden im Blick: „In den südlichen Ländern, auf dem Balkan, in Russland, im arabischen Raum und im Orient – überall essen die Menschen gerne Sonnenblumenkerne.“ Die reisefreudigen Deutschen lernten diese Snacks unterwegs kennen und fragten sie zunehmend nach.

Manche Produkte bleiben aber vielleicht doch erst einmal fremd, zum Beispiel geplante Neueinführungen wie die Süßspeise Halva, die Sesampaste Tahin, der Sirup Pekmez, das arabische Auberginenpüree Baba Ghanoush oder Fertiggerichte mit Bohnen und Chili. „Manches ist sicher weit weg vom deutschen Geschmack“, räumt der gebürtige Kurde ein. Mit Verkostungen, Rezepten und Zubereitungstipps will er das ändern. Außerdem plant Karaaslan eine Kooperation mit dem Heidelberger Sternekoch Martin Scharff, um Delikatessa bekannter zu machen. „Wenn wir Topqualität zu einem bezahlbaren Preis liefern, wird das die Verbraucher überzeugen“, meint er. Rund 20 Prozent günstiger als die Wettbewerber will er sich positionieren. Dann sollen die Kunden entscheiden. Ausgelistet hat er die Ware der Konkurrenz nämlich trotz der massiven Präsenz von Delikatessa nicht.

Inzwischen haben auch andere Händler Interesse an seinen mediterranen Spezialitäten. Delikatessa ist bei der Rewe Südwest bereits gelistet. Händler aus anderen Regionen und von anderen Unternehmen bestellen direkt. „Bisher nehmen alle das komplette Sortiment und bestellen automatisch auch die neuen Produkte“, sagt Karaaslan. Das nährt seine Hoffnung, dass Delikatessa ein Erfolg werden wird.