Wenn Preise das Maß aller Dinge sind, bleibt wenig Raum für Fehler – genau das prägt den portugiesischen Lebensmitteleinzelhandel und stellt Marktführer Continente unter Dauerstress. Kunden vergleichen Preise und Qualität ähnlich konsequent wie in Deutschland, befeuert durch die wachsende Präsenz internationaler Discounter. Der spanische Wettbewerber Mercadona ist inzwischen mit 70 Filialen im Land vertreten, Lidl und Aldi bauen ihre Präsenz ebenfalls aus.
Die zu MC Sonae gehörende Kette behauptet sich dennoch an der Spitze und kommt nach eigenen Angaben auf rund 27 Prozent Marktanteil – ein Wert, der in etwa dem Anteil Mercadonas in Spanien entspricht. Dahinter folgt Pingo Doce, während Lidl mit 13 Prozent Marktanteil drittgrößter Anbieter ist, gefolgt von Mercadona mit 7 Prozent und Aldi mit knapp 3 Prozent. Doch der Druck steigt weiter: Aldi und Mercadona wachsen laut Kantar inzwischen schneller als Continente. Das vergangene Jahr war jedoch gut für den Marktführer. Der Umsatz von Continente stieg vom ersten Halbjahr 2024 auf das zweite Halbjahr 2025 von 3 auf über 3,2 Milliarden Euro, ein Plus von 7,8 Prozent. Das flächenbereinigte Wachstum lag im dritten Quartal 2025 bei 9 Prozent, der Umsatz bei 1,88 Milliarden Euro – rund 480 Millionen Euro mehr als bei der Nummer zwei im Markt.
Margen unter Druck
Der CEO von MC Sonae, Luís Moutinho, räumte bei einer Pressekonferenz Ende 2025 ein, dass der intensive Wettbewerb zunehmend auf die Margen drückt. Mehr Umsatz soll diese stabilisieren, auch wenn Moutinho davon ausgeht, dass bei weiterer Inflation die Preise auch bei Continente steigen müssen. Hinzu kommt: Die durch Technologieinvestitionen und Expansion gewachsenen Verbindlichkeiten müssen wieder abgebaut werden. Die Nettoschulden von MC Sonae haben inzwischen fast eine Milliarde Euro erreicht, zugleich plant der Konzern bis 2030 Investitionen in gleicher Höhe.
Rund 100 neue Märkte sollen entstehen, 150 bestehende modernisiert werden sowie 3.000 neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Allein in diesem Jahr will Continente zwischen 20 und 30 neue Filialen eröffnen – allerdings keine Verbrauchermärkte mehr, sondern vor allem die Supermärkte Continente Modelo, die Nachbarschaftsläden Continente Bom Dia sowie die städtischen Franchisekonzepte Meu Super.
2026 werde es weiter um Preise und Effizienz gehen, aber auch um die fortschreitende Technologisierung des Handels, sagt Pedro Santos, Leiter Innovation & Betriebsentwicklung bei Continente, gegenüber der Lebensmittel Praxis. Eine interne Vergleichsanalyse eines Warenkorbs zeigt, dass der durchschnittliche Unterschied zwischen dem niedrigsten und dem höchsten Preis in Portugal 8 Prozentpunkte beträgt. In Frankreich liegt der Wert bei 14, im Vereinigten Königreich bei 27 Punkten. Für Moutinho ist das „ein Zeichen für einen starken Wettbewerb“ und „einen Kampf um die Gunst der Verbraucher und um Marktanteile“.
Touristen spielen dabei eine zunehmend wichtige Rolle: Rund 33 Millionen Besucher kommen jedes Jahr nach Portugal. Auch deshalb testet MC Sonae neue Serviceangebote wie einen rund um die Uhr verfügbaren Lieferservice über Uber Eats in Albufeira. „Im Jahr 2021 wurde zudem Continente Labs gegründet, der erste kassenlose Laden in Europa – ohne Warteschlangen, ohne Bargeld und ohne Papier“, berichtet Santos.
Eigenmarken und Technologie
Kostenkontrolle und Umsatz sind in Portugal, wo die soziale Schere weiter auseinandergeht, zentral für den Überlebenskampf im Handel – und erklären die Bedeutung der Eigenmarken, die im portugiesischen Handel rund die Hälfte des Sortiments ausmachen. „Continente hat 4.000 Eigenmarken-Produktreferenzen“, berichtet Santos. Sie machten 2024 zwar erst 35 Prozent des Sortiments aus, ihr Absatzvolumen sei in den vergangenen vier Jahren jedoch um über 70 Prozent gewachsen. Der Umsatz lag bei 1,25 Milliarden Euro.
Parallel setzt Continente auf Technologie, um Effizienzgewinne zu realisieren. Ein zentraler Partner ist das portugiesische Unternehmen Sensei, das Lösungen für kassenlose Einkaufsprozesse entwickelt und damit inzwischen internationale Standards setzt. Gemeinsam eröffneten beide 2025 in Leiria den weltweit größten Smart-Store ohne Scanner. Erfasst wird nicht mehr der einzelne Artikel, sondern die gesamte Einkaufstasche. Wer stiehlt, bei dem piept es beim Herausgehen.
Zuletzt brachte der Händler „Mariana“ auf den Markt, „die erste virtuelle KI-Assistentin Portugals für Verbrauchermärkte“. Sie ermögliche Kunden personalisierte Unterstützung beim Einkauf. Der hohe Technologieanteil macht den portugiesischen Handel auch für internationale Finanzinvestoren interessant. Continente gehört zu 75 Prozent zur Sonae-Gruppe, seit 2021 hält zudem die Beteiligungsgesellschaft CVC knapp 25 Prozent der Anteile.
Immobilien und Strategien
Auch der Immobilienmarkt rückt stärker in den Fokus. Trotz Warnungen der EU-Kommission vor Überbewertungen kaufte der deutsche Spezialfonds Savills Investment Management im vergangenen Jahr die Gebäude der Continente-Märkte in Vila Verde und Montemor-o-Novo. „Die Immobilien passen perfekt zu unserer Anlagestrategie in nachhaltige, hochwertige Einzelhandelsstandorte mit klarem Mehrwert für Mieter und lokale Bevölkerung“, sagt Kathrin Michalzik, Leiterin Fondsmanagement Deutschland bei Savills.
Ausruhen kann sich Continente dennoch nicht. Mercadona-Chef Juan Roig hat bereits angekündigt: „Wir wollen Marktführer in Portugal werden.“ Für Continente und die übrigen Wettbewerber bleibt der Markt damit hart umkämpft – Effizienz wird zum zentralen Faktor für weiteres Wachstum.