Widerrede Der Streit um die Zuckersteuer ist zurück – wie beide Seiten argumentieren

Hintergrund

Eine Zuckersteuer auf Lebensmittel und Getränke ist wieder in der Diskussion. Wäre die Abgabe zielführend im Kampf gegen Diabetes und Adipositas?

Mittwoch, 04. Februar 2026, 07:40 Uhr
Lebensmittel Praxis
Dr. Johannes Coy, Mulekularbiologe und Günter Tissen, Wirtschaftliche Vereinigung Zucker Bildquelle: Intelligent Sugar GmbH, Studio Monbijou, Berlin

„Die Zuckersteuer als Chance begreifen“

Von Dr. Johannes Coy, Molekularbiologe

Dr. Johannes Coy ist Molekularbiologe, ehemaliger Krebsforscher und Experte zum Thema Zuckerstoffwechsel. 

Die aktuelle Debatte um eine Zuckersteuer zeigt, wie groß der Handlungsdruck geworden ist. Gleichzeitig greift die reine Verteuerung aus meiner Sicht zu kurz. Zucker sollte nicht pauschal dämonisiert werden – er ist ein essenzieller Energieträger für den Körper und spielt gerade für Wachstum, Zellteilung und Leistungsfähigkeit eine zen­trale Rolle. Entscheidend sind jedoch Menge und vor allem die Art des Zuckers. Meine Forschung zeigt, dass unterschiedliche Zuckerarten im Stoffwechsel völlig unterschiedlich wirken. Während herkömmliche Zucker wie Glukose und Fruktose Entzündungen, Insulinresistenz und Stoffwechselerkrankungen fördern können, gibt es natürliche Zuckerarten, die den Blutzucker stabil halten und den Stoffwechsel sogar positiv beeinflussen. Diese Zucker ermöglichen Genuss ohne gesundheitliche Schäden. Unternehmen sollten die Zuckersteuer daher nicht als Bedrohung, sondern als Chance begreifen – als Anstoß, ihre Produkte zukunftsfähig zu machen. Wer heute auf wissenschaftlich fundierte, nicht schädliche Zuckeralternativen setzt, handelt nicht nur verantwortungsvoll gegenüber Verbrauchern, sondern positioniert sich auch klar für eine gesunde Ernährung der Zukunft.


„Eine Zuckersteuer macht niemanden schlank“

Von Günter Tissen, Wirtschaftliche Vereinigung Zucker

Günter Tissen ist Hauptgeschäftsführer der Wirtschaftlichen Vereinigung Zucker.

Adipositas ist ein gesellschaftliches Problem. Es ist richtig, dass wir alle nach wirksamen Lösungen suchen. Wir wissen – und da ist sich die Wissenschaft einig –, maßgeblich ist die Kalorienbilanz: Wer mehr isst, als er verbraucht, nimmt zu. Warum weichen wir diesem Konsens aus? Eine Strafsteuer auf Zucker ist kein wirksames Instrument im Kampf gegen Adipositas. Die damit erwartete Reduktion des Zuckers mag messbar sein. Gleichzeitig sind die Ausweichreaktionen der Verbraucher aber bekannt.

Ein wissenschaftlich belastbarer Nachweis, dass solche Strafsteuern tatsächlich zu weniger Adipositas führen, fehlt. In Ländern mit Zuckersteuer sinkt durch den Einsatz von Süßstoffen zwar der Zuckerverzehr. Adipositas steigt dennoch weiter an. Verweise auf Modellstudien, die eine Kausalität zwischen Steuer und Übergewicht lediglich voraussetzen und diese Annahme in einem Zirkelschluss vermeintlich bestätigen, führen in die Irre. Das ist kein Beleg. Entscheidend bleibt die Kalorienbilanz. Wir setzen auf Ernährungsbildung, Verbraucheraufklärung und halten eine gut sichtbare Kalorienkennzeichnung auf der Vorderseite von Lebensmitteln für einen sinnvollen und wirksamen Beitrag.

Anzeige

analytica 2026

analytica: die ganze Welt des Labors

Die Weltleitmesse für Labortechnik, Analytik, Biotechnologie und die analytica conference vom 24. bis 27. März 2026 in München.
Mehr erfahren

Anzeige

analytica 2026

Digitale Möbel als Hebel für den POS

Intelligente Hardware und Technologien wie KI statten Händler mit neuen Möglichkeiten aus, das Gesamterlebnis Point of Sale zu verbessern. Ein smartes Möbel für Gebäck zeigt, wie’s geht.
Mehr erfahren

Anzeige

ITA ISM

Italien zeigt Kompetenz auf der BIOFACH 

Auf dem Gemeinschaftsstand der Italian Trade Agency präsentieren 65 Betriebe aus 16 Regionen Italiens ihre kulinarischen Köstlichkeiten.

Mehr erfahren