„Die Zuckersteuer als Chance begreifen“
Von Dr. Johannes Coy, Molekularbiologe
Dr. Johannes Coy ist Molekularbiologe, ehemaliger Krebsforscher und Experte zum Thema Zuckerstoffwechsel.
Die aktuelle Debatte um eine Zuckersteuer zeigt, wie groß der Handlungsdruck geworden ist. Gleichzeitig greift die reine Verteuerung aus meiner Sicht zu kurz. Zucker sollte nicht pauschal dämonisiert werden – er ist ein essenzieller Energieträger für den Körper und spielt gerade für Wachstum, Zellteilung und Leistungsfähigkeit eine zentrale Rolle. Entscheidend sind jedoch Menge und vor allem die Art des Zuckers. Meine Forschung zeigt, dass unterschiedliche Zuckerarten im Stoffwechsel völlig unterschiedlich wirken. Während herkömmliche Zucker wie Glukose und Fruktose Entzündungen, Insulinresistenz und Stoffwechselerkrankungen fördern können, gibt es natürliche Zuckerarten, die den Blutzucker stabil halten und den Stoffwechsel sogar positiv beeinflussen. Diese Zucker ermöglichen Genuss ohne gesundheitliche Schäden. Unternehmen sollten die Zuckersteuer daher nicht als Bedrohung, sondern als Chance begreifen – als Anstoß, ihre Produkte zukunftsfähig zu machen. Wer heute auf wissenschaftlich fundierte, nicht schädliche Zuckeralternativen setzt, handelt nicht nur verantwortungsvoll gegenüber Verbrauchern, sondern positioniert sich auch klar für eine gesunde Ernährung der Zukunft.
„Eine Zuckersteuer macht niemanden schlank“
Von Günter Tissen, Wirtschaftliche Vereinigung Zucker
Günter Tissen ist Hauptgeschäftsführer der Wirtschaftlichen Vereinigung Zucker.
Adipositas ist ein gesellschaftliches Problem. Es ist richtig, dass wir alle nach wirksamen Lösungen suchen. Wir wissen – und da ist sich die Wissenschaft einig –, maßgeblich ist die Kalorienbilanz: Wer mehr isst, als er verbraucht, nimmt zu. Warum weichen wir diesem Konsens aus? Eine Strafsteuer auf Zucker ist kein wirksames Instrument im Kampf gegen Adipositas. Die damit erwartete Reduktion des Zuckers mag messbar sein. Gleichzeitig sind die Ausweichreaktionen der Verbraucher aber bekannt.
Ein wissenschaftlich belastbarer Nachweis, dass solche Strafsteuern tatsächlich zu weniger Adipositas führen, fehlt. In Ländern mit Zuckersteuer sinkt durch den Einsatz von Süßstoffen zwar der Zuckerverzehr. Adipositas steigt dennoch weiter an. Verweise auf Modellstudien, die eine Kausalität zwischen Steuer und Übergewicht lediglich voraussetzen und diese Annahme in einem Zirkelschluss vermeintlich bestätigen, führen in die Irre. Das ist kein Beleg. Entscheidend bleibt die Kalorienbilanz. Wir setzen auf Ernährungsbildung, Verbraucheraufklärung und halten eine gut sichtbare Kalorienkennzeichnung auf der Vorderseite von Lebensmitteln für einen sinnvollen und wirksamen Beitrag.


