Fischereipolitik Hochseefischerei-Chefin fordert mehr Selbstbewusstsein

Exklusiv

Annegret Finke (Foto), seit Juli 2025 Vorsitzende des Deutschen Hochseefischerei-Verbandes, fordert von der Bundesrepublik ein stärkeres fischereipolitisches Auftreten auf europäischer Ebene. Sie kritisiert Wettbewerbsnachteile für die heimische Produktion.

Dienstag, 15. September 2026, 09:48 Uhr
Thomas Klaus
Engagierte Interessenvertreterin: Annegret Finke ist Vorsitzende des Deutschen Hochseefischerei-Verbandes. Bildquelle: Erik Gross

Mit dem fischereipolitischen Auftreten der Bundesrepublik auf europäischer Ebene zeigt sich Annegret Finke unzufrieden. Sie ist Vorsitzende des Deutschen Hochseefischerei-Verbandes.

Deutschland mit relevanter Rolle

Finke erläutert: „Mit ihren Schiffen, Besatzungen und verbundenen Landbetrieben steht die deutsche Hochseefischerei für zuverlässige und hochwertige Lebensmittelproduktion, regionale Wertschöpfung, qualifizierte Arbeitsplätze, Investitionen und maritime Präsenz in Deutschland sowie auf den Weltmeeren.

Dementsprechend kommt Deutschland innerhalb der Europäischen Union eine relevante Rolle bei der Gestaltung europäischer Grundsätze zu – etwa bei der Gemeinsamen Fischereipolitik, der Marktordnung und weiteren europäischen Gesetzgebungsverfahren.“

Diese Rolle sollte Deutschland „stärker und selbstbewusster wahrnehmen“, meint Finke. Eine kontinuierliche Präsenz in Brüssel und eine frühzeitige, aktive Mitgestaltung europäischer Entscheidungen seien notwendig, damit deutsche Interessen wirksam eingebracht würden.

Politischer Wille angemahnt

Dazu gehören nach Auffassung der Verbandschefin der Einsatz für den Erhalt historischer Quotenansprüche und der Zugang zu wichtigen Fanggebieten, genauso wie das Eintreten für eine effiziente und praxistaugliche Gesetzgebung, die faire Wettbewerbsbedingungen für alle Marktteilnehmer voraussetzt. Neue Maßnahmen sollten vor ihrer Einführung stärker auf ihre Folgen für die Branche geprüft, regelmäßig evaluiert und gegebenenfalls angepasst werden.

Annegret Finke fügt hinzu: „Für die Zukunftsfähigkeit der deutschen Hochseefischerei braucht es verlässliche und unterstützend wirkende politische Rahmenbedingungen. Und es braucht den politischen Willen, die deutsche Hochseefischerei auch langfristig als Teil einer starken maritimen Strategie Deutschlands anzuerkennen und zu erhalten.“

Zunehmende Regulierungsdichte und Bürokratisierung

Die Verbandsvorsitzende bedauert: In den vergangenen Jahren hätten geopolitische Spannungen, nationale Alleingänge und unilaterale Ansprüche die gemeinsame Bewirtschaftung der Fischbestände erschwert, insbesondere im Nordatlantik. Dies gefährde nicht nur die nachhaltige Bestandsentwicklung einzelner Fischarten, sondern führe auch zu einer Verzerrung der Wettbewerbsbedingungen innerhalb der in diesem Gebiet operierenden Fangflotten.

Die „zunehmende Regulierungsdichte und Bürokratisierung“ sei eine weitere große Herausforderung, so Annegret Finke. Die Fischereiunternehmen würden hier als Schnittstelle zwischen mehreren stark regulierten Wirtschaftsbereichen in besonderem Maße beansprucht.

Erheblicher Wettbewerbsnachteil für heimische Produktion

An dieser Stelle kommt es nach Darstellung der Chefin des Deutschen Hochseefischerei-Verbandes zu einem „erheblichen Wettbewerbsnachteil für die heimische Produktion“.

Grund: Zum Beispiel ergäben sich aus den zuletzt überarbeiteten Grundsätzen der Fischereikontrolle hohe Anforderungen. Oft würden zusätzliche personelle Kapazitäten gebunden. Investitionen der Fischereiunternehmen in Eigenleistung seien erforderlich und das erzeuge zusätzliche Kosten entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Diese Grundsätze würden nicht bei Importprodukten angewendet, sodass der besagte erhebliche Wettbewerbsnachteil für die heimische Produktion entstehe.

Für 670 Millionen Fischmahlzeiten gesorgt

Annegret Finke betont die Bedeutung der deutschen Hochseefischerei. Die sei „eine leistungsfähige Lebensmittelproduktion und zugleich wichtiger Bestandteil der deutschen maritimen Wirtschaft“. Die deutsche Hochseefischerei betreibt sechs Fischereifahrzeuge unter deutscher Flagge, unterhält Standorte auf Rügen, in Cuxhaven und Bremerhaven. Bremerhaven und Cuxhaven werden regelmäßig von deutschen und europäischen Hochseetrawlern angelaufen. Sie sind gleichzeitig Zielorte für die Importe im Ausland angelandeter Ware.

Vornehmlich werden Hering, Makrele, Blauer Wittling sowie Kabeljau, Shrimps, Schwarzer Heilbutt und Rotbarsch produziert. Im vergangenen Jahr hat die deutsche Hochseefischerei nach Zahlen von Annegret Finke für rund 670 Millionen Fischmahlzeiten gesorgt.

Die Fanggebiete der deutschen Hochseeflotte reichen von der Nordsee und dem Nordatlantik über Norwegen, Spitzbergen und Grönland bis in den Südpazifik. 

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