Der Anteil von in Deutschland erzeugtem Geflügelfleisch am heimischen Verbrauch sinkt – und dürfte in den kommenden Jahren weiter zurückgehen. Das geht aus einer Analyse hervor, die der Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft gemeinsam mit dem Beratungsunternehmen Roland Berger erstellt hat. Demnach stammten im Jahr 2025 noch 91 Prozent des in Deutschland konsumierten Hähnchen- und Putenfleischs aus inländischer Produktion. Noch vor einigen Jahren habe die heimische Erzeugung den Verbrauch mehr als vollständig gedeckt.
Der Geflügelkonsum in Deutschland steigt seit Jahren. Zwischen 2010 und 2025 nahm der Verbrauch nach Angaben des Verbands um 30 Prozent auf fast 1,9 Millionen Tonnen pro Jahr zu. Der Pro-Kopf-Konsum von Geflügel kletterte laut Bundeslandwirtschaftsministerium zwischen 2022 und 2025 um mehr als zwei Kilogramm auf 14,7 Kilogramm. Haupttreiber ist Hähnchenfleisch, dessen Konsum in den vergangenen 15 Jahren der Analyse zufolge um 65 Prozent stieg. Der Verbrauch von Putenfleisch ging dagegen um fast ein Viertel zurück. Bis 2040 rechnet der Verband mit einem jährlichen Konsumwachstum von 3,4 Prozent. „Das sind gut 50 Prozent mehr Marktvolumen bis 2040“, teilte der Verband mit.
Die inländische Produktion hält mit dieser Entwicklung nicht Schritt. Zwar erzeugten deutsche Betriebe im Jahr 2025 fast zehn Prozent mehr Geflügelfleisch als 2010, doch das Wachstum bleibt deutlich hinter dem steigenden Verbrauch zurück. Der Verband macht dafür vor allem die regulatorischen Rahmenbedingungen verantwortlich: „Obwohl die Branche investieren und ihre Kapazitäten ausbauen will, wächst die inländische Produktionskapazität deutlich langsamer als es möglich wäre“, heißt es in dem Bericht. Als Gründe nennt der Verband langwierige Genehmigungsverfahren für Stallbauten, steigende Tierwohl- und Umweltanforderungen sowie umfangreiche Berichtspflichten.
Branchenverband fordert schnelleren Bürokratieabbau
Zusätzlich belasten Tierseuchen die Branche. Der Verband verwies auf die im Frühjahr 2026 in Brandenburg und Bayern festgestellte Newcastle-Krankheit, auch als atypische Geflügelpest bezeichnet.
Um die wachsende Lücke zwischen Konsum und heimischer Produktion zu schließen, fordert der Verband einen raschen Bürokratieabbau. „Planungs-, Bau-, Umwelt- und Immissionsschutzverfahren sollten einfacher, digitaler und verlässlicher werden“, heißt es in der Mitteilung. Zudem solle die Umnutzung leer stehender Ställe schneller möglich sein. Für den Lebensmittelhandel bedeutet die Entwicklung, dass ein wachsender Anteil des Geflügelfleischs in den Regalen künftig aus dem Ausland stammen dürfte.