Gemüse Eingewanderte Zikade bedroht Kartoffelernten in Deutschland

Die Schilf-Glasflügelzikade breitet sich aus wärmeren Regionen nach Deutschland aus und richtet vor allem in der Pfalz schwere Schäden an. Kartoffelzüchter arbeiten an widerstandsfähigeren Sorten – doch deren Entwicklung dauert rund zehn Jahre. Auf der Fachmesse Potato Europe sucht die Branche nun nach Lösungen.

Mittwoch, 09. September 2026, 10:00 Uhr
Theresa Kalmer (mit dpa)
Die Kartoffelbranche steht unter Druck: Klimawandel und neue Schädlinge gefährden Erträge und Qualität. Bildquelle: Colruyt Group

Der Klimawandel und eingewanderte Schädlinge setzen Kartoffelbauern in Deutschland zunehmend unter Druck. Im Süden des Landes verursacht die Schilf-Glasflügelzikade bereits erhebliche Ernte- und Qualitätsverluste, wie der Kartoffelzüchter Europlant Pflanzenzucht aus Lüneburg mitteilte. „In der Pfalz hat sie Riesenschäden angerichtet, die Kartoffeln werden weich und pflaumig, das ist eine mittelschwere Katastrophe“, sagte Geschäftsführer Jörg Renatus. Der Schädling stammt aus wärmeren Regionen und überträgt Pflanzenkrankheiten wie Stolbur und das sogenannte Syndrom des niedrigen Zuckergehalts. Neben Kartoffeln befällt die Zikade den Angaben zufolge auch Zwiebeln und Zuckerrüben.

Niedersachsen und Schleswig-Holstein seien bislang weitgehend verschont geblieben, so Renatus. Allerdings sei der Schädling bereits an der Grenze zu Sachsen-Anhalt auf niedersächsischen Flächen nachgewiesen worden. „Dieser Klimawandel nach Norden ist einer der Gründe, warum Züchtung so wichtig ist“, betonte der Europlant-Geschäftsführer in der Mitteilung.

Die Züchtung neuer, widerstandsfähiger Kartoffelsorten dauert nach Angaben von Europlant in der Regel rund zehn Jahre. Renatus bezeichnete die Suche nach trocken- und stressresistenten Sorten als eine der schwierigsten Aufgaben der Branche. Mit der Sorte Jelly sei eine vorwiegend festkochende Kartoffel entwickelt worden, die Hitze gut vertrage. Auch Sorten wie Glorietta, Belana und Regina gehörten zu den neueren Züchtungen mit dünnerer Schale und besseren Lagereigenschaften. „Aber wir brauchen wesentlich mehr Sorten“, sagte Renatus.

Potato Europe zeigt Lösungsansätze gegen den Schädling

Die Herausforderungen durch den Klimawandel stehen derzeit auch im Mittelpunkt der Fachmesse Potato Europe 2026 bei Springe nahe Hannover. Die Veranstaltung zählt zu den wichtigsten Branchentreffen für den europäischen Kartoffelanbau und findet in diesem Jahr erstmals gemeinsam mit der Sugar Beet Expo statt, die sich auf den professionellen Zuckerrübenanbau konzentriert. Bis Donnerstag zeigen Aussteller dort unter anderem aktuelle Versuchsergebnisse und Lösungsansätze für den Umgang mit der Schilf-Glasflügelzikade.

Ein weiteres Thema der Messe ist die Reduzierung von Pflanzenschutzmitteln. Den Angaben zufolge werden verschiedene Herbizidstrategien vorgestellt, die chemische und mechanische Verfahren kombinieren. Zudem soll demonstriert werden, welchen Beitrag robuste und weniger krankheitsanfällige Sorten dazu leisten können, den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln zu senken.

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