Die deutschen Obstbaubetriebe rechnen in diesem Sommer mit einer deutlich höheren Kirschenernte als im Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre. Die Gesamterntemenge für Süß- und Sauerkirschen wird voraussichtlich rund 51.100 Tonnen betragen, wie das Statistische Bundesamt nach einer ersten Ernteschätzung zum Stichtag 10. Juni 2026 mitteilte. Das entspricht einem Anstieg von 13,5 Prozent gegenüber dem Zehnjahresdurchschnitt von 45.200 Tonnen. Auch im Vergleich zum ertragreichen Vorjahr fällt die erwartete Ernte um 8,5 Prozent höher aus.
Besonders die Süßkirschenernte übertrifft die Erwartungen. Die Betriebe gehen von einer Erntemenge von rund 40.300 Tonnen aus, was 20,5 Prozent über dem Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre liegt. Gegenüber der bereits überdurchschnittlich guten Süßkirschenernte des Vorjahres erwarten die Obstbaubetriebe eine um 8,2 Prozent höhere Menge. Bezogen auf die Anbaufläche von rund 5.600 Hektar ergibt sich ein erwarteter Durchschnittsertrag von rund 7,1 Tonnen je Hektar. Damit wird das durchschnittliche Ertragsniveau der letzten zehn Jahre von 5,8 Tonnen je Hektar um rund 23,9 Prozent übertroffen.
Baden-Württemberg bleibt das bedeutendste Bundesland für den Süßkirschenanbau. Dort werden auf einer Anbaufläche von 2.600 Hektar voraussichtlich 19.200 Tonnen Süßkirschen geerntet, was einem Anstieg von 9,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. In Niedersachsen erwarten die Betriebe auf 500 Hektar eine Ernte von 5.100 Tonnen, in Rheinland-Pfalz auf 660 Hektar rund 3.800 Tonnen.
Sauerkirschen verlieren an Anbaufläche
Die Sauerkirschenernte fällt mit voraussichtlich 10.800 Tonnen zwar um 9,6 Prozent höher aus als im Vorjahr, liegt aber 6,8 Prozent unter dem Zehnjahresdurchschnitt. Dieser Rückgang hängt nach Angaben des Statistischen Bundesamtes damit zusammen, dass die Anbaufläche für Sauerkirschen seit 2016 um rund 25,2 Prozent gesunken ist. Die Anbaufläche beträgt aktuell etwa 1.500 Hektar. Trotz der rückläufigen Flächen fällt die diesjährige Ertragsleistung überdurchschnittlich gut aus: Mit einer Ertragserwartung von 7,1 Tonnen je Hektar wird der Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre von 6,5 Tonnen je Hektar um rund 9,8 Prozent übertroffen.
Rheinland-Pfalz ist das bedeutendste Bundesland für den Anbau von Sauerkirschen mit einer erwarteten Erntemenge von 3.100 Tonnen auf rund 450 Hektar Anbaufläche. Es folgen Baden-Württemberg mit 2.700 Tonnen auf etwa 240 Hektar sowie Thüringen mit 1.600 Tonnen auf rund 160 Hektar. Das Statistische Bundesamt wies darauf hin, dass zwischen den Schätzungen noch erhebliche Änderungen möglich sind. Die letzte Schätzung der Kirschenernte erfolgt im August.