Der Backwarenhersteller Lieken setzt sein Pilotprojekt zur Reduzierung von Treibhausgasemissionen im Weizenanbau fort. Auf mehr als 300 Hektar bauen sechs Partnerlandwirte rund 2.500 Tonnen Weizen an, bei dessen Anbau Düngemittel mit reduziertem CO₂-Fußabdruck zum Einsatz kommen. Das teilte das Unternehmen mit. Die Menge reiche für über 33 Millionen Brötchen.
CO2-Fußabdruck um 30 Prozent reduziert
Das Projekt startete 2024 gemeinsam mit SKW Stickstoffwerke Piesteritz, Agravis Ost, Veravis, Roland Mills Ost und Landwirten aus Mitteldeutschland. Den Angaben zufolge wurde der CO₂-Fußabdruck des Projektweizens im Jahr 2025 gegenüber dem Referenzszenario mit konventionellem Dünger um über 30 Prozent reduziert. Der zentrale Ansatz sei der Einsatz von Stickstoffdüngern, die mit zertifiziertem Biomethan hergestellt würden. Im Vergleich zu erdgasbasierten Düngemitteln ließen sich die CO₂-Emissionen in der Düngemittelproduktion um bis zu 90 Prozent reduzieren, so Lieken. Zusätzlich verringerten Nitrifikationsinhibitoren in ausgewählten Düngern die Lachgasemissionen auf dem Feld um 40 bis 60 Prozent.
Mit neuem Düngemittel eine Überfahrt gespart
Einer der Partnerlandwirte ist Felix Krobitzsch, Geschäftsführer der Wachauer Agrar- und Transport im Südosten von Leipzig. Der Betrieb bewirtschaftet insgesamt rund 1.500 Hektar Ackerland, darunter 100 Hektar Ökolandbau. Krobitzsch baut auf vier Schlägen insgesamt rund 100 Hektar der Projektweizensorten KWS Espinum und I.G. Patras an. „Normalerweise düngen wir Weizen in drei Gaben“, zitierte das Unternehmen den Landwirt in der Mitteilung. Mit dem neuen Düngemittel genüge teilweise eine Überfahrt. Das spare Diesel, Zeit und schone den Boden. Trotz nur einer Düngergabe statt drei erreichte der Projektweizen im vergangenen Jahr Erträge von gut 90 Dezitonnen pro Hektar mit Proteingehalten von mehr als 13 Prozent.
Zusatzprämie von 70 bis 90 Euro pro Hektar
Die Partnerlandwirte erhalten nach Angaben des Unternehmens eine zusätzliche Prämie von 70 bis 90 Euro pro Hektar. Diese mache den Mehraufwand wirtschaftlich tragbar, teilte Lieken mit. Die Prämien für Landwirte sowie weitere projektbedingte Mehrkosten trägt derzeit Lieken. „Solange Projekte wie dieses fair vergütet werden, ist die Bereitschaft mitzumachen groß“, sagte Krobitzsch. Um solche Ansätze langfristig zu skalieren, müssten die entstehenden Mehrkosten entlang der Lieferkette mitgetragen werden, hieß es von Lieken.
Lieken betreibt nach eigenen Angaben insgesamt acht Werke in Deutschland und verarbeitet mit rund 1.800 Mitarbeitern neben weiteren Rohstoffen rund 250.000 Tonnen Weizenmehl pro Jahr. Zu den bekanntesten Marken gehören Golden Toast und Lieken Urkorn. Kürzlich verkündete Lieken, das Werk in Essen schließen zu wollen. Die Science Based Targets Initiative (SBTI) habe die Klimaziele des Unternehmens offiziell validiert, teilte Lieken unlängst mit.