Backwarenbranche Lieken lässt Klimaziele validieren

Die Großbäckerei Lieken hat ihre Klimaziele von der Science Based Targets Initiative prüfen lassen. Bis 2032 will das Unternehmen die Emissionen aus Scope 1 und 2 um gut die Hälfte senken. Mehr als 90 Prozent der Gesamtemissionen entstehen aber in der Lieferkette – vom Weizenanbau bis zur Verpackung.

Dienstag, 26. Mai 2026, 10:58 Uhr
Manuel Glasfort
Lieken arbeitet weiterhin am Erreichen seiner Klimaschutzpläne. Bildquelle: Lieken

Die Großbäckerei Lieken hat als erstes deutsches Unternehmen ihrer Branche ihre Klimaziele von der Science Based Targets Initiative (SBTI) validieren lassen. Die Organisation prüfte und bestätigte die Ziele des Unternehmens, wie Lieken mitteilte.

Bis 2032 will Lieken die Emissionen aus Scope 1 und 2 um 50,4 Prozent senken. Es handelt sich um Emissionen, die direkt im Unternehmen entstehen (Scope 1), beispielsweise durch Fahrzeuge oder Produktionsanlagen, oder um Emissionen aus zugekaufter Energie (Scope 2). Als Basisjahr dient 2022.

Für Scope 3, der alle indirekten Emissionen entlang der Wertschöpfungskette umfasst, etwa Transport, auf den mehr als 90 Prozent der Gesamtemissionen entfallen, legte das Unternehmen differenzierte Ziele fest. Die Treibhausgas-Emissionen aus dem FLAG-Bereich (Forstwirtschaft, Landnutzung, Landwirtschaft) sollen bis 2035 um 45,5 Prozent sinken, die aus dem non-FLAG-Bereich (Transport, Verpackung, Energie in der Lieferkette) um 37,5 Prozent. Basisjahr ist hier 2023. 

„Diese Ziele sind kein Wunschdenken, sondern basieren auf wissenschaftlichen Vorgaben“, zitierte das Unternehmen Andreas Hohlt, Leiter Nachhaltigkeit bei Lieken, in der Mitteilung. „Gerade in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten zeigen wir damit, dass Klimaschutz für uns eine hohe Priorität hat.“ Der Handel fordere dies zunehmend ein.

Lieken muss Erdgas in Backöfen ersetzen

Die Umsetzung der Ziele ist nach Angaben von Lieken mit erheblichen Herausforderungen verbunden. Das Unternehmen muss die Energieversorgung in der Produktion umstellen. Das derzeit vor allem für die Backöfen eingesetzte Erdgas soll durch klimafreundlichere Alternativen ersetzt werden. „Die Umstellung auf erneuerbare Energieträger wie Biomasse, Wasserstoff oder elektrische Wärmelösungen erfordert nicht nur erhebliche Investitionen in neue Technologien, sondern auch eine entsprechende Infrastruktur, die bislang nicht flächendeckend verfügbar ist“, erklärte Hohlt laut der Mitteilung.

Besonders komplex ist der Bereich Scope 3.1, also die Emissionen aus eingekauften Waren und Dienstleistungen. Mehr als 90 Prozent der Gesamtemissionen entstehen nach Unternehmensangaben vorgelagert, vom Weizenanbau über die Mehlproduktion bis hin zu Verpackungsmaterialien. Lieken setzt deshalb auf langfristige Kooperationen mit Landwirten und Lieferanten. Das Unternehmen treibt gemeinsam mit Partnern das Projekt „Dünger mit reduziertem CO₂e-Fußabdruck im Weizenanbau“ voran.

Die Lieken-Gruppe betreibt acht Werke in Deutschland und beschäftigt rund 1.800 Mitarbeiter. Das Unternehmen verarbeitet nach eigenen Angaben rund 250.000 Tonnen Weizenmehl pro Jahr. Unlängst wurde bekannt, dass Lieken sein Werk in Essen schließen will

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