Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit hat nach mehreren Rückrufen von Babynahrung erstmals einen Sicherheitsrichtwert für das Toxin Cereulid bei Säuglingen festgelegt. Die EU-Kommission bat die Behörde mit Sitz im italienischen Parma um eine Einschätzung, wie gefährlich Cereulid für Säuglinge ist, wie die Efsa mitteilte. Ziel ist es, Richtwerte festzulegen, ab wann belastete Produkte vorsorglich aus dem Handel genommen werden sollten.
Nach Angaben der Efsa werden derzeit in mehreren Ländern weltweit Rückrufe von Babynahrungsprodukten durchgeführt. Mit dem neuen Sicherheitsrichtwert sollen Behörden in der EU schneller und einheitlicher entscheiden können, wann ein Rückruf notwendig ist. Sehr junge Säuglinge reagieren deutlich empfindlicher auf Giftstoffe als Erwachsene.
Vergangene Woche hatte der Lebensmittelhersteller Danone in Deutschland mehrere Chargen seiner Babynahrung der Marke Aptamil zurückgerufen. Wie das Unternehmen mitteilte, könnte darin Cereulid enthalten sein. In Abstimmung mit den zuständigen deutschen Behörden wurden drei Chargen zurückgerufen. Auch der Nahrungsmittelkonzern Nestlé rief deswegen schon mehrere Säuglingsnahrungsprodukte vorsorglich zurück.
Nestlé droht Foodwatch mit rechtlichen Schritten
Nestlé wehrt sich unterdessen gegen Kritik der Verbraucherorganisation Foodwatch an den Rückrufen. Der Schweizer Konzern kündigte in einem Schreiben an Foodwatch rechtliche Schritte an, sollten aus seiner Sicht falsche oder irreführende Informationen weiterverbreitet werden, wie die Schweizer Nachrichtenagentur AWP berichtete. Dem Unternehmen lägen bislang keine medizinischen Berichte vor, die einen Zusammenhang zwischen den Produkten und gemeldeten Erkrankungen belegten, teilte Nestlé mit. Hintergrund ist eine Strafanzeige, die Foodwatch im Zusammenhang mit früheren Rückrufen von Säuglingsmilchprodukten eingereicht hat.
Eltern sollten zurückgerufene Produkte auf keinen Fall weiter verwenden, rät die Efsa. Zeigen Babys nach dem Verzehr Symptome wie etwa Erbrechen oder Durchfall, raten Fachleute dringend zu einem Arztbesuch. Magen-Darm-Erkrankungen können bei Säuglingen schnell zu Komplikationen führen. Cereulid ist laut Efsa ein von Bakterien gebildetes Gift, das 30 Minuten bis sechs Stunden nach der Einnahme plötzliche Übelkeit, Erbrechen und Magenschmerzen verursachen kann.