Die Staatsanwaltschaft München ermittelt gegen Klaus Josef Lutz, den früheren Vorstandsvorsitzenden des Mischkonzerns Baywa. Dem Manager wird Untreue vorgeworfen, wie ein Sprecher der Ermittlungsbehörde bestätigte. Lutz leitete den Konzern von 2008 bis Frühjahr 2023 und ist zudem Präsident des Bayerischen Industrie- und Handelskammertags sowie der Industrie- und Handelskammer München und Oberbayern. Bisher hat Lutz jede Verantwortung für die Krise des Unternehmens zurückgewiesen. Es gilt die Unschuldsvermutung.
Die Staatsanwaltschaft hält sich zu Einzelheiten des Verfahrens bedeckt. Der Sprecher nannte weder Details zu den Vorwürfen noch die Zahl der Beschuldigten. Bisher war bekannt, dass die Ermittler gegen die Vorstände vorgehen, die für den Jahresabschluss 2023 verantwortlich waren. Dabei geht es vor allem um den Verdacht, dass die damalige Konzernspitze die Risiken des hoch verschuldeten Unternehmens geschönt haben soll. Lutz hatte den Jahresabschluss 2023 nicht unterschrieben. Er wechselte im Frühjahr 2023 vom Vorstand an die Spitze des Aufsichtsrats und gab auch diesen Posten Anfang 2024 ab.
Lutz lässt sich wegen der „zeitlicher Inanspruchnahme“ durch das Verfahren nun an der Spitze der Industrie- und Handelskammer vertreten, wie die Kammer mitteilte. Der Manager hatte den Verband einen Tag zuvor über die Ermittlungen informiert. Ein Untreueverdacht bedeutet nicht zwangsläufig, dass sich ein Beschuldigter persönlich bereichert haben soll. In der Regel geht es dabei um den Vorwurf, dass Manager vorsätzlich Firmenvermögen verschleudert oder aufs Spiel gesetzt haben sollen.
Baywa türmte unter Lutz Milliarden an Schulden auf
Der Baywa-Konzern geriet im Sommer 2024 in Schieflage und ist derzeit einer der größten Sanierungsfälle in Deutschland. Ein maßgeblicher Auslöser waren die hohen Zinszahlungen für 5,4 Milliarden Euro an Bankkrediten. Das Unternehmen hatte die Schulden im Zuge einer internationalen Expansion in den 2010er Jahren aufgetürmt, die Lutz steuerte. Der Sanierungsplan der jetzigen Vorstandsriege sieht vor, bis Ende 2028 vier Milliarden Euro Kredite abzuzahlen. Dafür sollen rund zwei Drittel der früheren Geschäfte verkauft werden, im Wesentlichen die Auslandstöchter, die der Konzern unter Lutz auf Kredit gekauft hatte.
Wichtigster Geschäftszweig der Baywa ist der Agrarhandel. Das Unternehmen spielt vor allem im Süden und im Osten Deutschlands eine wichtige Rolle für die Landwirte: Die Baywa kauft einerseits Getreideernten und andere Erzeugnisse an und beliefert die Bauern andererseits mit Saatgut, Dünger, Landmaschinen und anderen Bedarfsgütern.