Streit um Form Ritter Sport verklagt Haferriegel-Hersteller wegen quadratischer Verpackung

Der Schokoladenhersteller Ritter Sport zieht vor Gericht gegen den Mannheimer Produzenten Wacker. Grund ist die quadratische Verpackung von dessen Haferriegel „Monnemer Quadrat Bio". Für das kleine Familienunternehmen mit 30 Mitarbeitern steht viel auf dem Spiel.

Donnerstag, 13. November 2025, 09:46 Uhr
Theresa Kalmer (mit dpa)
Sie sind quadratisch und schmecken nach Haselnuss oder Kokos: Die Haferriegel Monnemer Quadrat Bio von Wacker in Mannheim. Schokohersteller Ritter Sport fürchtet um seine Marke und klagt. Bildquelle: Wacker/Ritter Sport

Der Schokoladenhersteller Ritter Sport verklagt den Mannheimer Haferriegel-Produzenten Wacker wegen dessen quadratischer Verpackung. Am 18. November verhandelt das Landgericht Stuttgart den Fall, wie das Gericht mitteilte. Ritter Sport sieht seine seit 1996 geschützte dreidimensionale Marke bedroht und fordert, dass Wacker sein Produkt „Monnemer Quadrat Bio“ mit der aktuellen Verpackung nicht mehr verkauft und bereits verkaufte Produkte zurückruft.

Das Familienunternehmen Wacker brachte den quadratischen Haferriegel vor einem Jahr auf den Markt. Die Verpackung erinnert an die der Ritter-Sport-Tafel, ist aber kleiner als die klassische 100-Gramm-Version und hat längere Seitenlaschen. „Die Mannheimer Innenstadt ist ja in Quadraten angeordnet“, sagte Firmengründer Matteo Wacker. „Wir fanden die Idee einfach cool, zu sagen, es gibt ein Mannheimer Quadrat – also dieses Quadrat in der Innenstadt – zum Snacken.“ Der Riegel enthält nach Angaben des Herstellers getrocknete Datteln, Vollkorn-Haferflocken und Haselnussmus. Im Januar erhielt das Unternehmen Post von Ritter Sport, danach folgte die Klage.

„So eine Klage ist natürlich extrem belastend“, sagte der 33-jährige Wacker. Das Unternehmen beschäftigt rund 30 Mitarbeiter und hat nach eigenen Angaben mehr als 120 Produkte im Angebot. Am Anfang verkaufte Wacker nach eigenen Angaben 12.000 der Haferriegel in rund zwei Monaten, vor allem online. Mittlerweile hat das Unternehmen die Produktion wegen des Rechtsstreits zurückgefahren. „Das Risiko ist natürlich immens für uns“, sagte Wacker. „Allein die Prozesskosten wären, wenn es bis zur dritten Instanz ginge, bei um die 80.000 Euro.“ Viel höher könnten mögliche Schadensersatzforderungen sein, dazu die Kosten für Rückruf und Vernichtung.

Ritter Sport fürchtet Markenkollision

Ritter Sport betont, dass die quadratische Verpackungsform eine der bekanntesten Marken Deutschlands und zentrales Wiedererkennungsmerkmal des Unternehmens sei. Obwohl es sich bei dem Produkt aus Mannheim um einen Haferriegel handelt, befürchtet Ritter Sport eine Markenkollision. Bei Schokolade und Müsliriegeln handele es sich um ähnliche Waren, die von der gleichen Zielgruppe zum selben Anlass gegessen würden, teilte eine Sprecherin mit. Problematisch sei neben der Verpackung auch die Verwendung des Wortes „Quadrat“ im Produktnamen. Das Unternehmen strebe eine sachliche Lösung an, die dem Formmarkenschutz Rechnung trage. Dies wäre beispielsweise durch ein Verlängern der Verpackung des Mannheimer Produkts möglich.

Wacker sagte, er habe Ritter Sport angeboten, die Seitenlaschen zu drehen oder das Produkt etwas rechteckiger zu machen. Doch dann sei plötzlich die Klage gekommen. Seine Anwältin Tamara Moll schrieb, das Unternehmen vertreibe Haferriegel ohne künstliche Zusätze, die sich an ernährungsbewusste Verbraucher richteten und sich damit grundlegend von klassischen Tafelschokoladen unterschieden. „Es handelt sich nicht nur um verschiedene Warenarten, sondern auch um unterschiedliche Zielgruppen und Konsumanlässe“, schrieb Moll. Es bestehe daher keine Verwechslungsgefahr der Produkte. Ritter Sport hatte auch in der Vergangenheit seinen Markenschutz gerichtlich verteidigt. Mit dem Hauptkonkurrenten Milka stritt sich das Unternehmen bis in die höchste Instanz und siegte im Jahr 2020 vor dem Bundesgerichtshof.

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