Die Zahl der Lebensmittelhandwerksbetriebe in Deutschland ist seit dem Jahr 2000 um rund 40 Prozent gesunken. Dies zeigt ein Gutachten der Humboldt-Professur für Nachhaltige Ernährungswirtschaft an der Universität Freiburg. Große Industrieunternehmen verdrängen demnach immer mehr handwerkliche Betriebe oder Supermarktketten übernehmen diese. Heute erwirtschaften Großbetriebe mehr als 80 Prozent des Gesamtumsatzes der Branche.
Verlust regionaler Versorgungsstrukturen im Krisenfall
Das Gutachten hebt hervor, wie wichtig kleine und mittlere Unternehmen für die verlässliche Versorgung der Bevölkerung, die regionale Wertschöpfung, die Sicherung von Arbeits- und Ausbildungsplätzen sowie den Umweltschutz seien. Gewarnt wird auch vor dem Verlust regionaler Versorgungsstrukturen im Krisenfall. Das Gutachten stützt sich auf einjährige Recherchen und Auswertungen sowie Konsultationen zahlreicher Experten und Fachverbände.
Systemrelevanz kleiner und mittlerer Betriebe zeigt sich einmal mehr
Die AöL hatte das Erstellen des Gutachtens 2023 mit initiiert und seither unterstützt. Sie sieht in der Entwicklung, die im Gutachten dargelegt wird, ein Warnsignal und fordert politische Maßnahmen, damit kleine und mittelständische Unternehmen gestärkt werden. „Einmal mehr zeigt sich, wie systemrelevant kleine und mittelständische Betriebe in der Lebensmittelverarbeitung sind“, sagte Matthias Beuger, Geschäftsleitung nationale Netzwerke. Ohne funktionierende handwerkliche Strukturen fehle im Krisenfall die Fähigkeit, Menschen dezentral mit Lebensmitteln zu versorgen.
Politische Leitplanken für KMU erforderlich
Mit dem Rückgang von kleinen und mittelständischen Unternehmen gehe nicht nur wirtschaftliche Stabilität verloren, sondern auch Wissen und Identität, heißt es.
Der Strukturwandel muss aus Sicht des Verbandes politisch gestaltet werden. „Politische Instrumente müssen sich an Gemeinwohl und Resilienz orientieren. Es braucht Leitplanken, die KMU stärken, statt Marktanteile weiter in industrielle Strukturen zu lenken“, so Anne Baumann, geschäftsführende Vorständin. Netzwerke sollten gefestigt und faire Wettbewerbsbedingungen zwischen Industrie und Handwerk geschaffen werden.
