Der Bund prüft eine bundesweite Förderung von Mehrgefahrenversicherungen für Landwirte. Das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) untersucht, ob die Versicherungen gegen Naturgefahren aus dem Topf für Agrarstruktur und Küstenschutz bezuschusst werden können, wie ein Sprecher des Ministeriums von Bundesminister Alois Rainer (CSU) mitteilte.
Bislang herrscht bei der Förderung ein föderales Durcheinander. Einige Bundesländer unterstützen ihre Landwirte mit Versicherungszuschüssen, andere nicht. Auch die Förderregeln unterscheiden sich von Land zu Land. „Eine bundeseinheitliche Mehrgefahrenversicherung ist längst überfällig und würde die Kosten für die Landwirte, Verwaltung und Versicherungen deutlich senken“, erklärte Stefanie Sabet, Generalsekretärin des Deutschen Bauernverbands (DBV). Der Verband fordert, dass der Bund den Landwirten mindestens 50 Prozent der Versicherungsprämien für Spätfrost, Starkregen, Trockenheit und Sturm erstattet.
Bayern hat nach Einschätzung von Alexander Lührig, Chef der Allianz Agrar, „das konsequenteste Programm“. Im bayerischen Modell können Landwirte je nach Haupttätigkeit zwischen verschiedenen Versicherungspaketen wählen. Für Ackerbauern sind in Bayern etwa Schäden durch Hagel, Sturm, Starkregen, Starkfrost, Trockenheit sowie Fraßschäden durch Wildgänse und Saatkrähen versichert. Mehrere andere EU-Länder wie Frankreich, Italien, Spanien und Polen fördern Mehrgefahrenversicherungen bereits seit Jahren.
Die Risiken für die Landwirtschaft steigen durch den Klimawandel. „Extremwetterereignisse wie Hagel, Dürre und Starkregen gefährden zunehmend die Ernten“, sagte DBV-Generalsekretärin Sabet. Besonders die Trockenheit bleibt eine Gefahr. Das Forschungszentrum Jülich beobachtet vor allem in Mittel- und Ostdeutschland ein deutliches Defizit im Bodenwasserspeicher im Vergleich zum Durchschnitt der vergangenen 15 Jahre. Der viele Regen in diesem Jahr hat das Wasserdefizit dort bisher nur teilweise behoben. Auch in Bayern und Baden-Württemberg gibt es nach wie vor Regionen mit wenig Wasser im Boden. „Wir waren im Grunde bis zum Trockenheitsjahr 2018 immer gut mit Wasser versorgt“, erklärte Allianz-Agrar-Chef Lührig. Die damals aufgebaute „Bodenwasserschuld“ sei bis 2024 nicht wieder aufgeholt worden.
