Deutsche Landwirtschaft Bauernverband warnt vor Betriebssterben

Preiseinbrüche bei Schweinefleisch, Getreide und Butter setzen die deutschen Landwirte unter Druck. Viele Betriebe können nicht mehr investieren, weil die Produktionskosten über den Erzeugerpreisen liegen. Der Bauernverband fordert mehr Wertschätzung an der Ladentheke.

Montag, 12. Januar 2026, 09:38 Uhr
Theresa Kalmer (mit dpa)
Beim Lebensmitteleinkauf spürten viele Verbraucher die hohe Inflation lange besonders. Die Bauern müssen jetzt mit verschärftem Preisdruck klarkommen. Zum großen Branchentreff, der Grünen Woche in Berlin, trübt das die Stimmung. Bildquelle: Getty Images

Die deutschen Landwirte blicken mit gedrückten Erwartungen auf das Jahr 2026. Preiseinbrüche bei vielen Produkten und andere Belastungen drücken auf die Geschäftsaussichten der Branche, wie der Präsident des Deutschen Bauernverbands, Joachim Rukwied, der Deutschen Presse-Agentur sagte. „Der Motor droht bei einigen Betrieben wirklich auszugehen“, warnte Rukwied kurz vor Beginn der Grünen Woche in Berlin. Beim Großteil der Höfe stottere er weiter. Bei Investitionen gebe es absolute Zurückhaltung, vielen Betrieben fehlten die flüssigen Mittel dafür.

Besonders hart trifft die Landwirte, dass die Preise für ihre Produkte auf breiter Front absacken. „Unsere Produktionskosten liegen teils über dem Erzeugerpreis“, beklagte Rukwied. Für Schweinefleisch seien die Preise auf 1,45 Euro pro Kilogramm gesunken. „Das ist desaströs“, zitierte die Agentur den Bauernpräsidenten. Die Preise für Getreide seien auf das Niveau der frühen Achtzigerjahre gefallen, auch bei Zucker und Kartoffeln gebe es Druck. Vor Weihnachten kamen bei den Verbrauchern mehrere Preissenkungsrunden bei Butter bis auf 99 Cent pro Päckchen an.

Appell an Supermarktkunden 

Rukwied mahnte mehr Verständnis für den Wert der Lebensmittelerzeugung an. „Wir leben in fragilen Zeiten und gefährden die Ernährungssicherung durch einen massiven Preisdruck für die Bauern als die Ersten in der Kette, ohne die es die Lebensmittel gar nicht gäbe“, sagte er der Agentur. Er wünsche sich, dass sich die höhere Wertschätzung für die Landwirtschaft an der Ladentheke stärker widerspiegele, indem mehr Verbraucher zu hochwertiger deutscher Ware griffen. Natürlich spiele der Weltmarkt bei der Preisbildung eine Rolle. „Nur: Wir haben keine Weltmarktkonditionen, was die Produktionsbedingungen anbelangt. Wir haben deutlich höhere Standards, zu denen wir auch stehen“, erklärte Rukwied.

Mindestlohn und CO₂-Preis belasten Betriebe zusätzlich

Die Kalkulationen vieler Betriebe bleiben angespannt, auch wenn zu Jahresbeginn Millionen-Entlastungen für die Branche beim Agrardiesel und den Stromkosten in Kraft traten. Eine erhöhte Bepreisung von Kohlendioxid für Energie fresse einen Teil der Entlastung wieder auf, sagte Rukwied. Zu Buche schlage auch die Anhebung des gesetzlichen Mindestlohns von 12,82 Euro auf 13,90 Euro pro Stunde im neuen Jahr. Ein teils doppelt so hohes Niveau wie in anderen Ländern der Europäischen Union sei schlichtweg nicht mehr wettbewerbsfähig.

Die Gewinne der Landwirte stagnierten zuletzt. Im Ende Juni abgelaufenen Wirtschaftsjahr 2024/25 verdienten die Unternehmen im Schnitt 78.500 Euro, wie der Bauernverband im Dezember mitteilte. Mit einem Plus von 0,4 Prozent entsprach das quasi dem Vorjahresniveau. Rukwied äußerte sich anlässlich der Grünen Woche, die vom 16. bis 25. Januar in Berlin stattfindet.

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