Der Naturkosmetik- und Arzneimittelhersteller Weleda lässt seine Geschichte während der NS-Zeit umfassend wissenschaftlich untersuchen. Das Unternehmen hat die Gesellschaft für Unternehmensgeschichte mit einer entsprechenden Studie beauftragt, wie Weleda mitteilte.
Die Untersuchung soll an frühere Forschungsarbeiten anknüpfen. Die Gesellschaft für Unternehmensgeschichte hatte bereits 2023 ein wissenschaftliches Gutachten zu Teilen der Unternehmensgeschichte während des Nationalsozialismus erstellt. Dieses 2024 fertiggestellte Gutachten untersuchte nach Angaben von Weleda jedoch noch nicht sämtliche Detailaspekte.
Das heutige Unternehmen Weleda hat seinen Hauptsitz in der Schweiz, aber Wurzeln in Deutschland. 1921 begann die industrielle Produktion von Heil- und Körperpflegemitteln in Schwäbisch Gmünd in Deutschland.
Mehrere Wissenschaftler haben sich in jüngster Zeit mit der Geschichte des Unternehmens in der NS-Zeit befasst. Die Historiker Peter Selg, Matthias Mochner und Susanne H. Gross veröffentlichten dazu zwei Bücher, die 2024 und 2025 erschienen sind. Die Historikerin Anne Sudrow legte zudem ein Werk zur Bedeutung der ökologischen Landwirtschaft und Naturheilkunde im KZ Dachau vor. Dieses Buch enthält laut der Mitteilung auch Details zu Verbindungen von Weleda in der damaligen Zeit, die in der bisherigen Forschung möglicherweise noch nicht vollständig beleuchtet wurden.
Weleda-Chefin Müller distanziert sich von NS-Verbrechen
„Wir verurteilen die Gräueltaten des Nationalsozialismus aufs Schärfste. Faschismus, Antisemitismus, Rassismus oder rechtsextremes Gedankengut haben bei uns keinen Platz“, zitierte das Unternehmen seine Vorstandschefin Tina Müller. „All diese Arbeiten nehmen wir zum Anlass, unsere Unternehmensgeschichte im Detail mit einer grossen unabhängigen Studie aufzuarbeiten“, sagte Müller laut der Mitteilung weiter.
Die neue Studie soll nach Angaben des Unternehmens Anfang 2027 veröffentlicht werden. Weleda will die Ergebnisse für alle zugänglich machen.
