Grüntee-Engpass Matcha-Nachfrage übersteigt Produktion in Japan

Die Exporte von japanischem Matcha nach Deutschland haben sich in diesem Jahr mehr als verdreifacht. Die japanische Tee-Industrie kann die stark gestiegene Nachfrage nicht mehr bedienen. Eine deutsche Teebäuerin will die Marktlücke nutzen und baut in Brandenburg Teepflanzen an.

Mittwoch, 10. September 2025, 09:13 Uhr
Theresa Kalmer (mit dpa)
Influencer-Hype, leere Regale und steigende Preise: Der grüne Tee ist in aller Munde – und wird knapper. Eine deutsche Pionierin hat einen Plan. Bildquelle: Getty Images

Der Matcha-Boom führt zu Engpässen bei dem grünen Tee aus Japan. Die Nachfrage nach dem pulverisierten Grüntee ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Zwischen Januar und August 2024 lieferten japanische Hersteller mehr als 240 Tonnen Matcha nach Deutschland – ein Plus von 240 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, wie das japanische Landwirtschaftsministerium mitteilte.

Die japanische Tee-Industrie kommt mit der Produktion nicht mehr hinterher. Einzelhändler haben bereits Beschränkungen für die Abgabemenge eingeführt. Viele Geschäfte sind kurz nach Ladenöffnung von Touristen leergekauft, teilte das Ministerium mit. Im vergangenen Jahr entfiel mehr als die Hälfte der rund 9.000 Tonnen grünen Tees, die aus Japan exportiert wurden, auf Matcha – doppelt so viel wie noch vor zehn Jahren. Der Trend zu gesunder Ernährung und natürlichen Produkten treibt die Nachfrage weiter an.

Die Gründe für die Engpässe sind vielfältig. Hitzewellen führten zu schwachen Erträgen. Die Herstellung des Pulvers erfordert zudem einen aufwendigen Prozess: Die Blätter werden mehrere Wochen vor der Ernte beschattet und anschließend sorgfältig von Hand entstielt, getrocknet und fein vermahlen. „Es braucht jahrelanges Training, um Matcha richtig herzustellen“, betonte Masahiro Okutomi, dessen Familienbetrieb in der Präfektur Saitama in 15. Generation Tee produziert, in der „Japan Times“.

Zudem sank die Zahl der Landwirte in Japan laut Regierungsangaben von mehr als 53.000 im Jahr 2000 innerhalb von 20 Jahren auf etwa 12.300. Viele Teebauern sind in die Jahre gekommen. Häufig ist niemand aus der jüngeren Generation bereit, den Betrieb zu übernehmen.

Brandenburgerin Kühnle startet Matcha-Produktion

Eine deutsche Teebäuerin will vom Matcha-Boom profitieren. Antje Kühnle baut seit gut zwei Jahren in Zossen in Brandenburg die Teepflanze Camellia Sinensis an. Auf 6,5 Hektar will sie hochwertigen Matcha herstellen. „Eine Teefarm in der Größe gab es in Deutschland so noch nicht“, teilte Kühnle mit. Von ihren 200.000 Anzüchtungen hat sie nach eigenen Angaben bereits 40.000 umpflanzen können. Die erste vermarktbare Ernte erwartet Kühnle im Frühjahr 2026. Die Teebäuerin verwendet nach eigenen Angaben Saatgut aus dem Himalaya und Nordchina, damit die Pflanzen auch Winterfröste überstehen.

Die Nachfrage nach Matcha dürfte weiter steigen. „Wir nehmen wahr, dass Matcha-Tee derzeit einen großen Trend in Deutschland erlebt“, sagte der Geschäftsführer des Bundesverbands des Deutschen Lebensmittelhandels, Philipp Hennerkes. Dies betreffe nicht nur den klassischen Konsum als Tee, sondern zeige sich auch in unterschiedlichsten Produktkategorien wie Matcha-Schokoriegeln und Matcha-Latte.

Deutschland ist nach den USA der wichtigste Exportmarkt für japanischen Tee. Steigende Preise seien nicht ausgeschlossen. Das Unternehmen Keiko, das Tencha aus Japan importiert und in Diepholz zu Matcha vermahlt, berichtet von einer rasant gestiegenen Nachfrage in den vergangenen zwei Jahren. „Nun stehen wir erstmals vor der Situation, dass die stark gestiegene Nachfrage die verfügbare Erntemenge übersteigt“, teilte eine Sprecherin des Unternehmens mit.

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