Rohstoffmärkte Haselnusspreise steigen um mehr als ein Drittel

Ein Kälteeinbruch in der Türkei hat die Haselnussernte stark geschädigt. Die Preise für Haselnusskerne sind seit Jahresbeginn um mehr als ein Drittel gestiegen. Deutsche Süßwarenhersteller wie Ritter Sport suchen nach Alternativen.

Montag, 11. August 2025, 09:30 Uhr
Theresa Kalmer (mit dpa)
Ein Kälteeinbruch schädigt die Sträucher in der Türkei. Dadurch steigen die Haselnusspreise auf dem Weltmarkt. Von dieser Entwicklung sind Schokolade, Aufstriche und Müsli betroffen. Bildquelle: Getty Images

Die Haselnusspreise sind seit Jahresbeginn um mehr als ein Drittel gestiegen. Eine Tonne türkischer Haselnusskerne kostet inzwischen etwa 9.400 Euro, wie die Plattform Vesper BV berichtet, die Daten zu Lebensmittelmärkten bereitstellt. Die Preissteigerungen treffen besonders Lebensmittelhersteller wie Ritter Sport, Seeberger, Zentis und die Müslimarke Kölln.

Ein Kälteeinbruch hat im April die Haselnussblüten und -triebe in der Türkei geschädigt. Der türkische Landwirtschaftsminister Ibrahim Yumakli sprach von einem der schlimmsten Agrarfröste in der Geschichte des Landes. Der staatliche Getreiderat erwartet laut der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu einen Rückgang der Ernte um 36 Prozent auf etwa 450.000 Tonnen. Die Türkei dominiert mit einem Anteil von rund 60 Prozent den Weltmarkt für Haselnüsse.

Ritter Sport verarbeitet nach eigenen Angaben mehrere Tausend Tonnen Haselnüsse im Jahr, die überwiegend von der türkischen Schwarzmeerküste stammen. „Wir registrieren eine massive (Doppel-)Belastung auf der Rohstoffseite“, teilt das Unternehmen mit. Die Belastung werde auch wegen des Klimawandels nicht wieder weggehen. Der Snackanbieter Seeberger aus Ulm bezieht seine Haselnüsse zwar aus Italien, spürt aber dennoch die Auswirkungen. „Die aktuelle Entwicklung ist auch Ausdruck der zunehmenden Klimarisiken für die Landwirtschaft“, teilt Seeberger mit.

Großabnehmer Ferrero bestreitet Lieferengpässe

Der weltweit größte Haselnusseinkäufer Ferrero, der schätzungsweise ein Drittel aller Haselnüsse bezieht, verneint Lieferunterbrechungen. Das Unternehmen bezieht die Nüsse nach eigenen Angaben außer aus der Türkei auch aus Italien, Chile und den USA. Alexander Sterk von der Plattform Vesper BV berichtet, dass Unternehmen derzeit versuchten, Rezepte zu ändern, um den Haselnussanteil zu senken. Rainer Lückenhausen vom Hamburger Handelshaus Schlüter & Maack schätzt, dass Hersteller verstärkt auf Mandeln ausweichen werden, die preislich attraktiver seien.

Die staatliche türkische Getreidebehörde hat zur Erntezeit einen offiziellen Mindesteinkaufspreis für Haselnüsse festgelegt, der den Markt stabilisieren soll. Der Einkaufspreis eines Kilogramms Nüsse liegt in diesem Jahr bei rund 4,20 Euro – etwa 17 Prozent höher als im Vorjahr auf Eurobasis. Der Vorsitzende der Landwirtschaftskammer der Anbauregion Giresun, Nurittin Karan, erwartet, dass Abnehmer aus Deutschland und anderen Ländern die Bestände schnell aufkaufen werden.

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