Lebensmittelversorgung gefährdet Fischereiverband warnt vor sinkendem Selbstversorgungsgrad

Der Deutsche Fischereiverband sieht die Versorgung mit Fisch aus deutschen Gewässern bedroht. Trotz gestiegener Fangmengen im vergangenen Jahr könnte der Selbstversorgungsgrad unter 10 Prozent fallen. Die Branche kämpft mit Bürokratie und neuen EU-Umweltauflagen.

Mittwoch, 02. Juli 2025, 12:54 Uhr
Thomas Klaus (mit dpa)
Ein idyllisches Bild: Doch die wirtschaftliche Realität sieht für die deutschen Fischer oft anders aus. Bildquelle: Getty Images

Der Deutsche Fischereiverband warnt vor einem weiteren Rückgang der Selbstversorgung mit Fischereiprodukten in Deutschland auf unter 10 nProzent. Das sagte Verbandspräsident Dirk Sander bei der Eröffnung des Deutschen Fischereitages in Nürnberg. Er forderte mehr Unterstützung für die heimischen Fischer und kritisierte die zunehmende Abhängigkeit von Importen.

Auch in Europäischer Union sank Selbstversorgungsgrad

Laut Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) lag der Versorgungsgrad von Fisch in Deutschland im vergangenen Jahr vorläufig bei 20,4 Prozent. In der Europäischen Union sank die Selbstversorgung mit Fisch in den letzten Jahren von etwa 50 auf 30 Prozent, so Sander. Er betonte: „Wir haben in letzter Zeit den Eindruck gewonnen, dass man sich in Deutschland etwas zu sicher fühlt, was die Lebensmittelversorgung betrifft.“

EU-Gesetz zu Ökosystemen bereitet Sorgen

Die Fischer in Deutschland sehen sich mit verschiedenen Herausforderungen konfrontiert. Sander beklagte den hohen bürokratischen Aufwand, der die Wettbewerbsfähigkeit untergrabe. Zudem bereite das im Juni 2024 verabschiedete EU-Gesetz zur Wiederherstellung natürlicher Ökosysteme der Branche Sorgen. Das Gesetz verpflichtet die EU-Mitgliedstaaten, bis 2030 auf mindestens 20 Prozent der Land- und Meeresgebiete Renaturierungsmaßnahmen einzuleiten.

Leichtes Minus bei den Erlösen

Trotz dieser Herausforderungen verzeichnete die deutsche Hochsee- und Küstenfischerei im vergangenen Jahr einen Anstieg der Fangmengen. Nach Angaben der BLE landeten Fischer rund 162.530 Tonnen Fisch an, was einem Plus von vier Prozent im Vergleich zu 2023 entspricht. BLE-Referatsleiter Lutz Wessendorf führte den Anstieg auf höhere Fangquoten bei Schwarmfischen wie Hering zurück. Der Heringsfang stieg 2024 um 72 Prozent auf etwa 60.483 Tonnen. Die Erlöse sanken leicht von etwa 182 auf 180 Millionen Euro. Das führt der Fischereiverband auf den vermehrten Fang günstigerer Fischarten zurück. 

Flotte umfasst nun sechs moderne Trawler

Die deutsche Hochseefischerei schloss 2024 ihr Flottenmodernisierungsprogramm mit der Indienststellung zweier Neubauten ab. Die Flotte umfasst nun sechs moderne Trawler für verschiedene Fischarten im Nordatlantik. Die Reedereien betonen ihr Engagement für eine bestandserhaltende und umweltschonende Fischerei, was sich unter anderem in der MSC-Zertifizierung von 50 Prozent der Anlandungen aus der Hochseefischerei widerspiegelt.

Während des Fischereitages wurde bedauert, dass die allgemein anerkannten wissenschaftlichen Standards wie auch die Nachhaltigkeitsbemühungen der Hochseefischerei insbesondere von Nichtregierungs-Organisationen ignoriert, falsch dargestellt und zum Beispiel in Bezug auf die Grundschleppnetzfischerei pauschalisiert würden. 

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