Entwaldungsverordnung EU-Agrarminister wollen vereinfachte Sorgfaltspflichten

Die Mitgliedsländer der Europäischen Union haben sich im EU-Agrarrat mehrheitlich für die Einführung einer Null-Risiko-Kategorie in der EU-Entwaldungsverordnung (EUDR) ausgesprochen. Damit würden bestimmte Länder mit einem geringen Entwaldungsrisiko, wie zum Beispiel Deutschland, von vereinfachten Sorgfaltspflichten profitieren.

Mittwoch, 28. Mai 2025, 11:42 Uhr
Thomas Klaus
Debatte über den besten Waldschutz: Der Beschluss des EU-Agrarrates läuft auf reduzierte Sorgfaltspflichten hinaus. Bildquelle: Getty Images

Die Null-Risiko-Kategorie in der EU-Entwaldungsverordnung ist eine vorgeschlagene vierte Risikostufe, die Länder mit besonders strengen Waldschutzgesetzen von den bisherigen Sorgfaltspflichten entlasten soll. Zurzeit teilt die EU-Kommission Länder in drei Kategorien ein: niedriges, Standard- und hohes Risiko.

EU-Kommission muss nun entscheiden

Auf ihrer jüngsten Sitzung haben sich die Mitgliedsländer der EU in Person ihrer Agrarminister im EU-Agrarrat mehrheitlich für die Einführung einer Null-Risiko-Kategorie ausgesprochen. Deutschland würde profitieren.

Die EU-Kommission muss nun entscheiden, ob sie diese neue Einstufung offiziell einführt. Die Entwaldungsverordnung EUDR soll nach dem jetzigen Stand der Dinge Ende Dezember 2025 in Kraft treten.

Rainer: Waldschutz funktioniert nicht mit Gängelung

Für die neue Kategorie hatte sich auf der Sitzung auch Bundesagrarminister Alois Rainer eingesetzt. Der CSU-Politiker kommentierte anschließend: „Die EU-Verordnung zu entwaldungsfreien Lieferketten muss praktikabel sein – ohne neue bürokratische Hürden. Wer den Wald schützt, darf nicht durch endlose Nachweispflichten entmutigt werden. Waldschutz funktioniert nicht mit Gängelung, sondern mit Vertrauen in diejenigen, die ihn Tag für Tag erhalten.“

Holzindustrie: EU-Vorstoß greift zu kurz

Hauptgeschäftsführer Dr. Denny Ohnesorge vom Hauptverband der Deutschen Holzindustrie erklärte: „Die Holzindustrie begrüßt ausdrücklich, dass sich der neue Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer im EU-Agrarrat für die Einführung der Null-Risiko-Kategorie stark gemacht hat. Das ist ein wichtiges Signal für Entbürokratisierung.“ Aber Ohnesorge schränkte ein: Dieser Schritt allein greife zu kurz, wenn bürokratische Lasten entlang der nachgelagerten Lieferkette bestehen bleiben würden.

Der HDH fordert daher, die EUDR grundsätzlich zu überarbeiten und entlang der Lieferkette alle Akteure zu entlasten, die Holz und Holzprodukte in Null-Risiko-Ländern verarbeiten oder handeln.

Scharfe Kritik am Benchmarking-System

In der vergangenen Woche hatte die EU-Kommission das so genannte Benchmarking-System vorgestellt, das Staaten in die Kategorien niedriges, Standard- und hohes Risiko einstuft. Der bayerische Bauernpräsident Günther Felßner kritisierte scharf: „Wenn man bedenkt, dass Indonesien oder Brasilien, das 2024 laut World Resources Institute (WIR) 2,8 Millionen Hektar Wald zerstört hat, im Entwaldungsrisiko im Standardrisiko eingestuft werden sollen, fällt man schon vom Glauben ab. Wie soll man das einem bayerischen Landwirt und Waldbesitzer erklären, dass er trotz strenger Landes- und Bundesgesetzte fast die ähnlichen Verpflichtungen hat? Das gefährdet nicht nur die Glaubwürdigkeit Europas, sondern befeuert Frustration und Ablehnung.“

WWF: EU-Agrarrat handelt wahnwitzig

Kritik an der EU-Agrarrats-Entscheidung kommt von Umweltschützern, wie etwa vom World Wide Fund for Nature (WWF). Der behauptet: „Mit dieser Persilschein-Kategorie der Null-Risiko-Staaten verleugnet die EU, dass auch in Europa illegal Holz geschlagen wird. EU-Drittstaaten werden Regeln auferlegt, die die EU für sich selbst nicht einhalten will.“ Doch auch in Europa werde Holz in Wäldern geschlagen, in denen die Ökosysteme schwer geschädigt seien. Naturwälder würden gerodet und in Forstplantagen umgewandelt. Daher zielte die EU-Verordnung bislang darauf ab, zusätzlich zu Entwaldung auch Degradierung, also Zustandsverschlechterung, zu stoppen. Dieses Ziel nun auszuhöhlen, sei angesichts der Klimakrise wahnwitzig, die just eine rasche Walderholung und Wiederbewaldung erforderlich mache.

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