Das deutsche Bäckerhandwerk wehrt sich gegen Pläne der Europäischen Kommission und des Bundesumweltamts, die die vorbeugende Dauerbeköderung gegen Nagetiere einschränken oder verbieten wollen. Die Branche fürchtet, dass strengere Regeln die Lebensmittelsicherheit gefährden könnten.
Dauerbeköderung seit Jahrzehnten üblich
Die Europäische Kommission plant derzeit, die befallsunabhängige Dauerbeköderung zu verbieten. Auch das Bundesumweltamt möchte die Praxis einschränken. In deutschen Bäckereien ist die Dauerbeköderung jedoch seit Jahrzehnten üblich, um Schädlingsbefall durch Mäuse oder Ratten zu verhindern. Die Betriebe handeln dabei nach Auskunft von Friedemann Berg, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbandes des Deutschen Bäckerhandwerks vorbeugend, also bereits dann, wenn nur ein Risiko besteht – und nicht erst, wenn Schädlinge bereits aufgetreten sind.
Bereits einzelne Tiere oder Spuren können erheblich schaden
„Unsere Betriebe können nicht abwarten, bis ein Schaden durch Schädlinge entstanden ist“, sagte Hauptgeschäftsführer Berg. Bereits einzelne Tiere oder Spuren könnten erhebliche wirtschaftliche Folgen für eine Bäckerei haben. Der Verband fordert, dass regulatorische Entscheidungen den besonderen Schutzbedarf von Lebensmittelbetrieben berücksichtigen müssen. „Wir fordern, dass die Ausnahmeregelung für das Lebensmittelhandwerk in Deutschland bestehen bleibt, denn Verbraucherschutz braucht praktikable Vorsorge – keine Schwächung bewährter Hygienestandards“, so Berg.
Bäckereien setzen auf Antikoagulanzien
In der Praxis setzen Bäckereien häufig Köder mit sogenannten Antikoagulanzien ein. Diese Wirkstoffe gelten nach Angaben des Verbands als besonders wirksam und sind nach Einschätzung von Fachleuten aus Lebensmittelkontrolle, Schädlingsbekämpfung und Qualitätssicherung weiterhin notwendig. Mechanische Maßnahmen wie Schlagfallen könnten zwar unterstützen, seien aber kein vollwertiger Ersatz. Der Verband kritisiert Bestrebungen auf europäischer Ebene, die Biozidverordnung so anzupassen, dass die Permanentbeköderung mit diesen Ködern generell verboten wird.
Berg mahnt praxistaugliche Regeln an
Das Bäckerhandwerk fordert, dass die Zulassung der Wirkstoffe für die Permanentbeköderung mit Antikoagulanzien auf EU-Ebene erhalten bleibt. In Deutschland solle die Dauerbeköderung als Ausnahmeregelung für den Lebensmittelbereich weiterhin möglich sein, wenn ein Befallsrisiko besteht. „Lebensmittelsicherheit in unseren Betrieben braucht Vorsorge. Wir benötigen praxistaugliche Regeln, die Umweltbelange berücksichtigen und gleichzeitig Hygiene und Verbraucherschutz zuverlässig sichern“, sagte Berg.