Lebensmittelpreise Obst kostet 5 Prozent mehr – Gemüse wird günstiger

Die Verbraucher in Deutschland mussten 2024 für Obst tiefer in die Tasche greifen. Gemüse wurde dagegen günstiger. Die Branche kämpft mit steigenden Kosten und neuen Vorschriften.

Dienstag, 04. Februar 2025, 10:02 Uhr
Theresa Kalmer (mit dpa)
Jahrelang griffen Konsumenten gerne bei teuren Obstsorten zu. Das hat sich geändert. Auf der Fachmesse Fruit Logistica in Berlin ist die Stimmung nicht nur deshalb angespannt. Bildquelle: Getty Images

Die Verbraucher in Deutschland haben im Jahr 2024 für Obst durchschnittlich 5 Prozent mehr bezahlt als im Vorjahr. Gemüse verbilligte sich dagegen um 3 Prozent, wie aus Daten der Agrarmarkt Informationsgesellschaft (AMI) hervorgeht. Die Entwicklung zeigt sich besonders deutlich auf der Fachmesse Fruit Logistica in Berlin, wo sich in dieser Woche bis zu 80.000 Fachleute aus mehr als 140 Ländern treffen.

Die höheren Obstpreise resultierten aus einem eingeschränkten Angebot, teilte AMI-Experte Michael Koch mit. Die Apfelernte fiel kleiner aus als im Vorjahr. Bei Heidelbeeren normalisierte sich das begrenzte Angebot aus Übersee erst in der zweiten Jahreshälfte. Die Verbraucher kauften dennoch etwa 1 Prozent mehr Obst als 2023. Besonders bei teureren Obstsorten wie Beeren zeigten sich die Konsumenten allerdings zurückhaltend.

Die günstigeren Gemüsepreise führt Koch auf die Normalisierung der Preise bei stark nachgefragten Sorten wie Zwiebeln und Karotten zurück. Im Jahr 2023 hatten diese Produkte ein besonders hohes Preisniveau erreicht. Die Verbraucher reagierten auf die niedrigeren Preise mit höheren Einkaufsmengen. Der Gemüseabsatz stieg 2024 um 2 Prozent. „Wir hatten in den Jahren zuvor einen wahren Boom, was höherwertige Produkte angeht“, sagte Andreas Brügger, Geschäftsführer des Deutschen Fruchthandelsverbands. „Bei hochwertigen Tomaten oder Beerenfrüchten für zehn Euro das Kilo, da gehen viele nicht mehr mit.“

Fruchthandelsverband beklagt Bürokratie

Die Stimmung in der Branche ist angespannt. Die Erzeuger leiden unter hohen Kosten für Mitarbeiter, Energie, Pflanzenschutzmittel und Treibstoff, wie Brügger mitteilte. Der Verband kritisiert zudem die zunehmende Bürokratie. Dazu gehören etwa neue Kennzeichnungspflichten für die Herkunft von Obst und Gemüse. Selbst bei Mischsalaten müsse künftig das Herkunftsland aller Zutaten angegeben werden. Bei Änderungen der Herkunftsländer einzelner Komponenten würden dann neue Verpackungen nötig.

Weitere Sorgen bereitet der Branche das geplante Verbot von Kunststoffverpackungen für Obst und Gemüse ab 2030. Der Verband beklagt, bei der Entscheidung nicht konsultiert worden zu sein. Da jedes Land eigene Ausnahmen erlassen könne, drohe eine Zersplitterung des Binnenmarkts. „Der Kommission ist nicht aufgefallen, dass das Blödsinn ist“, kritisierte Brügger.

Mit der nächsten Regierung müsse sich das wieder ändern. „Wir wollen keine Steuervergünstigungen“, sagte der Verbandschef. Aber: „Es wäre in unserem Sinne, dass sich eine Koalition bildet, die sich wieder mit Wirtschaft befasst und diese nicht als Feind ansieht“, betonte Brügger.

80 Prozent des Obsts kommen aus dem Ausland

Der Regierungswechsel in den USA und die vom neuen Präsidenten Donald Trump angedrohten Zölle beträfen den Obst- und Gemüsehandel in Deutschland nicht direkt. Deutschland ist bei diesen Produkten ein Importland. Rund 80 Prozent des Obsts und etwa 60 Prozent des Gemüses kommen aus dem Ausland.

Allerdings seien die USA ein wichtiger Akteur auf dem Weltmarkt, merkte Brügger an. Durch die Welthandelsorganisation (WTO) gebe es klare Regeln für den Welthandel. Trumps America-First-Deals hätten hingegen etwas von Erpressung. „Das sind Attitüden, die werfen uns um Jahrzehnte zurück.“ 

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