Anzeige

Westfleisch Ermittlungen gegen führende Mitarbeiter

Lebensmittel Praxis | 16. Juni 2020
Westfleisch: Ermittlungen gegen führende Mitarbeiter
Bildquelle: Getty Images/iStockphoto (Symbolbild)

Westfleisch kommt nicht aus den Schlagzeilen. Nach Corona-Infektionen in einem Schlachtbetrieb steht aktuell ein China-Geschäft im Fokus der Behörden. Geld soll am Unternehmen vorbei geflossen sein. Westfleisch dementiert. Geschäftsräume in Deutschland und Dänemark wurden durchsucht.

Anzeige

Die Staatsanwaltschaft Münster ermittelt gegen führende Mitarbeiter der Firma Westfleisch im Zusammenhang mit dem Export von Schweinefleisch nach China. „Wir gehen dem Anfangsverdacht der Untreue nach“, sagte am Dienstag ein Behördensprecher. Beschuldigte seien ein Vorstandsmitglied, ein Aufsichtsrat und ein Vertriebsleiter von Westfleisch sowie ein Verantwortlicher einer an dem Geschäft beteiligten dänischen Firma. Die Ermittler prüfen, ob Gewinne an Westfleisch vorbei geflossen sind.

Ein Westfleisch-Sprecher sagte: „Wir können den Vorwurf nicht nachvollziehen.“ Westfleisch sei „zuversichtlich, den Anfangsverdacht kurzfristig ausräumen zu können“. Dieser Anfangsverdacht beruhe auf einer Anzeige eines ehemaligen Mitarbeiters, der bereits ein Jahr vor dem betroffenen China-Geschäft Westfleisch in Richtung eines Wettbewerbers verlassen habe. Bei dem Geschäft gehe es um den Verkauf von Ware, der über mehrere Monate eine gute stabile Ertragsmarge geboten habe. „Der Abschluss eines Geschäftsvorgangs zu Lasten von Westfleisch ist für uns daher nicht erkennbar.“

Aufgrund des Corona-Geschehens in China sei es zu Verzögerungen gekommen, so dass sich das Geschäft noch in der finalen Abwicklung befinde. Deshalb sei noch keine abschließende wirtschaftliche Gesamtbewertung möglich. Aus kaufmännischer Vorsicht sei eine Einzelwertberichtigung gebildet worden.

Am Dienstag seien Geschäftsräume von Westfleisch in Münster sowie der Firma in Dänemark durchsucht worden, sagte Oberstaatsanwalt Dirk Ollech. Verhaftet worden sei niemand. Die Ermittlungen seien nach einem Hinweis aufgenommen worden. Die „Wirtschaftswoche“ hatte zunächst über die Durchsuchungen berichtet. Auch der WDR ging in seinen Abendsendungen darauf ein.

Westfleisch hatte den Angaben der Staatsanwaltschaft zufolge im vergangenen Jahr einen Vertrag über die Lieferung von 12.000 Tonnen gefrorenem Schweinefleisch abgeschlossen. Damals habe es wegen eines Ausbruchs der Afrikanischen Schweinepest in China einen hohen Bedarf an Fleischimporten gegeben, sagte Ollech. Westfleisch habe das Schweinefleisch aber nicht direkt nach China verkauft, sondern an eine Firmen in Dubai in den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Beim Weiterverkauf nach China seien Westfleisch möglicherweise Gewinne entzogen worden. Um welchen Betrag es sich dabei gehandelt hat, stehe noch nicht fest. Zunächst sei man von einem zweistelligen Millionenbetrag ausgegangen. Der Schaden könne aber auch deutlich darunter liegen, sagte der Sprecher.