Das Bundeskartellamt prüft mögliche Beeinträchtigungen des Wettbewerbs auf dem von einem dramatischen Preisverfall geprägten deutschen Milchmarkt. Die Wettbewerbsbehörde hat den Verdacht, dass die Milchbauern durch die in der Branche üblichen langfristigen und umfassenden Verträge mit den Molkereien in ihrer Wettbewerbsfreiheit eingeschränkt werden und der Markt so gegen neue Molkereien abgeschottet wird.Kartellamtspräsident Andreas Mundt betont: "Unser Verfahren kann nicht die aktuelle Krise am Milchmarkt lösen." Kartellrechtskonforme Lieferbedingungen könnten aber dazu beitragen, dass der Milchmarkt mittelfristig besser funktioniere.
In einem Pilotverfahren will die Wettbewerbsbehörde zunächst die Lieferbedingungen der norddeutschen Großmolkerei DMK Deutsches Milchkontor GmbH sowie ihrer Muttergesellschaft Deutsches Milchkontor eG untersuchen. In dem Verwaltungsverfahren kann die Behörde keine Bußgelder verhängen, doch kann sie Vorgaben für die Gestaltung von Verträgen machen.
Mundt betonte, der Wegfall der staatlichen Mengensteuerung über die Milchquote im vergangenen Jahr habe bislang kaum Auswirkungen auf die Verträge zwischen den Erzeugern und den Molkereien gehabt. Nach wie vor seien langfristige Verträge die Regel. Sie verpflichteten die Erzeuger, ihre gesamte Produktionsmenge vollständig an "ihre" Molkerei zu liefern. Hinzu kämen Referenzpreissysteme die dazu führten, dass die Preisänderung einer Molkerei umgehend entsprechende Preisänderungen bei anderen Molkereien nach sich zögen.
Hierdurch werde möglicherweise der Wettbewerb der Molkereien um die Rohmilch einschränkt und eine wirksame Mengensteuerung über den Markt behindert. "Das ginge zu Lasten der Landwirte", meinte Mundt. Die Milchproduzenten leiden seit Monaten unter Niedrigpreisen. Als Ursache gilt das Überangebot auf dem europäischen Milchmarkt.
Bundeskartellamt Milchindustrie im Visier
Wettbewerbshüter prüfen den Verdacht, dass die langfristigen Verträge zwischen Milchbauern und Molkereien den Wettbewerb einschränken und den Markt abschotten. Der Verlierer wären die Bauern, meint der Kartellamtspräsident.
Das könnte Sie auch interessieren
Supermarkt des Jahres 2026
LP international - Nachrichten
-
FrankreichLact'Union erhält Darlehen von der Europäischen InvestitionsbankDie französische Molkereigenossenschaft Lact'Union modernisiert mit einem Darlehen der Europäischen Investitionsbank (EIB) über 50 Millionen Euro ihre Werke in Nordfrankreich. Das berichtet das „European Supermarket Magazine“.
-
Neue Zoll-AppLidl testet den digitalen AusfuhrkassenzettelSchweizer Kunden können ihre Einkäufe bei Lidl künftig digital ausführen – ohne Stempel an der Grenze. Der Discounter nimmt als erster Lebensmittelhändler an der Pilotphase einer neuen Zoll-App teil. Die Mehrwertsteuer, die Schweizer Kunden sich erstatten lassen können, wird direkt mit dem nächsten Einkauf verrechnet.
-
GetränkeindustrieCapri Sun baut Werk in Polen für 70 Millionen EuroDer Schweizer Getränkehersteller Capri Sun investiert mehr als 70 Millionen Euro in ein neues Werk im polnischen Stargard. Bis Ende 2027 sollen dort 120 Arbeitsplätze entstehen. Das Werk erweitert die Kapazitäten in Europa. Außerdem verkürzt es die Lieferzeiten nach Mittel- und Osteuropa sowie in die nordischen Länder.
Viel gelesen in Hersteller
-
Schweizer KäseAlpenflair in Hannover – wie Ruwisch und Zuck Thekenpersonal in einer Käsewelt schult -
So entsteht...Wie Südtiroler Speck Schritt für Schritt seinen typischen Geschmack bekommt -
So entsteht...Rund 100 Qualitätskontrollen bis ins Regal – der aufwendige Herstellungsprozess einer Gesichtscreme -
Salzige und herzhafte SnacksNüsse im Proteinboom – wo Vollsortimenter noch Potenzial verschenken
Im Heft
Hersteller
-
Interview mit Mintel-Analystin„Texturwechsel haben großes Marktpotenzial“ – welche internationalen Nusstrends nach Deutschland kommen -
Salzige und herzhafte SnacksNüsse im Proteinboom – wo Vollsortimenter noch Potenzial verschenken -
So entsteht...Rund 100 Qualitätskontrollen bis ins Regal – der aufwendige Herstellungsprozess einer Gesichtscreme -
So entsteht...Wie Südtiroler Speck Schritt für Schritt seinen typischen Geschmack bekommt -
Schweizer KäseAlpenflair in Hannover – wie Ruwisch und Zuck Thekenpersonal in einer Käsewelt schult -
Fahrt mit...Wie Mövenpick-Chef Jürgen Herrmann den Deutschen Lust auf Premium macht
Warenkunde
-
ProduktwissenVon Golden bis Very Dark – wie der Erntezeitpunkt den Geschmack von Ahornsirup prägtKanadas „flüssiges Gold“ macht Pfannkuchen oder Desserts zur Delikatesse. Der aromatische Sirup kann aber mehr als nur Süße.
-
ProduktwissenCrunch ohne Kühlung – wie gefriergetrocknete Früchte neue Platzierungen erobernSo spannend ist Gefriergetrocknetes. Genauer gesagt: gefriergetrocknete Früchte. Sie bieten viel Potenzial im Snack- und Frühstückssortiment. Was die Leichtgewichte noch ausmacht.
Nachhaltigkeit
-
Logistik ohne DieselMars und Rewe elektrifizieren Transportkorridor komplett -
MilchalternativenMünchner Startup macht aus Biertreber ein Milchgetränk -
Plastikmüll-RegulierungVerbotene Einweg-Plastikprodukte weiterhin im Netz erhältlich -
Bau in NeubulachNetto will ersten Supermarkt aus dem 3D-Drucker beziehen
Personalien Hersteller
Im Gespräch - Hersteller
-
Famila-Warenhausleiter im Interview„Traditionelle Angebote sind erfolgreich“ – warum Klassiker zur WM den Unterschied machenOliver Wagner vom Famila-Warenhaus in Neustadt setzt zur Fußball-WM vor allem auf bewährte Sortimente statt teurer Aktionen – und erklärt, warum zu viel Event schnell zum Verlustgeschäft wird.
-
Ritter Sport„Nachhaltigkeit ist ein Marathon, kein Sprint“Mehr Nachhaltigkeit beim Kakao und bei anderen Zutaten ‒ das ist das Ziel der Schokoladenhersteller. Viel wurde bereits erreicht, doch es bleibt noch einiges zu tun. Benno Mauerhan spricht über Nachhaltigkeit, sein erstes Jahr als DACH-Chef und horrende Kakaopreise.