Neue Studie Abnehmspritzen verändern den Lebensmitteleinkauf in Europa

Millionen Europäer nehmen Medikamente wie Ozempic und Wegovy – und kaufen deutlich anders ein als zuvor. Laut einer neuen Yougov-Studie sinken die Mengen bei Chips, Softdrinks und Wein, während Obst, Gemüse und Geflügel zulegen. Die Nutzer der Abnehmmedikamente repräsentieren eine Kaufkraft von rund 70 Milliarden Euro bei Konsumgütern.

Mittwoch, 24. Juni 2026, 09:23 Uhr
Theresa Kalmer
Für 47 Prozent der Europäer ist das Körpergewicht das wichtigste Gesundheitsthema – noch vor Stress und Schlaf. Laut Yougov prägt das zunehmend auch den Einkauf. Bildquelle: Getty Images

GLP-1-Medikamente zum Abnehmen wie Ozempic und Wegovy verändern das Einkaufsverhalten von Millionen Verbrauchern in Europa – mit spürbaren Folgen für den Lebensmittelhandel. Das zeigt eine aktuelle Auswertung von Yougov Shopper, die das Marktforschungsunternehmen unter dem Titel „Who Cares? Who Does? Health Report – GLP-1 Special Edition“ veröffentlicht hat.

Allein in vier Schlüsselmärkten – Italien, den Niederlanden, Deutschland und Polen – nutzen den Daten zufolge derzeit bis zu 3,6 Millionen Haushalte GLP-1-Medikamente. Diese Zahl könnte sich kurzfristig verdoppeln, wenn man Verbraucher einbezieht, die planen, innerhalb der nächsten sechs Monate mit der Einnahme zu beginnen. Die Nutzer dieser Medikamente repräsentieren laut Yougov in Europa eine Kaufkraft von rund 70 Milliarden Euro im Bereich der schnelldrehenden Konsumgüter.

Die Auswirkungen auf den Lebensmittelhandel sind nach den Erhebungen von Yougov bereits messbar. In Deutschland gingen die pro Haushalt gekauften Mengen an Kartoffel-Knabbergebäck bei GLP-1-Nutzern um 25 Prozent zurück, 5 Prozent der Nutzer hörten demnach ganz auf, Chips zu kaufen. In den Niederlanden sanken die Mengen bei fruchtigen Erfrischungsgetränken um 24 Prozent und bei Eistee um 30 Prozent. In Italien gingen Weinkäufe deutlich zurück, während der Wasserkonsum stieg. Insgesamt sanken die gekauften Mengen von GLP-1-Nutzern in den Niederlanden über 169 Kategorien hinweg um 5 Prozent, während die Ausgaben nur um 1 Prozent zurückgingen – ein Hinweis auf eine stärkere Wertorientierung beim Einkauf.

Yougov registriert Trend zu bewussteren Kaufentscheidungen

Gleichzeitig profitieren nach Angaben von Yougov gesundheitsorientierte Kategorien. Italienische Kurzzeitnutzer von GLP-1-Medikamenten steigerten ihre Ausgaben für Obst und Gemüse nach Beginn der Behandlung von 145 Euro auf 165 Euro, während die Gesamtbevölkerung im selben Zeitraum nur vier Euro mehr ausgab. In den Niederlanden stieg das pro Käufer gekaufte Geflügelvolumen innerhalb von sechs Monaten um 12 Prozent auf 4,6 Kilogramm. Nutzer, die GLP-1-Medikamente bereits länger als ein Jahr verwenden, kauften im selben Zeitraum sogar sieben Kilogramm. Auch Nebenwirkungen beeinflussen den Angaben zufolge das Konsumverhalten: 20 Prozent der GLP-1-Nutzer in den untersuchten Ländern berichteten von Verdauungsproblemen. In Deutschland wuchs die Kategorie rezeptfreier Medikamente in den vergangenen sechs Monaten um 13 Prozent.

„Was wir in den Daten sehen, ist nicht allein ein Rückgang der Einkaufsmengen, sondern eine Verschiebung zu bewussteren, funktionsorientierteren Kaufentscheidungen“, sagte Tina Löwe, Senior Consultant bei Yougov, laut der Mitteilung. Für Handel und Hersteller bedeute das: „Produkte, die Genuss und Funktion verbinden, sind kein Widerspruch, sondern bieten attraktive Positionierungen und werden als smarte Lösungen wahrgenommen.“ Laut der Yougov-Erhebung sorgen sich 47 Prozent der Europäer um ihr Körpergewicht – das häufigste Gesundheitsthema noch vor Stress mit 34 Prozent und Schlaf mit 33 Prozent. Bereits 2025 kannten den Angaben zufolge 48 Prozent der europäischen Verbraucher das Medikament Ozempic, in Dänemark lag die Bekanntheit bei 71 Prozent.

Schon vor den aktuellen Daten haben wir die möglichen Folgen der Abnehmspritzen für Handel und Industrie untersucht. Welche Veränderungen Experten erwarten, lesen Sie in unserer Analyse.

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