Tarifverhandlungen HDE warnt vor unrealistischen Verdi-Forderungen

Vor Beginn der neuen Tarifverhandlungen im Handel verlangt die Gewerkschaft Verdi für Beschäftigte Einkommenszuwächse deutlich über der Inflation. Der Handelsverband Deutschland (HDE) warnt hingegen vor unrealistischen Forderungen und sieht keinen Spielraum für Lohnzuwächse.

Freitag, 27. Februar 2026, 10:08 Uhr
Thomas Klaus (mit dpa)
Streiks drohen: Angesichts der deutlich gegensätzlichen Positionen von Verdi und HDE sind Arbeitsniederlegungen etwas, auf das sich die Branche einstellen sollte. Bildquelle: Getty Images

Vertreter der regionalen Tarifkommissionen stimmten sich in dieser Woche in Kassel zur neuen Tarifrunde für den Groß- und Außenhandel sowie den Einzel- und Versandhandel ab. Im April starten die Verhandlungen in den ersten Tarifgebieten. In Hamburg und Nordrhein-Westfalen beginnen die Gespräche am 24. April, in Rheinland-Pfalz am 28. April. 

Kurz vor dem Start in die Tarifverhandlungen prallen die unterschiedlichen Vorstellungen der Arbeitnehmer und Arbeitgeber heftig aufeinander. 

Konkrete Forderungen werden im März genannt

So fordert die Gewerkschaft Verdi für Beschäftigte Einkommenszuwächse deutlich über der Inflation. „Die Arbeitgeber müssen nachbessern“, sagte Bundesvorstandsmitglied Silke Zimmer. „Ein Einkommen, von dem die Beschäftigten leben können, ist dringend geboten.“ Dies sei momentan nicht der Fall. Der Durchschnittsverdienst im Einzelhandel liege deutlich niedriger als in der Gesamtwirtschaft.

Zimmer nannte auf Nachfrage noch keine konkreten Zahlen im Zusammenhang mit den Verdi-Forderungen. Man orientiere sich an Abschlüssen anderer Branchen, sagte sie lediglich. Die Befragung der Beschäftigten läuft nach Angaben der Gewerkschaftsfunktionärin gegenwärtig. Die konkreten Forderungen sollen im März von den Bezirken öffentlich gemacht werden. 

Genth: Druck in der Branche so hoch wie seit Langem nicht

Die Arbeitgeberseite warnte bereits vor Verhandlungsbeginn vor unrealistischen Forderungen und rief die Gewerkschaft zu Augenmaß auf. HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth sieht angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen „dieses Mal keinen Spielraum“. Stefan Genth begründete das unter anderem mit dem Mindestlohn, der viel schneller als Tarifentgelte steige, und den Rekordkrankenstand, der hohe Lohnfortzahlungskosten verursache. Dramatisch sei ebenfalls die gesamte Entwicklung bei den Lohnnebenkosten, die bis 2035 auf rund 50 Prozent ansteigen könnten. 

Der HDE-Hauptgeschäftsführer erläuterte: „Die Umsätze im Einzelhandel steigen nicht in dem Maße wie die Kosten wachsen.“ Der Druck in der Branche sei so hoch wie seit Langem nicht. Genth befürchtet einen weiteren Stellenabbau: „Zu hohe Kosten würden das befeuern.“ Seit 2022 habe die Branche 60.000 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze verloren. 

Verdi: Viele Beschäftigte von Altersarmut bedroht

Verdi-Bundesvorstand Zimmer widersprach. Die wirtschaftliche Lage sei stabil; zahlreiche Betriebe schrieben Gewinne. 2025 seien die Umsätze im Einzelhandel preisbereinigt um 2,7 Prozent gestiegen. Beschäftigte hätten nach Abzug der Fixkosten allerdings so gut wie kein frei verfügbares Geld. Viele seien von Altersarmut bedroht. Löhne seien zudem nicht nur ein Kostenfaktor, sondern kurbelten auch die Konsumstimmung an, sagte Zimmer. 

Vergleichsweise geringe Tarifbindung im Handel

Im Handel arbeiten laut Verdi hierzulande rund 5,2 Millionen Menschen, davon 3,4 Millionen im Einzelhandel. Die vorigen Tarifverhandlungen zogen sich über mehr als ein Jahr hin. Am Ende konnten sich die Beschäftigten im Einzelhandel für 2023 bis 2025 über ein Einkommensplus von insgesamt etwa 14 Prozent freuen. 

Die Tarifbindung in der Branche ist seit Jahren rückläufig und vergleichsweise gering. 2024 waren nach Angaben des Instituts fürArbeitsmarkt- und Berufsforschung 23 Prozent der Beschäftigten im Einzelhandel bei einem tarifgebundenen Arbeitgeber beschäftigt. In der Gesamtwirtschaft lag der Anteil bei 49 Prozent.

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