Widerrede Sind Lebensmittel-Abos ein Zukunftsmodell oder eher ein Renditefresser?

Hintergrund

Lebensmittel-Abos sollen bequem sein, entlasten und Geld sparen. Doch sichern sie wirklich Kundenloyalität – oder werden sie zum Renditefresser?

Donnerstag, 09. April 2026, 07:40 Uhr
Lebensmittel Praxis
Caroline Nichols und Tom Mayer Bildquelle: 3Bears, Mymuesli

„Wer Produkte regelmäßig genießt, möchte sparen.“

Von Caroline Nichols, Gründerin 3Bears.

Caroline Nichols ist Gründerin der Porridge-Marke 3Bears, die sie gemeinsam mit ihrem Mann Tim Nichols aufgebaut hat. Bekannt wurde das Start-up durch einen Auftritt in der TV-Show „Die Höhle der Löwen“. Das Unternehmen vertreibt seine Haferprodukte über den Lebensmitteleinzelhandel sowie den eigenen Onlineshop – seit Februar auch als Abomodell.

Lebensmittel-Abos treffen aktuell den Nerv der Zeit. Viele Menschen wünschen sich in ihrem Alltag mehr Einfachheit und Verlässlichkeit. Gerade beim Frühstück greifen viele Verbraucher gerne zu Produkten, die sie kennen und mögen. Wenn einmal eine Routine gefunden ist, bleiben viele gerne dabei. Ein Abonnement kann genau hier unterstützen, weil Lieblingsprodukte automatisch nach Hause kommen und der Vorrat planbar bleibt.

Bei 3Bears sehen wir das sehr deutlich. Viele unserer Kunden haben mit unseren Haferprodukten ihre feste Frühstücksroutine gefunden, zum Beispiel mit Overnight Oats, Porridge oder Granola. Mit unserem 3Bears Spar-Abo können sie ihre Lieblingssorten flexibel zu einem individuellen Bundle zusammenstellen und regelmäßig geliefert bekommen.

Dabei geht es nicht nur um Bequemlichkeit. Wer Produkte regelmäßig genießt, möchte dabei auch sparen. Genau deshalb bietet unser Spar-Abonnement einen dauerhaften Preisvorteil und maximale Flexibilität beim Liefer-Rhythmus.


„Das Abomodell geht an der Lebensrealität vorbei.“

Von Tom Mayer, CEO Mymuesli

Tom Mayer ist seit Februar 2026 CEO des Müslianbieters My­muesli. Das Unternehmen aus Passau bietet Kunden sein Müsli-Abonnement seit 2017 an, prüft derzeit jedoch intern eine Überarbeitung des Modells.

Wer die Vorratskammer besetzt, bevor der Kunde den Laden betritt, hat gewonnen. So lautet das Versprechen. Die Praxis belehrt uns eines Besseren – auch im eigenen Haus. Unser Abo existiert. Es führt ein Schattendasein. Und das ist kein Zufall, sondern Symptom eines strukturellen Problems: Das klassische Abomodell geht an der Lebensrealität der Kunden vorbei. Konsum ist nicht statisch. Echten Nutzen stiftet ein Abo nur mit exzellenter User Experience und maximaler Flexibilität. Ein technischer Kraftakt, der sich für den Anbieter schnell zum Nullsummenspiel entwickelt: Impulskäufe fallen weg, Upselling-Potenziale bleiben ungenutzt, Rabatte fressen die Marge. Schlimmer noch: Die Marke, die emotional inspirieren soll, verkommt zum transaktionalen Warenbereitsteller. Verschärfte Compliance-Anforderungen und Abmahnrisiken tun ihr Übriges. Das Fazit ist unbequem, aber klar: Wer das Abo halbherzig betreibt, züchtet sich einen Renditefresser. Es bleibt ein scharfes Schwert zur Loyalitätssicherung – aber eben nur dort, wo berechenbare Routinen wirklich existieren. Und die sind im Lebensmittelhandel rarer, als wir uns eingestehen wollen.

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