Die Nachfrage nach Obst und Gemüse in Deutschland erholt sich nur langsam. Der Pro-Kopf-Verbrauch von Obst lag im vergangenen Jahr bei etwa 47 Kilogramm, wie aus Daten der Agrarmarkt-Informationsgesellschaft hervorgeht, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegen. Das war knapp ein Kilogramm mehr als in den drei Jahren zuvor, aber zwei Kilogramm weniger als noch 2021. Bei Gemüse waren es rund 44 Kilogramm pro Kopf. Zum Vergleich: 2024 verzehrten die Deutschen nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums pro Kopf rund 54 Kilogramm Fleisch.
Unklare Gründe für stagnierende Nachfrage
Die Gründe für die stagnierende Nachfrage seien schwer nachzuvollziehen, sagte Andreas Brügger, Geschäftsführer des Deutschen Fruchthandelsverbands, der Deutschen Presse-Agentur. „Es liegt sicherlich mit daran, dass die privaten Haushalte weniger kochen als das früher der Fall war“, vermutete er. An zu hohen Preisen liege die Entwicklung nicht. Verbraucher zahlten im vergangenen Jahr über alle Gemüsesorten hinweg etwa 1 Prozent weniger als im Vorjahr, wie Michael Koch, Bereichsleiter für Gartenbau bei der Agrarmarkt-Informationsgesellschaft, mitteilte. Bei Obst waren es hingegen 2 Prozent mehr.
Brügger: Mehrwertsteuer-Wegfall ohne Effekt
Im Schnitt gaben Verbraucher im vergangenen Jahr pro Woche und Kopf lediglich rund 5,12 Euro für Obst und Gemüse aus, betonte Brügger. „Das sind am Tag 73 Cent“, zitierte die Agentur den Geschäftsführer in der Mitteilung. Überlegungen, etwa über eine Absenkung der Mehrwertsteuer auf Obst und Gemüse die Nachfrage anzukurbeln, hält er für wenig zielführend. Die Mehrwertsteuer liegt derzeit bei 7 Prozent für diese Produkte. Sollte sie ganz wegfallen und der Lebensmitteleinzelhandel diese Vergünstigung vollständig an die Kunden weitergeben, läge die Ersparnis pro Person bei maximal 35 Cent pro Woche. „Dafür kaufen sie doch nicht plötzlich fünf Bananen, wenn sie sonst immer vier kaufen. Das hätte keinen Effekt“, betonte Brügger.
Fruit Logistica startet heute in Berlin
Die Nachfrage dürfte auch Thema auf der Fachmesse Fruit Logistica in Berlin sein. Von Mittwoch bis Freitag werden rund 2.600 Aussteller aus 90 Ländern erwartet. Die Messe für den globalen Fruchthandel öffnet ihre Tore traditionell etwa zwei Wochen nach der Agrarmesse Grüne Woche. Verbraucher können die Veranstaltung allerdings nicht besuchen. Denn sie ist nur dem Branchenpublikum vorbehalten.
Anlässlich des Messestarts forderte Brügger mehr Aufmerksamkeit von der Bundespolitik. Unter Agrarminister Alois Rainer von der CSU habe sich die Kommunikation zwischen Bund und Wirtschaft zwar verbessert. Aber: „Bei dem Minister liegen die Schwerpunkte Heimat und Fleisch im Fokus. Er sollte auch mehr auf frisches Obst und Gemüse schauen.“
Warnung vor Kriminellen in den Häfen
Deutschland importiert rund 80 Prozent des Obstes und 60 Prozent des Gemüses. Der Geschäftsführer sorgt sich deshalb auch um die Sicherheitslage in den Häfen. Insbesondere Bananentransporte würden genutzt, um Kokain aus Lateinamerika ins Land zu schmuggeln. Dabei bedrohten kriminelle Organisationen bei der Einfuhr der illegalen Ware auch in Deutschland Hafenarbeiter, Lastwagenfahrer oder Logistiker. „Wir reden über Milliardenumsätze, die da gemacht werden. Die Menschen haben Angst, zur Arbeit zu gehen. Die Politik muss für mehr Sicherheit sorgen“, sagte Brügger.


