Zahlungsverkehr Verbände fordern gesetzlichen Schutz für Barzahlung

Ein Bündnis aus Verbraucher- und Sozialverbänden verlangen von der Bundesregierung ein Gesetz zum Schutz von Barzahlungen. Geschäfte sollen Bargeld grundsätzlich akzeptieren müssen. Zudem warnen die Organisationen vor einem Teufelskreis: Weniger Geldautomaten führen zu weniger Barzahlungen, was wiederum das Angebot weiter einschränkt.

Donnerstag, 29. Januar 2026, 10:22 Uhr
Theresa Kalmer und Manuel Glasfort (mit dpa)
Mehr Ladenkassen zum Selber-Scannen nur mit Karte, weniger Geldautomaten der Banken: Verbrauchervertreter warnen vor größeren Schwierigkeiten, problemlos bar zu bezahlen – und mahnen zum Gegensteuern. Bildquelle: Getty Images

Mehr als ein Dutzend Verbraucher- und Sozialverbände verlangen von der Bundesregierung ein Gesetz zum Schutz von Barzahlungen. 14 Organisationen fordern in einem gemeinsamen Appell Regeln, die sicherstellen, dass Geschäfte Bargeld grundsätzlich als Zahlungsmittel akzeptieren. Zudem sollen alle Menschen kostenfrei und barrierefrei in angemessener Nähe Zugang zu Bargeld erhalten – über Geldautomaten oder andere Lösungen.

Hinter dem Aufruf stehen unter anderem der Verbraucherzentrale Bundesverband, der Paritätische Gesamtverband, der Sozialverband VdK, die Arbeiterwohlfahrt sowie die Diakonie und Caritas. Auch das Deutsche Kinderhilfswerk, die Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen sowie Verbände der Schaustellerbranche und das Bäckerhandwerk haben den Appell unterzeichnet.

Die Verbände warnen, dass Verbraucher zunehmend Schwierigkeiten haben, bar zu bezahlen. An Selbstbedienungskassen sei oft nur die Kartenzahlung möglich. Gleichzeitig werde das Abheben und Einzahlen von Bargeld immer aufwendiger. „Unser Ziel ist, dass alle Menschen in Deutschland wählen können, wie sie bezahlen möchten – digital oder bar. Niemand soll ausgeschlossen werden, weil er oder sie bar zahlen möchte oder muss“, heißt es in dem Aufruf.

Die Zahl der Geldautomaten ist in Deutschland seit mehreren Jahren rückläufig. Zuletzt wurden gut 50.000 Automaten gezählt, deutlich weniger als die rund 59.000 Automaten im Jahr 2016 und etwa so viele wie zu Beginn des Jahrtausends. Allerdings bieten immer mehr Supermärkte und andere Einzelhändler ihren Kunden das Abheben von Bargeld an der Ladenkasse an. Und die Verbraucher machen von diesem Angebot zunehmend Gebrauch. Das ausgezahlte Bargeldvolumen hat sich nach Zahlen des EHI Retail Instituts in den vergangenen Jahren vervielfacht.

Handel beklagt steigende Kosten

Das Verbändebündnis ficht das nicht an. Die Zahl der Geldautomaten sinke, während Auszahlungen in Geschäften weder flächendeckend noch überall kostenfrei möglich seien. Weniger Zugangsmöglichkeiten zu Bargeld erhöhten die Hürden fürs Barzahlen, was zu sinkender Nutzung führe und wiederum das Angebot weiter einschränke. Für Handel und Handwerk stiegen die Kosten fürs Annehmen von Bargeld und für Wechselgeld. 

Die Verbände betonen die Bedeutung der Barzahlung für Menschen in prekären Lebenslagen, Kinder und Jugendliche. Diese Zahlungsform funktioniere unabhängig von einem Bankkonto und Zugang zum Internet. Aktivitäten von Vereinen, Kirchengemeinden, Schulen und anderen ehrenamtlichen Initiativen wie Kuchenbasare, Spendenaktionen oder Feste seien häufig nur mit Bargeld praktikabel. Der Handelsverband Deutschland hatte kürzlich erläutert, dass Geschäfte trotz wachsender Anteile von Selbstbedienungskassen weiterhin fast ausnahmslos Möglichkeiten zur Barzahlung anbieten. Die Handhabung werde für die Branche aber teurer und aufwendiger – wegen steigender Bearbeitungskosten, Filialschließungen und einer Konzentration auf unbare Zahlarten bei Banken.

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