Tierwohl-Label Bundestag verschiebt staatliche Fleisch-Kennzeichnung auf 2027

Der Start der Pflicht-Kennzeichnung für Schweinefleisch verzögert sich um zehn Monate auf Januar 2027. Die private Haltungsform-Kennzeichnung des Handels baut damit ihren Vorsprung aus. Bei Schweinefleisch stammen bereits 86,3 Prozent aus Stufe 2; bei Geflügel gibt es praktisch keine Ware der untersten Stufe mehr.

Freitag, 16. Januar 2026, 09:19 Uhr
Theresa Kalmer (mit dpa)
Beim Schnitzel aus dem Supermarkt können Kunden häufig schon erkennen, wie gut die Tiere einmal lebten. Eine Kennzeichnung des Handels baut ihren Vorsprung in den Kühltheken aus. Bildquelle: Getty Images

Der Start der staatlichen Pflicht-Kennzeichnung für Schweinefleisch wird um zehn Monate auf den 1. Januar 2027 verschoben. Das hat der Bundestag beschlossen. Union und SPD wollen das System bis dahin nachbessern sowie Mitte 2027 auch auf Restaurants und Kantinen ausweiten. Der ursprünglich für den 1. März 2026 geplante Start war bereits eine Verschiebung.

Immer weniger Rindfleisch aus unterster Stufe

Die private Haltungsform-Kennzeichnung des Handels baut damit ihren Vorsprung aus. Die seit 2019 bestehende freiwillige Kennzeichnung der Supermarktketten gilt für Fleisch und verarbeitete Produkte von Rind, Schwein und Geflügel. Nach einer Angleichung an das künftige staatliche Logo zeigt sie auf den Etiketten in fünf Stufen mit den Zahlen 1 bis 5 wachsende Anforderungen an die Haltung - von der Stufe „Stall“ mit den gesetzlichen Mindestanforderungen bis zu „Bio“.

Bei Rindfleisch aus dem Selbstbedienungsregal kamen nach Angaben der Trägergesellschaft zur Agrarmesse Grüne Woche im Jahr 2024 noch 62,4 Prozent aus der untersten Stufe 1 – nach 75,6 Prozent im Jahr zuvor. Zugleich legte die Stufe 3 mit mehr Platz und weiteren höheren Anforderungen von 5,6 auf 16,7 Prozent zu.

Praktisch kein Geflügelfleisch der untersten Stufe mehr

Bei Schweinefleisch stammt der Großteil aus Stufe 2 mit 86,3 Prozent. Der zuletzt geschrumpfte Anteil der Stufe 1 wuchs aber von 1,5 auf 3,7 Prozent. Hintergrund seien Marktschwankungen, die durch Änderungen bei Haltungsvorgaben etwas verstärkt worden seien, teilte die Trägergesellschaft mit.

In den Selbstbedienungsregalen gibt es den Angaben zufolge praktisch kein Geflügelfleisch der untersten Stufe 1 mehr. Es dominiert Stufe 2 mit 88,6 Prozent bei Hähnchen und 78,0 Prozent bei Putenfleisch, bei dem der Anteil der Stufe 3 von 5,3 Prozent auf 18,6 Prozent zulegte.

Initiative Tierwohl plant neue Programme für höhere Stufen

Die von Landwirtschaft, Fleischwirtschaft, Handel und Firmen der Gastronomie getragene Initiative Tierwohl kündigte für 2026 zwei neue Programme mit Preisaufschlägen für zusätzliche Tierwohlanforderungen der Stufen 3 und 4 an. Am jetzigen Programm für Stufe 2 nehmen rund 13.000 Betriebe teil. Abgedeckt werden damit nach Angaben der Initiative bei Rindern 20 Prozent des Marktes, bei Schweinen 60 Prozent und bei Geflügel 90 Prozent.

Union und SPD wollen das staatliche System bis zum Start deutlich nachbessern. Regeln wollen die Parteien, dass die Kennzeichnungspflicht nicht nur für inländische Ware gilt, sondern auch für importierte. Wegen europarechtlicher Zweifel wurde darauf bisher verzichtet.

Rainer will ausufernde Bürokratie vermeiden

Bundesagrarminister Alois Rainer dringt auf unkomplizierte Lösungen. „Eine Ausweitung darf nicht zu ausufernder Bürokratie für die Gastronomie führen“, zitierte die Deutsche Presse-Agentur den Minister. „Viele kleine Logos in Speisekarten bei allen Gerichten - das ist nicht praktikabel.“

Die Tierschutzorganisation Vier Pfoten warnte, bei den Nachbesserungen die „ohnehin mangelhafte Kennzeichnung weiter auszuhöhlen“. Der Deutsche Tierschutzbund monierte, das Logo bilde anhand weniger grober Eckwerte nur den Status quo der Haltung ab.

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