Der Edeka-Händler Feneberg hat beim Amtsgericht Kempten eine Insolvenz im Schutzschirmverfahren beantragt. Eine Sprecherin des Gerichts bestätigte entsprechende Berichte auf Anfrage der Lebensmittel Praxis. Das Unternehmen beschäftigt rund 3000 Mitarbeiter und betreibt dutzende Filialen im Allgäu, in Oberschwaben, Schwaben und der Bodensee-Region, unter anderem in Ulm, Ravensburg und Memmingen. Das Verfahren soll eine umfassende wirtschaftliche und strukturelle Neuaufstellung ermöglichen, heißt es in einer Unternehmensmitteilung, aus der die „Südwest Presse“ zitiert.
Feneberg reagiert nach eigenen Angaben auf eine seit Längerem angespannte wirtschaftliche Situation. Zu den wesentlichen Belastungsfaktoren zählen den Angaben zufolge Verluste, hohe Pensionsverpflichtungen, strukturelle Defizite im Filialnetz sowie die Folgewirkungen der Insolvenz der früheren Tochtergesellschaft Allgäu Fresh Foods.
Im Mittelpunkt der Sanierung steht eine Überprüfung und Neuordnung des Filialnetzes. Dauerhaft unwirtschaftliche Standorte werden kritisch bewertet, wie das Unternehmen mitteilte. Neben möglichen Schließungen prüft Feneberg auch rechtliche und wirtschaftliche Übertragungen einzelner Filialen oder Filialgruppen auf einen oder mehrere Investoren. Ziel sei es, möglichst viele Standorte in geeigneter Struktur fortzuführen.
Feneberg führt Geschäftsbetrieb während Sanierung fort
Das operative Kerngeschäft im Lebensmitteleinzelhandel läuft während des Verfahrens uneingeschränkt weiter. Die Versorgung der Kunden in den Märkten ist sichergestellt, ebenso sind die Lohnzahlungen der Mitarbeiter gesichert und der Geschäftsbetrieb für die geplante Sanierung durchfinanziert, erläuterte laut Bericht der „Südwest Presse“ Jochen Sedlitz von der Kanzlei Grub Brugger, die das Unternehmen im Rahmen des Schutzschirmverfahrens berät.
Die operative Sanierung verantwortet Stephan Leibold als Sanierungsgeschäftsführer, der die Geschäftsführung gemeinsam mit Amelie Feneberg wahrnimmt. Zum vorläufigen Sachwalter hat das Gericht Martin Hörmann von der Kanzlei Anchor bestellt. „Wir wollen Feneberg wirtschaftlich stabilisieren, möglichst viele Filialen und Arbeitsplätze erhalten und damit eine tragfähige Perspektive für die Zukunft schaffen“, zitierte das Unternehmen Frank Schäffler, Partner der Kanzlei Grub Brugger, in der Mitteilung.
Die Sanierung erfolge auf Basis eines bereits erarbeiteten Maßnahmenkatalogs. Darüber hinaus werde ein Investorenprozess durchgeführt, um ergänzende Finanzierungslösungen und strategische Optionen zu prüfen.
