Widerrede Erbschaftsteuer-Reform der SPD - Chance oder Gefahr?

Hintergrund

Die SPD will die Erbschaftsteuer reformieren, auch für Betriebserben. Ist das eine Gefahr für Unternehmen oder eine Chance für den Standort Deutschland?

Freitag, 20. Februar 2026, 07:40 Uhr
Lebensmittel Praxis
Tim Klüssendorf (SPD) und Stefan Genth (HDE) Bildquelle: SPD, HDE

„Ein gerechter Vorschlag, der Sicherheit bietet“

Von Tim Klüssendorf, SPD

Tim Klüssendorf (SPD) ist seit 2021 direkt gewählter Bundestagsabgeordneter aus Lübeck. Der Volks- und Betriebswirt ist seit 2025 SPD-Generalsekretär.

Die aktuelle Erbschaftsteuer ist ungerecht und kompliziert. Mittlere Erbschaften werden höher besteuert als Milliardenerbschaften – das widerspricht jeglicher Logik und gehört reformiert. Mit dem SPD-Erbschaftsteuerkonzept machen wir einen einfachen und gerechten Vorschlag, der Sicherheit für Unternehmen bietet: Betriebe bis fünf Millionen Euro können steuerfrei vererbt werden – das heißt: Bürokratieentlastung und keine Erbschaftsteuer für 85 Prozent aller Betriebe. Für darüber liegende Werte fällt eine progressive Steuer an.

Die Verschonungsbedarfsprüfung für sehr große Vermögen, mit der Erben sich künstlich arm rechnen und trotz Milliardenerbschaft gänzlich steuerfrei bleiben, streichen wir. Um Arbeitsplätze zu sichern und damit Unternehmensnachfolger liquide bleiben, sehen wir eine massive Ausweitung der Steuer-Stundungsmöglichkeit auf 20 Jahre vor. Wir wollen nicht Betriebe belasten, sondern Gerechtigkeit herstellen: Wer sehr große Vermögen erbt, muss über eine faire Erbschaftsteuer seinen Beitrag zur Finanzierung von Bildung, Chancengleichheit und Zusammenhalt leisten. So stärken wir den Standort und sorgen dafür, dass Leistung und nicht der Zufall der Geburt zählt.


„Vielen kleinen Unternehmen droht das Aus“

Von Stefan Genth, HDE

Stefan Genth ist seit Juli 2007 Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Deutschland (HDE), der Spitzenorganisation des deutschen Einzelhandels.

Der politische Streit um die Erbschaftsteuer trifft die Unternehmen zur Unzeit. In diesen wirtschaftlich schwierigen Zeiten sind Debatten um Steuererhöhungen ein fatales Signal. Stattdessen muss es gerade jetzt vor allem darum gehen, unseren Standort zu stärken und die Wirtschaft anzukurbeln. Was es dringend braucht, sind Entlastungen für Bürger und Unternehmen. Der HDE lehnt die von der SPD vorgeschlagene Reform der Erbschaftsteuer daher ganz entschieden ab. Steigt die Erbschaftsteuer, geht das auf Kosten der Investitionen und damit auf Kosten der Zukunft gesamter Unternehmen. Denn im Einzelhandel ist Privatvermögen oftmals auch Unternehmensvermögen, das in die Zukunfts- und Wettbewerbsfähigkeit des eigenen Betriebes fließt. So muss der Handel etwa in Digitalisierungsmaßnahmen investieren, um gegen die mächtige Online-Konkurrenz aus Asien bestehen zu können. Es kann nicht sein, dass Händler ihrem Unternehmen Kapital entziehen oder Unternehmensteile verkaufen müssen, nur um die Erbschaftssteuer und den Generationenwechsel bezahlen zu können. Bei vielen kleinen und mittleren Handelsunternehmen ist zu Recht die Sorge groß, dass ihnen mit dem Steuererhöhungsvorhaben das Aus droht.