Die Politik diskutiert über eine mögliche Pflicht zur festen Anstellung von Lieferdienst-Fahrern. Mit diesem Thema befasst sich eine Konferenz der Arbeits- und Sozialminister der Länder Ende November in München. Hintergrund ist eine neue Richtlinie der Europäischen Union, die bis Dezember 2026 in nationales Recht umgesetzt werden muss und die Beschäftigung von selbstständigen Fahrern stärker reglementiert. Ein pauschales Direktanstellungsgebot wird in der Bundesrepublik ebenfalls politisch debattiert und zum Beispiel von den Ländern Niedersachsen, Berlin und Hamburg befürwortet.
Aufschlussreicher Blick in andere Länder
Knuspr-DACH-Chef Olin Novák lehnt entsprechende Verpflichtungen ab. Der Manager des Online-Supermarkts meint: „Zu glauben, dass ein verpflichtendes Direktanstellungsgebot die Herausforderungen rund um Arbeitsbedingungen im Online-Lebensmittelhandel automatisch lösen würde, greift zu kurz.“ Das eigentliche Problem liege in einem überholten Arbeitszeitmodell und arbeitsrechtlichen Rahmenbedingungen, die „längst nicht mehr der Realität moderner, flexibler Arbeitswelten“ entsprächen.
Aus Sicht von Knuspr sollte der Fokus weniger auf einem pauschalen Direktanstellungsgebot liegen, sondern vielmehr auf einer Modernisierung des deutschen Arbeitsrechts – insbesondere bei Arbeitszeitregelungen und der rechtssicheren Gestaltung flexibler Beschäftigungsformen. Ein Blick in andere europäische Länder zeigt nach Auffassung von Novák, „dass sich dort wirtschaftliche Effizienz und soziale Verantwortung deutlich besser miteinander vereinbaren lassen“.
Faire Arbeitsbedingungen von den Partnern verlangt
Seit Februar dieses Jahres setzt Knuspr bei der Anstellung seiner Fahrer in Deutschland vollständig auf ein Delivery-Service-Partner-Modell (DSP). Das bedeutet, dass die Fahrer komplett über ein Netzwerk verschiedener Subunternehmer zusammengestellt werden.
Novák erläutert: „Dieses Modell erlaubt es uns, flexibel auf Nachfrageschwankungen zu reagieren und Fahrer-Einsätze bedarfsgerecht zu planen. Gerade in Hochzeiten wie am Wochenende, an Feiertagen oder während Aktionszeiträumen können wir so schnell und flexibel mehr Fahrer einsetzen, während wir in schwächeren Zeiten unsere Kapazitäten in der Auslieferung einfacher anpassen können.“
Knuspr fordert dem Chef zufolge von den DSPs, dass sie faire Arbeitsbedingungen und eine wettbewerbsfähige Vergütung gewährleisten, „um die besten Fahrer für unseren Service zu gewinnen und zu halten“. Zudem verlange Knuspr, Trinkgelder müssten zu 100 Prozent und ohne Abzüge direkt an die Fahrer weitergegeben.
Direktanstellung funktionierte bei Knuspr nicht
Es werde ausschließlich mit etablierten Partnerunternehmen kooperiert, deren Fahrer fest angestellt seien und die die hohen Knuspr-Standards in Bezug auf faire Arbeitsbedingungen, Vergütung und Compliance einhalten könnten.
Knuspr habe über einen längeren Zeitraum ein vollständig direktes Beschäftigungsmodell betrieben. In der Praxis habe sich jedoch gezeigt, dass die derzeitigen gesetzlichen Vorgaben „ein solches Modell unter den bestehenden Rahmenbedingungen wirtschaftlich kaum tragbar“ machten. Die stark schwankenden Bestellvolumina führten zudem dazu, dass den direkt angestellten Fahrern häufig keine durchgehenden Ganztagesschichten oder eine gleichbleibende Arbeitsauslastung angeboten werden konnten.
Kürzere Schichten für viele Fahrer unatttraktiv
Novák führt aus: Zwar wären kürzere Schichten arbeitsrechtlich grundsätzlich möglich gewesen, hätten sich jedoch in der Praxis für viele Fahrer als wenig attraktiv und organisatorisch schwer planbar herausgestellt.
Der Knuspr-Chef betont: „DSPs oder Agenturen haben rechtlich und praktisch mehr Flexibilität, was eine effizientere Einsatzplanung und höhere Leistungsorientierung ermöglicht. Für Unternehmen mit direkt angestellten Fahrern sind die aktuellen arbeitsrechtlichen Rahmenbedingungen dagegen deutlich restriktiver und führen zu erheblichen organisatorischen, rechtlichen und wirtschaftlichen Einschränkungen.“
