Arbeitsmarkt Handelsverband warnt vor Abschaffung von Minijobs

Eine Gruppe von Unionspolitikern will Minijobs abschaffen. Der Handelsverband Deutschland warnt vor drastischen Folgen für den Einzelhandel. 800.000 Minijobber federn dort Stoßzeiten ab.

Mittwoch, 12. November 2025, 10:27 Uhr
Manuel Glasfort
Im Einzelhandel helfen Minijobber dabei, Stoßzeiten abzufedern. Bildquelle: Getty Images

Der Handelsverband Deutschland wehrt sich gegen Pläne von Unionspolitikern, Minijobs abzuschaffen. Der Vorsitzende der Arbeitnehmergruppe in der Unionsfraktion, Stefan Nacke, hatte sich in der „Süddeutschen Zeitung“ dafür ausgesprochen, Minijobs zu streichen, wo sie reguläre Arbeit verdrängen. „Zu viele Menschen stecken in der Minijob-Falle – das dürfen wir nicht länger hinnehmen“, zitierte die Zeitung den Politiker.

Der Handelsverband warnt vor den Folgen einer solchen Abschaffung für den Einzelhandel. Hauptgeschäftsführer Stefan Genth nannte den Vorstoß „in der schwierigen wirtschaftlichen Lage absolut kontraproduktiv“, wie der Verband mitteilte. Im Einzelhandel arbeiten derzeit mehr als 3,1 Millionen Menschen, darunter rund 800.000 Minijobber. Diese seien essenziell, um die branchenspezifischen Stoßzeiten mittags und abends abzufedern.

Wenn dieses Arbeitskräftepotential schlagartig wegfiele, wäre das nicht zu kompensieren, warnte Genth. Im schlimmsten Fall könnte der Einzelhandel nicht mehr den gewohnten Service zu allen Zeiten und flächendeckend in Deutschland bieten. Zudem klafft im Einzelhandel eine Fachkräftelücke von 122.000 offenen Stellen, die nicht besetzt werden können.

Nacke kritisiert Prinzip als unsozial

Für Minijobs gilt eine Verdienstobergrenze von derzeit 556 Euro im Monat. Wer weniger verdient, zahlt keine Arbeitslosenversicherung und kann sich von der Rentenversicherung befreien lassen. Arbeitgeber zahlen nur geringe pauschale Beiträge und Steuern. Nacke kritisierte, das Prinzip „brutto gleich netto“ bei Minijobs sei im Kern unsozial. Es verlagere die Kosten der Absicherung von Krankheit, Alter und Arbeitslosigkeit auf die Allgemeinheit.

Der Handelsverband betonte, Minijobs seien bei vielen Beschäftigten sehr beliebt und würden zumeist gezielt angefragt, oft wegen der individuellen Lebensumstände oder wegen des Prinzips „brutto gleich netto“. Ganz häufig seien dies Studenten, Schüler und Rentner, deren Hinzuverdienst dann auch wegfallen würde, argumentiert der HDE. Allerdings hatte CDU-Politiker Nacke sich im Gespräch mit der „Süddeutschen Zeitung“ dafür ausgesprochen, Rentner und Studenten von der Abschaffung von Minijobs auszunehmen.

Zustimmung für seinen Vorstoß erhielt Nacke von Gewerkschaftsseite: Verdi-Chef Frank Werneke begrüßte die Idee. „Minijobs verdrängen gute, sozial abgesicherte Arbeit“, sagte der Chef der Dienstleistungsgewerkschaft „Sie sind erwiesenermaßen kein Sprungbrett in den regulären Arbeitsmarkt, sondern eine berufliche Sackgasse für viele, besonders für Frauen. Sie bieten keine soziale Sicherheit, verhindern Aufstiegschancen und befördern stattdessen Altersarmut. Es wird Zeit, sich von diesem Modell zu trennen: Minijobs gehören abgeschafft.“

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