Selfcheckout boomt Schon jede 18. Kasse im Handel läuft ohne Personal

Die Zahl der Selbstbedienungskassen im deutschen Einzelhandel steigt rasant auf zuletzt knapp 39.000 Geräte. Das zeigt eine aktuelle Studie des Handelsforschungsinstituts EHI. Sie bestätigt jedoch auch: An den SB-Kassen wird häufiger gestohlen. 

Mittwoch, 05. November 2025, 10:32 Uhr
Theresa Kalmer (mit dpa)
Die Zahl der Selbstbedienungskassen wächst rasant. Viele Kunden nutzen sie, andere bleiben skeptisch. Werden klassische Kassen eines Tages verschwinden? Bildquelle: Getty Images

Die Zahl der Selbstbedienungskassen im deutschen Einzelhandel wächst rasant. 2025 gibt es in deutschen Geschäften etwa 38.650 Selbstbedienungskassen, wie eine aktuelle Studie des Handelsforschungsinstituts EHI zeigt. Für die Analyse befragte das EHI mehr als 100 Unternehmen und Unternehmensgruppen, darunter alle großen.

Von den rund 710.000 Kassen im deutschen Einzelhandel ist damit inzwischen jede 18. eine Selbstbedienungskasse. Zwei Drittel der Geräte stehen im Lebensmittelhandel. Über 10.300 Läden hierzulande verfügen inzwischen über SB-Kassen – mehr als doppelt so viele wie 2023. 

Zwei Drittel nutzen SB-Kassen bereits

Laut einer Yougov-Umfrage im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur nutzen knapp zwei Drittel der Menschen in Deutschland SB-Kassen – 19 Prozent immer, wenn sie können, 43 Prozent manchmal. 24 Prozent wollen sie gar nicht verwenden, 13 Prozent haben sie noch nie ausprobiert, können es sich aber vorstellen. Befragt wurden über 2.000 Erwachsene zwischen dem 29. und 31. Oktober. „Bei Kunden gibt es eine sehr hohe Akzeptanz. Der Anteil derer, die SB-Kassen nutzen, nimmt zu“, sagte der EHI-Experte Frank Horst.

Jeder Zweite, der noch nie an einer SB-Kasse gescannt hat, bevorzugt der Umfrage zufolge persönlichen Kontakt an der Kasse. 42 Prozent zahlen lieber bar, was nicht an allen SB-Kassen möglich ist. Knapp jedem Dritten ist es zu viel Arbeit und unkomfortabel. Etwa jeder Vierte empfindet den Vorgang als zu kompliziert und fürchtet, dabei Fehler zu machen. Bei der Frage nach den Gründen waren mehrere Antworten möglich.

Experte: Durch SB-Kassen entfallen keine Arbeitsplätze

Vor allem der Personalmangel treibt den Ausbau voran. Die Einführung von SB-Kassen entlaste die Mitarbeiter und mache die Personalplanung flexibler, sagte Horst. „Durch SB-Kassen fallen keine Arbeitsplätze weg. Wenn der Handel ausreichend Personal finden würde, gäbe es nicht so einen großen Boom bei SB-Kassen“, behauptete der Experte.

Die Baumarktkette Obi hat nach eigenen Angaben bereits die meisten ihrer Märkte mit SB-Kassen ausgestattet. Lidl will bis zum Frühjahr jede zweite Filiale ausrüsten. Der Discounter hatte erst 2023 und damit verhältnismäßig spät damit begonnen, die Kassen einzuführen. Der Einrichtungskonzern Ikea nutzt bereits seit 2008 SB-Kassen. In den Filialen in Düsseldorf und Ludwigsburg gibt es sogar gar keine klassischen, bedienten Kassen mehr.

Rückbau der Kassen wird es nicht geben

An SB-Kassen wird häufiger gestohlen, lautet eine EHI-Erkenntnis. Mit der zunehmenden Verbreitung und Nutzung steige das Diebstahlrisiko, sagte Horst.

Die Händler nutzen technische Hilfsmittel, um die Gefahr zu senken – wie Ausgangsschleusen und Kameraüberwachung. Dabei kommt auch Software mit künstlicher Intelligenz zum Einsatz, die bei verdächtigem Kundenverhalten Alarm meldet.

Die Zahl der Ladendiebstähle im Einzelhandel ist in den vergangenen Jahren gestiegen. Laut Horst liegt das jedoch nicht nur an SB-Kassen. Deren Anteil an allen Kassen sei noch zu gering. „Wir sehen keinen signifikanten Einfluss von Selbstbedienungskassen auf die Diebstahlquote“, widersprach Rewe.

Experte Horst ist sich sicher: Einen Rückbau der Selbstbedienungskassen werde es wohl nicht mehr geben.

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