Auszubildende für die Berufe des Verkäufers und des Kaufmanns/Kauffrau im Einzelhandel bewerten ihre Lehre überdurchschnittlich schlecht. Das zeigt der Ausbildungsreport der Jugend des Deutschen Gewerkschaftsbundes.Für den Ausbildungsreport 2025 wurden insgesamt 9.090 Auszubildende in den laut Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) 25 meistfrequentierten Ausbildungsberufen des Jahres 2023 befragt.
25 Ausbildungsberufe im Mittelpunkt
Diese Berufe sind:
- Industriemechaniker
- Fachinformatiker
- Verwaltungsfachangestellter
- Mechatroniker
- Steuerfachangestellter
- Elektroniker für Betriebstechnik
- Bankkaufmann
- Industriekaufmann
- Kaufmann für Büromanagement
- Kaufmann im Groß- und Außenhandel
- Tischler
- Fachkraft für Lagerlogistik
- Fachlagerist
- Elektroniker
- Anlagenmechaniker
- Medizinischer Fachangestellter
- Kaufmann im Einzelhandel
- KFZ-Mechatroniker
- Maler und Lackierer
- Automobilkaufmann
- Hotelfachmann
- Verkäufer
- Koch
- Zahnmedizinischer Fachangestellter
- Friseur
Angehende Industriemechaniker am zufriedensten
Am besten bewerten in diesem Jahr – wie bereits in den Vorjahren – die angehenden Industriemechaniker die Qualität ihrer Ausbildung, gefolgt von den Fachinformatikern. Dahinter folgen mit den angehenden Verwaltungsfachangestellten und Mechatronikern weitere Berufe, die ebenfalls in den zurückliegenden Jahren immer wieder in der Spitzengruppe vertreten waren.
Voraussetzung für ein gutes Abschneiden in der Gesamtbewertung sind durchgängig gute Bewertungen in allen vier Aspekten der Ausbildungsqualität, die im Ausbildungsreport berücksichtigt werden. Das heißt, sowohl bei der Bewertung der Ausbildungszeiten und der -vergütung als auch bei der Einschätzung der fachlichen Qualität der Ausbildung im Betrieb und der persönlichen Beurteilung der Ausbildung haben die genannten Berufe jeweils überdurchschnittlich gut abgeschnitten.
Verkäufer in der Gesamtbewertung nur auf Platz 22
Wie in der Spitzengruppe, so ist auch am unteren Ende der Skala die Verteilung der Berufe seit vielen Jahren weitgehend konstant. Neben den Friseuren und den Zahnmedizinischen Fachangestellten finden sich auch 2025 Berufe aus dem Bereich des Hotel- und Gaststättengewerbes sowie des Einzelhandels auf den hinteren Plätzen des Rankings wieder.
Verkäufer kommen in der Gesamtbewertung auf den 22. und Kaufleute im Einzelhandel auf den 18. Platz.
Fachliche Qualität der Ausbildung im Betrieb
In die Bewertung „Fachliche Qualität der Ausbildung im Betrieb“ flossen die Antworten zu folgenden Fragen in das Ranking mit ein:
- Einhaltung des Ausbildungsplans
- Verrichtung von ausbildungsfremden Tätigkeiten
- Vorhandensein und Verfügbarkeit von Ausbildern am Arbeitsplatz
- Zufriedenheit mit der Erklärung von Arbeitsvorgängen
- grundsätzliche Bewertung der fachlichen Ausbildungsqualität im Betrieb.
Verkäufer rangieren auf Platz 21, Kaufleute im Einzelhandel auf Platz 15.
Ausbildungszeiten und Überstunden
In die Bewertung „Ausbildungszeiten und Überstunden“ flossen die folgenden Aspekte ein:
- Nacharbeiten der Zeiten des Berufsschulunterrichts
- regelmäßig zu leistende Überstunden
- Anzahl der Überstunden
- Vergütung beziehungsweise Freizeitausgleich der Überstunden
Verkäufer rangieren auf Platz 22, Kaufleute im Einzelhandel auf Platz 19.
Persönliche Beurteilung der Ausbildungsqualität
In das Ranking „Persönliche Beurteilung der Ausbildungsqualität“ flossen die folgenden Aspekte ein
- Korrekte Behandlung durch Ausbilder
- Zufriedenheit mit der Ausbildung insgesamt
- gefühlte Über- beziehungsweise Unterforderung in der Ausbildung
- Probleme, sich in der Freizeit zu erholen
- der Wunsch, nach der Ausbildung weiter im erlernten Beruf tätig zu sein
Verkäufer rangieren auf Platz 24, Kaufleute im Einzelhandel auf Platz 21.
Nur 61 Prozent der Verkäufer (sehr) zufrieden
Im Durchschnitt der 25 Ausbildungsberufe zeigen sich 71,6 Prozent (sehr) zufrieden. Unter den Verkäufern äußern 61,9 Prozent der Befragten, sie seien (sehr) zufrieden. 29,9 sind teilweise zufrieden und 6,6 Prozent eher oder sehr unzufrieden.
Unter den Kaufleuten im Einzelhandel äußern 62,9 Prozent der Befragten, sie seien (sehr) zufrieden. 28,8 sind teilweise zufrieden und 8,3 Prozent eher oder sehr unzufrieden.
Gewerkschaft kritisiert sinkende Ausbildungsbeteiligung
Die Zahl der neuen Ausbildungsverträge ist laut Ausbildungsreport leicht zurück gegangen. Im Jahr 2024 wurden insgesamt 486.700 Ausbildungsverträge neu abgeschlossen. Um den Stand vor der Pandemie zu erreichen, fehlen mittlerweile über 38.000 Ausbildungsverträge. Dies ist aus Sicht der Gewerkschaft eine „Folge der immer weiter sinkenden Ausbildungsbeteiligung der Arbeitgeber: Nur noch 18,8 Prozent der Betriebe bilden aus – ein neuer trauriger Tiefststand.“
Rekordstand bei den Ausbildungsabbrüchen
Alarmierend findet es der DGB ferner, dass die Ausbildungsabbrüche einen erneuten Rekordstand erreicht hätten. Denn 3 von 10 Auszubildenden lösen ihren Ausbildungsvertrag vorzeitig auf. Die Gründe sind aus DGB-Jugend zum Beispiel eine unzureichende Berufsorientierung, andere Vorstellungen vom Ausbildungsberuf oder schlechte Ausbildungsbedingungen, wie etwa regelmäßige Überstunden.
Mehrheit kann von Ausbildungsvergütung nicht leben
Die Mehrheit der befragten Auszubildenden aus allen Berufen (62,8 Prozent) gibt an, von der Ausbildungsvergütung nicht selbst ständig leben zu können – ein deutlicher Anstieg gegen über den Ergebnissen des Jahres 2020. Viele sind auf zusätzliche Unterstützungsleistungen durch die Familie und/oder den Staat angewiesen.
Die größte Bedeutung haben dabei die Unterstützung von Eltern/Bekannten (31,9 Prozent) sowie Kindergeldzahlungen (26,1 Prozent). 12,7 Prozent der Befragten geben an, neben ihrer Ausbildung noch einen Nebenjob zu haben. Staatliche Leistungen wie die Berufsbildungsbeihilfe (3,8 Prozent) oder andere staatliche Leistungen (7,4 Prozent) sind von nachrangiger Bedeutung.
Weiter Probleme bei ausbildungsfremden Tätigkeiten
Bei den ausbildungsfremden Tätigkeiten gäbe es trotz minimaler Fortschritte weiterhin Probleme, so der DGB. 14,7 Prozent der Befragten müssen immer oder häufig Aufgaben übernehmen, die nichts mit ihrer Ausbildung zu tun haben – wie Kaffee kochen oder putzen. DGB-Bundesjugendsekretär Kristof Becker sagte: „Für die Azubis heißt das ganz einfach, dass ihnen Zeit für die eigentlichen Ausbildungsinhalte fehlt.“ Dies gefährde ihren Abschluss.
DIHK: Ausbildungsreport bedeutet Lob für die Wirtschaft
„Die Ergebnisse des neuen DGB-Ausbildungsreports bedeuten ein großes Lob für unsere Ausbildungsbetriebe. Denn mehr als 70 Prozent der Azubis sind mit ihrer Ausbildung zufrieden oder sehr zufrieden.“ So kommentiert die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) den Ausbildungsreport. Das spiegelt das herausragende Engagement der Betriebe, das auch in der DIHK-Ausbildungsumfrage deutlich werde. Die DIHK: „Zahlreiche Betriebe punkten mit modernen Ausbildungskonzepten, flachen Hierarchien oder Zuschüssen etwa fürs Fitnessstudio oder den Führerschein. Jungen Menschen, denen es nach Beendigung der Schule an Grundlagen im Rechnen, Schreiben, Lesen oder Sozialverhalten fehlt, werden gezielt gefördert.“ Sollte es dennoch Schwierigkeiten während der Ausbildung geben, stehen die Ausbildungsberater der IHKs den Azubis und ihren Ausbildungsbetrieben mit Rat und Tat zur Seite.
