Creditreform-Studie Wirtschaftskrise zwingt Firmen zu längeren Zahlungszielen

Die anhaltende Wirtschaftskrise verlangt von Lieferanten und Kreditgebern deutlich mehr Flexibilität: Die durchschnittlichen Zahlungsfristen in Deutschland haben sich auf 31,46 Tage verlängert. Trotz dieser Entwicklung berichtet der sogenannte Zahlungsindikator der Wirtschaftsauskunftei Creditreform auch über positive Trends.

Dienstag, 12. August 2025, 10:24 Uhr
Thomas Klaus
Rechnen mit dem spitzen Stift: Die Creditreform-Studie offenbart auch eine zunehmende Differenzierung der Zahlungsziele nach Unternehmensgröße. Bildquelle: Getty Images

Die anhaltende Wirtschaftskrise zwingt Lieferanten und Kreditgeber zu größerer Flexibilität bei Zahlungszielen. Eine Auswertung des Debitorenregisters von Creditreform für das erste Halbjahr 2025 zeigt, dass sich die durchschnittlichen Zahlungsfristen in Deutschland auf 31,46 Tage verlängert haben. Vor zwei Jahren lag dieser Wert noch bei 29,93 Tagen.

Für die Studie wurden 3,35 Millionen Rechnungsbelege aus dem Crediteform Debitorenregister Deutschland (DRD) analysiert.

Hantzsch: Große Abnehmer üben Druck aus

„Viele Lieferanten und Dienstleister sehen sich nach mehr als zwei Jahren Krise gezwungen, ihren Kunden entgegenzukommen und längere Zahlungsfristen zu gewähren“, erklärte Patrik-Ludwig Hantzsch, Leiter der Creditreform Wirtschaftsforschung. Besonders große und marktmächtige Abnehmer üben ihm zufolge Druck auf ihre Lieferanten aus. Gleichzeitig tragen nach Darstellung des Experten verstärkte Bonitätsprüfungen und ein intensiveres Risikomanagement dazu bei, dass Zahlungsausfälle verhindert werden.

Volumen offener Rechnungen zuletzt gesunken

Trotz längerer Zahlungsfristen gibt es auch positive Entwicklungen: Das Volumen offener Forderungen ist zuletzt gesunken. Die durchschnittliche Verzugsdauer überfälliger Rechnungen erreichte mit 7,89 Tagen den niedrigsten Wert der letzten zehn Jahre. Auch die Anzahl überfälliger Rechnungen ging zurück. Das durchschnittlich ausstehende Forderungsvolumen pro Schuldner verringerte sich von 23.618 Euro im Vorjahreszeitraum auf aktuell 19.848 Euro.

Längere Laufzeiten im Einzelhandel

Im Geschäft zwischen Unternehmen beglichen diese Forderungen im ersten Halbjahr 2025 im Schnitt nach 39,35 Tagen – eine Beschleunigung im Vergleich zu den Vorjahren. Zwischen 2016 und 2021 lag die Zahlungsdauer meist noch bei über 42 Tagen. Allerdings zeigen sich in einzelnen Branchen wie der Chemieindustrie und dem Einzelhandel gegenläufige Trends mit längeren Laufzeiten. Einzelheiten zur Situation im Einzelhandel nannte die Creditreform nicht.

Der durchschnittliche Rechnungswert im B2B-Geschäft lag im ersten Halbjahr 2025 bei 1.960 Euro – ein erneuter Rückgang im Vergleich zum Vorjahreswert von 2.072 Euro (2023: 2.234 Euro). Dieser Rückgang spiegelt aus Sicht der Creditreform die angespannte Konjunkturlage wider.

Großunternehmen profitieren von längeren Fristen

Die Studie offenbart auch eine zunehmende Differenzierung der Zahlungsziele nach Unternehmensgröße. Während kleine Unternehmen kürzere Fristen hinnehmen mussten, erhielten Großunternehmen mit mehr als 250 Beschäftigten durchschnittlich 33,97 Tage Zahlungsfrist – 0,75 Tage mehr als im Vorjahr. Für kleine Unternehmen sank die durchschnittliche Frist hingegen auf 26,19 Tage.

„Großkunden profitieren traditionell von großzügigeren Zahlungszielen. Dieser Trend hat sich im Zuge der aktuellen Wirtschaftskrise weiter verstärkt“, erläuterte Jörg Urbscheit, Business Analyst des Creditreform Debitorenregisters.

 Den nächsten „Zahlungsindikator Deutschland“ will Creditreform im Februar 2026 veröffentlichen.

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