Handelspolitische Spannungen DIHK fordert selbstbewussteres Auftreten der EU

Die USA haben neue Zollerhöhungen eingeführt. Die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) als Dach der deutschen Industrie- und Handelskammern hat in einem Argumente-Papier Forderungen an die Politik und die Europäische Union formuliert. Motto: Nur ein echter Deal sei ein gutes Ziel. 

Dienstag, 12. August 2025, 08:18 Uhr
Thomas Klaus
Eintracht ist Vergangenheit: Die Wirtschaftsbeziehungen zwischen den USA und der Europäischen Union sind gegenwärtig belastet. Bildquelle: Getty Images

Die USA haben Anfang August neue Zollerhöhungen eingeführt, die aus Sicht der DIHK gegen die Regeln der Welthandelsorganisation (WTO) verstoßen. In einem Argumente-Papier warnt die DIHK: Diese Zölle könnten auf absehbare Zeit bestehen bleiben und sowohl den bilateralen Handel als auch Investitionen erheblich belasten. Zum Vergleich: Anfang 2025 betrug der durchschnittliche US-Zollsatz für Einfuhren aus der EU knapp 2 Prozent.

DIHK-Blitzumfrage mit alarmierenden Ergebnissen

Eine DIHK-Blitzumfrage unter rund 3.500 deutschen Betrieben aus dem August zeigt nach Darstellung der Deutschen Industrie- und Handelskammer die Auswirkungen der aktuellen US-Handelspolitik: 54 Prozent der Unternehmen mit US-Geschäft wollen künftig weniger Handel mit den Vereinigten Staaten treiben. Bei den Investitionen in den USA zeigt sich ebenfalls Zurückhaltung: 26 Prozent dieser Betriebe haben aufgrund der Planungsunsicherheit entschieden, ihre Investitionen zu verringern oder vorerst auszusetzen.

DIHK betont Bedeutung des US-Marktes

Der DIHK betont die Bedeutung der USA als wichtigsten Exportmarkt und bedeutenden Investitionsstandort für Deutschland. 2024 belief sich das deutsch-amerikanische Handelsvolumen auf 252 Milliarden Euro, der Investitionsbestand deutscher Unternehmen in den USA auf 529 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Der US-Investitionsbestand in Deutschland liegt bei knapp 112 Milliarden Euro. Eine Verschlechterung der bilateralen Wirtschaftsbeziehungen könnte die Beschäftigung in Deutschland beeinträchtigen – rund 1,2 Millionen Arbeitsplätze hängen direkt vom Export in die USA ab.

Geschlossene und entschlossene Haltung der EU gefordert

Der DIHK fordert eine geschlossene und entschlossene Haltung der EU, um sich im globalen Wettbewerb zu behaupten. Das sei die Basis für glaubwürdige Abschreckungsmaßnahmen etwa in Form von gezielten Gegenzöllen oder Einfuhr- und Ausfuhrbeschränkungen.

Die Organisation plädiert für rechtsverbindliche Detailvereinbarungen in Schlüsselbranchen wie dem Automobil-, Pharma- oder Stahlbereich. So sollen die Handelsbeziehungen mit den USA abgesichert werden.

Erhebliche Mehrbelastungen im Vergleich zur bisherigen Situation

Die DIHK-Umfrage zeigt, dass 77 Prozent der Unternehmen die derzeitige handelspolitische Unsicherheit als größte Belastung empfinden. Obwohl der so genannte Deal zwischen US-Präsident Donald Trump und der EU eine drastische Eskalation des Handelsstreits mit den angedrohten US-Zollsätzen von 30 Prozent verhindert habe, berichtet mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen von erheblichen Mehrbelastungen im Vergleich zur bisherigen Situation.

Wirtschaftliche Offeneit statt Abschottung

Die DIHK unterstreicht die Bedeutung offener Weltmärkte für die deutsche Wirtschaft und warnt vor den Folgen eines möglichen Zusammenbruchs der WTO, auf deren Regeln rund 83 Prozent des Welthandels beruhten. Die Organisation fordert die EU auf, sie solle verstärkt mit Drittstaaten zusammenarbeiten, um die regelbasierte multilaterale Ordnung zu erhalten und keine WTO-widrigen Handelsabkommen zu akzeptieren. Das gelte erst recht für Partner, die selbst Beiträge zur Erosion des Welthandelssystems leisteten.

Abschließend ruft die DIHK in ihrem Argumente-Papier zu mehr Tempo bei der Aushandlung und Ratifizierung bilateraler Handelsabkommen auf. Das gelte insbesondere für Mercosur, Indonesien, Indien, die Schweiz, Australien und Malaysia. Diese Abkommen seien entscheidend für die Diversifizierung der Lieferketten und eine souveräne EU.

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