MSC-Analyse Hälfte der Heringsprodukte stammt aus nachhaltiger Fischerei

Die Meeresschutzorganisation Marine Stewardship Council (MSC) kritisiert die Nachhaltigkeit von Heringsprodukten im deutschen Einzelhandel. Nur 50 Prozent der angebotenen Ware stammt nach MSC-Erkenntnissen aus nachhaltiger Fischerei. Bei gekühlten Produkten sei die Lage besonders bedenklich.

Dienstag, 12. August 2025, 08:16 Uhr
Thomas Klaus (mit dpa)
Ernüchternde Bilanz: Bei der Nachhaltigkeit von Heringsprodukten muss der Lebensmitteleinzelhandel nach Darstellung des MSC aufholen. Bildquelle: Getty Images/iStockphoto

Der Marine Stewardship Council hat eine aus seiner Sicht ernüchternde Bilanz zur Nachhaltigkeit von Heringsprodukten im deutschen Lebensmitteleinzelhandel gezogen. Laut einer aktuellen Analyse stammt nur die Hälfte der angebotenen Heringsprodukte aus nachhaltiger Fischerei und nicht überfischten Beständen. Dies teilte die Organisation zum Schutz der Meere mit.

79 Prozent der Konserven mit MSC-Siegel

Besonders kritisch bewertet der MSC die Situation bei gekühlten Produkten wie Matjesfilets, Heringssalat oder Rollmops. Hier tragen nach Angaben der Organisation lediglich 32 Prozent aller verkauften Produkte das blaue MSC-Siegel für umweltverträglich gefangenen Fisch. Bei Heringskonserven liegt der Anteil von Produkten aus nachhaltiger Fischerei dagegen bei 79 Prozent des Verkaufsvolumens.

Der Unterschied hängt laut MSC vor allem von der verwendeten Rohware ab. Konservenhersteller verwenden meist den MSC-zertifizierten Nordsee-Hering, dessen Bestand sich in einem guten Zustand befindet. Produzenten gekühlter Ware setzen hingegen häufig auf den atlanto-skandischen Hering aus der Norwegischen See. Dieser Bestand gilt nach MSC-Darstellung als überfischt, weil sich die Fangnationen seit Jahren nicht auf eine nachhaltige Fangquotenregulierung einigen können.

MSC fordert Umstellung auf nachhaltige Rohware

„Dass nur die Hälfte des Heringsvolumens im Supermarkt nachhaltig ist, liegt nicht am Angebot, sondern an den Entscheidungen von Herstellern und Einzelhandel“, kritisierte Kathrin Runge, Leiterin des MSC in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Sie betont, dass für die Nachfrage auf dem deutschen Markt genügend Hering aus gesunden, nachhaltig befischten Beständen vorhanden sei.

Der MSC fordert Hersteller und Einzelhandel auf, sie sollten vollständig auf nachhaltige Rohware umstellen. Zudem appelliert die Organisation an die Politik, sich für eine Einigung der Fangnationen auf nachhaltige Fangquoten einzusetzen, insbesondere beim atlanto-skandischen Hering. Dies sei entscheidend, damit das ökologische Gleichgewicht im Nordostatlantik nicht gefährdet und  die langfristige Verfügbarkeit von Hering als Nahrungsmittel gesichert werde.

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