Online-Handel Viele Temu-Produkte widersprechen den EU-Regeln

Die EU-Kommission sieht beim chinesischen Online-Marktplatz Temu ein hohes Risiko für den Verkauf illegaler Produkte. Besonders Babyspielzeug und Elektronikprodukte entsprechen angeblich oft nicht den EU-Regeln. 

Dienstag, 29. Juli 2025, 09:39 Uhr
Theresa Kalmer (mit dpa)
Viele Verbraucher lassen sich von den günstigen Preisen von asiatischen Shopping-Portalen locken. Doch es gibt Risiken, befindet jetzt die EU-Kommission. Bildquelle: Getty Images

Der chinesische Online-Marktplatz Temu verstößt nach einer vorläufigen Einschätzung der EU-Kommission gegen europäisches Digitalrecht. Die Brüsseler Behörde ist der Auffassung: Die Verbraucher in der EU haben ein hohes Risiko, auf der Plattform illegale Produkte zu finden. Dies betrifft nach Angaben der Kommission insbesondere Babyspielzeug und Elektronikprodukte, die nicht den EU-Regeln entsprechen.

Temu droht beträchtliche Geldbuße

Temu hätte gemäß dem Gesetz über digitale Dienste die Pflicht, die Risiken einer Verbreitung illegaler Produkte auf seinem Marktplatz besser zu kontrollieren. „Die Sicherheit der Verbraucher im Internet ist in der EU nicht verhandelbar“, erklärte Kommissionsvizepräsidentin Henna Virkkunen. Die EU-Kommission betonte: Sie habe noch nicht final entschieden, ob Temu tatsächlich gegen EU-Recht verstößt.

Das Unternehmen kann nun auf die Vorwürfe reagieren. Ein Unternehmenssprecher teilte lediglich mit: „Wir werden weiterhin uneingeschränkt mit der Kommission zusammenarbeiten“. Sollte Temu sein Verhalten nicht anpassen oder die Vorwürfe nicht ausräumen können, droht eine Geldbuße von bis zu 6 Prozent des weltweiten Gesamtumsatzes.

Die EU-Kommission ermittelt bereits seit Oktober gegen den Online-Marktplatz. Damals hatte die Behörde mitgeteilt, dass gesperrte unseriöse Händler immer wieder auf der Plattform auftauchen würden. Die Kommission prüft zudem weitere mögliche Verstöße gegen das Digitalgesetz, darunter die Verwendung süchtig machender Gestaltungsmerkmale des Marktplatzes.

Verbraucherschützer kritisieren Temu-Geschäftspraktiken

Europäische Verbraucherschutzbehörden werfen Temu darüber hinaus falsche Rabattaktionen, gefälschte Bewertungen sowie fehlende und irreführende Informationen zu Rechtsansprüchen der Verbraucher vor. Die Plattform verstecke außerdem ihre Kontaktangaben und erwecke den Eindruck, dass Produkte nur begrenzt oder für kurze Zeit verfügbar seien. Diese Vorwürfe hatte das Netzwerk für die Zusammenarbeit im Verbraucherschutz im November öffentlich gemacht.

Der Online-Marktplatz zählt zu den größten Onlinehändlern in Deutschland. Nach eigenen Angaben hat Temu mehr als 45 Millionen aktive monatliche Nutzer in der EU. Das Verfahren gegen das Unternehmen fällt in eine Zeit wachsender wirtschaftlicher Spannungen zwischen der EU und China. Wie beim jüngsten EU-China-Gipfel deutlich wurde, bleiben Fortschritte beim zentralen Streitpunkt Handel trotz Gesprächsbereitschaft aus.

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