Der deutsche Einzelhandel hat sein Sortiment zum muslimischen Fastenmonat Ramadan deutlich ausgeweitet. Immer mehr Händler bieten Dekorationsartikel wie Kalender, Kerzenständer oder Produkte mit Ramadan-bezogenen Aufschriften an, teilte der Handelsverband Hessen mit. Auch spezielle Lebensmittel für die muslimische Fastenzeit finden sich vermehrt in den Regalen.
Einige Artikel bereits nach kurzer Zeit ausverkauft
Die Drogeriekette dm führt seit Januar 2024 in rund 900 ihrer mehr als 2.140 Märkte in Deutschland Ramadan-Kalender im Sortiment. Diese stoßen nach Angaben des Unternehmens besonders in großen und kulturell diversifizierten Ballungsräumen auf Kundenzuspruch.
Auch das Einzelhandelsunternehmen Woolworth hat nach einem erfolgreichen Test im Jahr 2023 sein Angebot an Ramadan-Artikeln ausgebaut. Einige Artikel seien in diesem Jahr bereits nach kurzer Zeit ausverkauft gewesen, so das Unternehmen. Woolworth hat sich nach eigenen Angaben dazu entschieden, neben den christlichen Festen auch muslimische mit entsprechenden Sortimenten zu bewerben.
Auch vermehrt Dekoartikel im Sortiment
Die Ramadan-Kalender sind angelehnt an den christlichen Adventskalender und bestehen aus 30 Feldern, Tüten oder Säckchen - für jeden Abend des Ramadan einen. In jedem Behältnis befindet sich ein Geschenk oder etwas Süßes. Die Kalender gibt es in verschiedenen Varianten und Preislagen von unterschiedlichen Herstellern. Neben den Kalendern bieten die Händler auch vermehrt Dekoartikel zum Fastenmonat an.
Islamforscher Agai sieht integrative Wirkung
Der Islamforscher Bekim Agai von der Goethe-Universität Frankfurt bewertet diesen Trend grundsätzlich positiv. „Die muslimische Fastenzeit wird hier sichtbarer und das hat natürlich auch etwas Integratives“, sagt er. Agai weist allerdings darauf hin, dass Angebote wie Ramadan-Kalender eine kulturelle Anpassung an den christlichen Adventskalender darstellen. In muslimischen Ländern gebe es kein vergleichbares Produkt. Dort werden Kinder lediglich zum Ende des Ramadans beschenkt.
In anderen europäischen Ländern wie Frankreich oder England seien Großsupermärkte schneller darin gewesen, die Zusammensetzung der Bevölkerung in der Produktpalette abzubilden.
Geteilte Resonanz in muslimischer Gemeinschaft
Die Entwicklung stößt in der muslimischen Gemeinschaft auf geteilte Resonanz. „Der Verkauf von Ramadan-Artikeln im deutschen Einzelhandel ist ein zweischneidiges Schwert“, erklärte Ramazan Kuruyüz, Vorsitzender der Islamischen Religionsgemeinschaft Hessen. Einerseits trage dies zur Normalisierung muslimischen Lebens in Deutschland bei. „Andererseits besteht die Gefahr, dass ein zutiefst spiritueller Monat zunehmend kommerzialisiert wird – ähnlich wie es zu Weihnachten geschehen ist“, führte Kuruyüz aus. Einige Muslime kritisieren, dass durch die Kommerzialisierung die spirituelle und festliche Seite des Ramadans verloren gehe.
Datteln, Joghurt und Blätterteig besonders gefragt
Die Nachfrage nach Ramadan-Produkten variiert nach Angaben des Handelsverbands Hessen je nach Region. In Kommunen und Städten mit einem höheren Anteil muslimischer Bevölkerung passen die Händler ihr Angebot stärker an. Besonders gefragt sind den Angaben zufolge Lebensmittel wie Datteln, Joghurt, die Süßspeise Künefe oder Blätterteig. Die Händler bereiten sich auf die Fastenzeit vor, indem sie ihre Warenbeschaffung anpassen und größere Mengen dieser Produkte bestellen.
